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Ludwigslust : Quartett Csókolom bot Weltmusik bei der dritten Auflage von „Jazz in Lulu“

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Die Zuhörer waren vom Konzert der dritten Auflage von „Jazz in Lulu“ begeistert.

svz.de von
erstellt am 21.Sep.2014 | 23:00 Uhr

Was in der Ludwigsluster Stadthalle an kreativer, improvisierter und emotionaler Streichermusik auf das Publikum am Freitagabend vom Csókolom-Quartett einströmte, war eine geballte Klangwelt an bearbeiteter Volksmusik aus Ungarn, den serbo-kroatischen Landstrichen und Rumänien. Die knapp 100 Zuhörer gerieten über das Konzert der dritten Auflage von „Jazz in Lulu“ schier aus dem Häuschen. Gerade die vielfach von Moll-Klängen bestimmten Arrangements fanden Eingang in die Klangwelt des Jazz-begeisterten Publikums.

Dem Kunst- und Kulturverein Ludwigslust (Kukululu) war es damit zum dritten Mal in Folge gelungen, einen kulturellen Kontrapunkt zur klassischen Musik in der Barockstadt zu setzen. Nicht als Stachel, sondern als polarisierende Bereicherung, wie es Henrik Wegner und Astrid Kloock für den veranstaltenden Verein unisono verstanden haben möchten.

Treibende Kraft und musikalischer Motor dieses „Volksmusikabends“ war Anti von Klewitz. Sie war und ist das Herzstück von Csókolom. Während die brillante Spielkultur vom Barock-Geiger Heinrich Kubitschek und die vom Multi-Instrumentalstreicher Sander Hoving und vom facettenreichen Kontrabassisten Jens Piezunka wie der dafür notwendige Pulsschlag anmutete. Mit dem von Anti von Klewitz bearbeitenden Lied der Roma „Amari szi amari“ (frei übersetzt „Macht Platz Leute, dass der Alte tanzen kann“) eröffnete das Quartett ihre „Reise der Lieder“, wie es von Klewitz angekündigt hatte. Diese Reise umfasste traditionelle Musik vom Balkan, aus der Kultur des Roma-Volkes, aber auch bearbeitete Lieder, die immer wieder Passagen von jazzigen- und experimentellen Arrangements aller Musiker oder als Soli im Klangkörper beinhalteten.

Dass ihre auf der Bühne gelebte Musik weit über das Maß der „Gipsy-fiddle“-Musik hinausgeht, liegt sicherlich mit an der phänomenal umfassenden Musikalität der im ehemaligen Jugoslawien aufgewachsenen Streicherin Anti von Klewitz. Wer bei Csókolom spielt, der muss nicht nur perfekt ein Musikinstrument beherrschen und bereit sein, an die eigenen Grenzen der Spielfreude zu gehen. Der muss sich darüber hinaus emotional vollends ins Klanggefüge des Ensembles einbringen. Das lässt eine im Konzert heißblütige Anti von Klewitz lächeln und treibt sie an. Diese Klasse an Harmonie und quasi vierfacher solistischer Klangfülle zu besitzen, bewies das Quartett einmal mehr am Freitag zum Ende des Konzerts mit dem Instrumentalstück des ungarischen Gürteltanzes in einer Bearbeitung von Anti von Klewitz.

Der Ensemblename Csókolom ist wohl wissend gewählt. Er bedeutet als Begrüßung im Ungarischen „Küss die Hand“. Und das international geachtete Quartett ließ das Ludwigsluster Publikum spüren, dass es musikalisch mit weltumspannender und freigeistiger Musik von Menschen für Menschen begrüßt und unterhalten wurde. Csókolom lässt sich eben nicht in ein Genre pressen, ist schwer fassbar, aber stets gut hörbar.

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