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Ludwigsluster Tageblatt

24. August 2017 | 05:02 Uhr

Gedenktag : Quast, das unvergessene Dorf

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Jährlicher Gedenktag findet erstmals wieder direkt vor Ort statt. Ehemalige Einwohner lassen die Erinnerungen aufleben

„Sie stehen hier in meiner Küche“, erklärt Waldemar Lutschin den Besuchern des Quaster Gedenktages, die an der Infotafel lesen. Mitten im Wald, auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Lübtheen, versammelten sich am Sonnabend knapp 100 Besucher, um an das ehemalige Dorf Quast zu erinnern. Ein besonderer Tag für alle Beteiligten, denn in den letzten Jahren war es nicht möglich, den Gedenktag an Ort und Stelle zu begehen.

„Es ist ein besonderes Gefühl, wieder hier zu sein“, erklärt Waldemar Lutschin und schaut sich auf der freigegebenen Fläche des ehemaligen Übungsplatzes um. Der 62-Jährige gehört zu den wenigen noch lebenden Quastern. Wo heute die Infotafel steht, befand sich einst das Haus seiner Familie, in dem er bis 1961 lebte. „Und dann kamen eines Tages zwei Traktoren und nahmen uns mit, daran kann ich mich noch dunkel erinnern“, so Lutschin, der bei der Zwangsaussiedlung der Quaster zugunsten des späteren Truppenübungsplatzes gerade mal sechs Jahre alt war. Heute lebt der Rentner mit seiner Lebensgefährtin in Lübz.

Beim mittlerweile 16. Gedenktag trifft Waldemar Lutschin auf weitere, ehemalige Quaster. Auch Elke Droßel, Ilse Samzow und Käte Teepe, lebten in dem Dorf, mitten im Wald. Die Vier sind die einzigen noch lebenden Einwohner, Elke Droßel und Ilse Samzow wurden sogar direkt hier geboren. Noch heute können sich alle genau daran erinnern, wo welches Haus, welcher Familien stand und wo genau der Weg zur Schule entlang führte. „Die Bilder sind sofort wieder da, sobald man hier ist“, so Käte Teepe.

Vielanks Bürgermeisterin Christel Drewes zeigte sich sehr glücklich, dass der Quaster Gedenktag endlich wieder an Ort und Stelle stattfinden konnte. „Wir alle haben lange dafür gekämpft, dass wir heute hier stehen, uns erinnern und auch ein bisschen feiern können. Und es hat sich gelohnt.“ Ein Antrag auf Sondernutzung und eine Haftungsverzichtserklärung hätten dies möglich gemacht. Trotzdem fand die Veranstaltung mit Einschränkungen statt. So wurden alle Besucher, die sich in eine Anwesenheitsliste eintragen mussten, von der Feuerwehr Tewswoos, Alt und Neu Jabel vom Schlagbaum in Hohen Woos abgeholt und zur Veranstaltung gefahren. Denn das Befahren oder Betreten Unbefugter ist noch immer nicht möglich und wird sogar mit einer Geldbuße geahndet. Viele Besucher zeigten für diese Maßnahme kein Verständnis, zu gerne wären sie mit dem Fahrrad in den Wald gefahren oder zu Fuß zu der Veranstaltung gekommen. Denn, dass hier trotzdem Pilzsammler und Motorräder unterwegs sind, darüber waren sich alle einig.

Auch Vertreter der Bundesforst Trave, des Biosphärenreservats Elbe-Schaalsee sowie des Munitionsbergungsdienstes waren mit Informationsständen vor Ort. „Auf diesem Stück besteht keine akute Gefahr. Die Besucher sollten jedoch auf keinen Fall in die Wälder gehen“, erklärt Robert Mollitor, Leiter des Munitionsbergungsdienstes, während einer kurzen Ansprache. Christel Drewes versicherte den Anwesenden, dass sie an dem Quaster Gedenktag und den damit verbundenen Erinnerungen festhalten wolle. Und, dass der Tag im kommenden Jahr vielleicht noch unbeschwerter stattfinden könne. „Das habe ich mir jedenfalls ganz fest auf die Fahne geschrieben.“

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erstellt am 07.Aug.2017 | 11:40 Uhr

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