Vielank : Quast lebt in der Erinnerung weiter

Bürgermeister Christel Drewes und Amtsvorsteher Burkhard Thees kritisierten am Quaster Gedenktag das Betretungsverbot.  Fotos: Mick
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Bürgermeister Christel Drewes und Amtsvorsteher Burkhard Thees kritisierten am Quaster Gedenktag das Betretungsverbot. Fotos: Mick

Einwohner der Gemeinde Vielank trafen sich am Sonnabend nahe des Schlagbaums in Hohen Woos zu einer Gedenkveranstaltung

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07. August 2016, 21:00 Uhr

Ein angenehmer Sommertag, nach und nach kommt die Sonne hervor. Auf der Wiese vor dem Haus Am Kiefernwald in Hohen Woos haben sich an diesem Sonnabend Menschen aus den umliegenden Dörfern eingefunden. Es gibt Kaffee und Kuchen, ein Getränkewagen steht da, die Feuerwehr baut ihren Grill auf. Ein Sommerfest ist es aber nicht, das hier stattfindet. Die Menschen treffen sich, um an das Dorf Quast auf dem Gelände des ehemaligen Truppenübungsplatzes zu erinnern. In unmittelbarer Nähe der Gedenkveranstaltung steht ein Schlagbaum, davor Warnschilder, die ein Betreten des gesamten Geländes untersagen - aufgrund der früheren militärischen Nutzung mit Munition und anderen Kampfmitteln belastet. „Wir sind heute hier in Hohen Woos, am Schlagbaum auf dem Weg nach Quast“, sagte Christel Drewes, Bürgermeisterin von Vielank. „Den 15. Quaster Gedenktag können wir nicht am Gedenkstein begehen, auch im Vorjahr war das nicht möglich.“


Ausnahmegenehmigung wurde nicht erteilt


Ein allgemeines Betretungsverbot des ehemaligen Truppenübungsplatzes wurde Ende November 2015 erlassen - vom Landkreis Ludwigslust-Parchim im Auftrag der Eigentümerin der Fläche der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. „Wir hatten auf eine Ausnahmegenehmigung gehofft, das ist leider nicht der Fall“, zeigt sich Christel Drewes enttäuscht und verärgert. Denn das Gelände wird trotz des Verbots von vielerlei Personen und Fahrzeugen betreten und befahren - so von den Holztransportern, von Jägern, von Quadfahrern und anderen Motorisierten. Christel Drewes: „Wir aber dürfen da nicht hinein, wir denken an den Ort und die Menschen, die ihn damals verlassen mussten. 597 Jahre hat Quast existiert.“ 1961 war es für den späteren Truppenübungsplatz abgerissen, die letzten dort lebenden Familien wurden zum Teil zwangsausgesiedelt. „653 Jahre wäre Quast in diesem Jahr geworden und ist damit der älteste Ort in unserer Gemeinde.“

Als Hohen Woos als Ortsteil der Gemeinde Vielank dieses Jahr sein 725-jähriges Bestehen feierte, wollten die Einwohner mit vielen Gästen und ehemaligen Bewohnern von Quast mit Kremsern zum Ort des Gedenkens fahren. „Wir haben einen entsprechenden Antrag gestellt, aber der wurde abgelehnt“, so Christel Drewes. „Wir haben Unterschriften gesammelt, dass wir dort wieder hinkommen können, rund 500 Leute haben das unterschrieben“, so Gemeindevertreterin Sylvia Lemke.


500 Unterschriften an den Minister übergeben


Gemeinsam mit Irmgard Wolf, die nahe am Schlagbaum wohnt, von dem aus es rund drei Kilometer in den Wald zur ehemaligen Ortschaft Quast geht, Ingrid Rosin und vielen anderen hält sie die Erinnerung an Quast wach, an das Unrecht, was den Menschen damals angetan wurde. Sylvia Lemke kämpft in der Gemeinde darum, dieses Gedenken bald wieder an dem Ort abhalten zu können, wo einst Quast existierte.

Die 500 Unterschriften wurden an Till Backhaus übergeben. Bürgermeisterin Christel Drewes glaubt, dass die Unterschriftenliste dort an der richtigen Adresse sei und der Minister sie in diesem Bemühen unterstützen könnte. „Damit wir bald günstigere Bedingungen vorfinden, wieder die Jabeler Heide, die Leussower Heide und das Lübtheener Areal betreten zu können.“ Dafür setzt sich auch Burkhard Thees, Amtsvorsteher des Amtes Dömitz-Malliß, ein. „Ich bin einer von denen, die die Verordnung mit unterschreiben mussten. Und ich habe mich damit schwer getan. Als die Verordnung vorgestellt wurde, habe ich geglaubt, dass es die Möglichkeit geben würde, für den Quaster Tag eine Ausnahmegenehmigung zu erlangen. Aber leider sind wir heute nicht in Quast. Wir haben einige Runden in Schwerin gedreht, um da etwas zu ändern. Erst vor gut vier Wochen gab es eine Zusammenkunft mit allen Beteiligten, aber ein Ergebnis liegt auch jetzt noch nicht vor.“

Vor den Landtagswahlen wollen die Beteiligten das Thema wohl aussitzen, so Thees. „Der Termin des Betretungsverbots läuft zum 31. Dezember 2016 aus. Es gibt eine Chance für uns: Diese Vereinbarung so nicht zu unterschreiben. Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass wir im nächsten Jahr nicht hier stehen, sondern am Quaster Gedenkstein. Wir müssen uns politisch übergreifend einig sein. Ich werde nicht nachlassen, bis dieser Schlagbaum wieder hoch ist“, so Burkhard Thees.

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