zur Navigation springen

Neustadt-Glewe : Rathausglocke schlägt bald wieder

vom

Obwohl sie seit einigen Tagen stumm geschaltet wurde, hat die Rathausglocke von Neustadt-Glewe für ziemlichen Lärm gesorgt. Grund genug für uns, Bürgermeister Arne Kröger um eine aktuelle Stellungnahme zu bitten.

svz.de von
erstellt am 21.Feb.2012 | 06:17 Uhr

Neustadt-Glewe | Obwohl sie seit einigen Tagen stumm geschaltet wurde, hat die Rathausglocke von Neustadt-Glewe für ziemlichen Lärm gesorgt. Es gab verschiedene Leserbriefe und öffentliche Stellungnahmen. Grund genug für SVZ, sich noch einmal an den Bürgermeister von Neustadt-Glewe, Arne Kröger, zu wenden und ihn um eine aktuelle Stellungnahme zu bitten. Gestern stellte er sich im Rathaus einigen Fragen von SVZ-Redaktionsmitglied Jürgen Seidel.

Herr Bürgermeister, Glockenärger in Neustadt-Glewe. Was gibt es aus Ihrer Sicht Neues zu diesem Thema zu sagen?

Arne Kröger: Wir bereiten als Stadtverwaltung den Vorgang gerade auf. Ich hatte auch schon mitgeteilt, dass wir uns unabhängig von dem, was Fachbehörden sagen, darum kümmern, wie wir das Läutwerk wieder zum Läuten bringen. Eigentlich wollte ich dazu gar nicht mehr viel sagen. Ich habe mich auch gewundert, dass diese Angelegenheit solche Wellen schlägt. Es ging anfangs nur darum, zu erklären, warum unsere Rathausglocke derzeit nicht mehr schlägt. Das Glockengeläut gehört nicht zu unseren Pflichtaufgaben.

In der Zwischenzeit hat sich in unserer Redaktion der Bürger gemeldet, der sich beschwert hatte, und gesagt, er sei nicht allein. Es gebe eine Unterschriftenliste seiner Unterstützer. Ist Ihnen diese Liste bekannt?

Nach unserer Aktenlage gibt es hier in Neustadt-Glewe keine weiteren Leute, die sich beschwert haben. Und eine solche Unterschriftenliste kenne ich auch nicht. Außerdem ist der Kontakt zu demjenigen Petenten abgebrochen. Der Ton seiner Äußerungen ist mittlerweile von einer sprachlichen Robustheit geprägt, auf die ich mich nicht einlassen werde.

Herr Kröger, bereits vor diesem Interview haben Sie in einer Mitteilung an die Redaktion davon gesprochen, dass der gesamte Vorgang einem Rechtsanwalt übergeben wurde. Kommt es nun doch zu einem Rechtsstreit mit dem Beschwerdeführer?

Ich sage Ihnen ganz klar, ich lege es nicht darauf an. Wir können unser Geld sinnvoller anlegen. Nach der letzten, relativ unhöflichen Einlassung des Petenten, die am Montag auf meinem Schreibtisch gelandet ist, habe ich dieses Schreiben allerdings an unsere Juristen übergeben. Wir sollten wieder auf die Sachebene zurückkehren.

Herr Kröger, es gab aus der Neustädter Stadtvertretung Anfragen, wer auf welche Weise den Bürgermeister eigentlich zum Abschalten aufgefordert hat. War das eigentlich schriftlich geschehen?

Wir haben ein Anschreiben des Wirtschaftsministeriums vom 15. November 2011 erhalten, in dem wir darauf hingewiesen wurden, dass wir Vorgaben nicht einhalten und dass wir aber als Betreiber dazu verpflichtet seien. Der Stundenschlag der Rathausuhr verursache "schädliche Umwelteinwirkungen", die nach dem Stand der Technik vermeidbar seien. Anschließend wurden einige dieser technischen Möglichkeiten aufgezählt. Und daraufhin hat sich auch noch einmal der Landkreis eingeschaltet. Wir hatten versucht, den Klöppel der Glocke zu ummanteln. Aber dieses Verfahren war doch nicht das, was sich der Landkreis vorgestellt hatte. Diese Methode sei nicht im erforderlichen Maß wirksam gewesen, so der Landkreis. Im Übrigen gibt es zu diesem Thema einen erstaunlich umfangreichen Vorgang. Und als Kommunalpolitiker bin ich schon ein wenig verwundert, welche Behörden sich alle mit unserer Rathausglocke beschäftigen.

In den Streit um das Schlagen der hiesigen Rathausglocke haben sich auch mehrere Vereine aus Neustadt-Glewe zu Wort gemeldet und Unterstützung angeboten. Wie teuer wäre denn eine andere technische Lösung - mechanisch oder elektronisch? Und könnte nicht zum Beispiel jeder der knapp 6000 Einwohner Ihrer Stadt einen Euro spenden, quasi einen "Glockentaler"? Was meinen Sie dazu?

Das ist genau die Idee, die wir gerade vorbereiten. Uns haben verschiedene Angebote erreicht. Deren Kostenspanne ist natürlich groß. Wir sind dabei, die beste Lösung herauszusuchen. Aber für rund zweieinhalb bis dreitausend Euro lässt sich das Läutwerk nachts unterbrechen und morgens dann wieder anschalten. Es wäre sicherlich sinnvoll, wenn wir auf diese Weise zum einen das Läutwerk wieder in Betrieb setzen und zum anderen ab 22 Uhr für etwas weniger Schall in der Stadt sorgen. Aber es wäre auch schön, wenn überall mit gleichem Maß gemessen würde - was zum Beispiel den Straßenlärm angeht.

Der Vorschlag rennt also gleichsam offene Rathaustüren ein?

Ein solcher Vorschlag ist auch bei mir schon länger gereift. Aber ein solches Spendenkonto lässt sich auch nicht von heute auf morgen einrichten, und ich habe erst heute morgen die entsprechende Kontonummer bekommen.

Ab wann kann spenden, wer möchte? Und auf welches Konto?

Die entsprechende Bankverbindung lautet: Konto 1 713 846 426 bei der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin. Die Bankleitzahl ist 140 520 00.

Und wie geht es jetzt überhaupt weiter, Herr Bürgermeister? Wann wird die Rathausglocke über Neustadt-Glewe wieder zu hören sein?

Wir wollen unsere Rathausglocke kurzfristig wieder anschalten.

Was heißt kurzfristig genau? Vielleicht zum diesjährigen Frühlingsbeginn am 21. März?

Ich möchte eigentlich gar nicht so lange warten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen