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Protestfahrt für mehr junge Lehrerstellen auf dem Lande

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erstellt am 25.Feb.2013 | 06:21 Uhr

Ludwigslust | Mehr Geld war nicht die zentrale Botschaft, mit der über 150 Lehrer aus Schulen im Städteviereck Ludwigslust, Neustadt-Glewe, Grabow und Dömitz gestern Früh im Buskonvoi zum zentralen Warnstreik der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in MV nach Schwerin fuhren. Sie machten dort ihrem Unmut auch über stetig steigende Aufgaben, viele ungelöste Fragen zum Thema Inklusion und insbesondere den wachsenden Schwund der jungen Lehrerschaft im ländlichen Raum Luft.

Lehrerin Martina Freÿ sprach zudem mit ihrer Forderung für eine leistungsgerechte Eingruppierung ihren Berufskollegen vor der Abfahrt in Ludwigslust aus dem Herzen.

Dass es nicht allein um 6,5 Prozent mehr Geld für die Umsetzung des pädagogischen Auftrags gehe, verdeutlichten die Lehrkräfte mit ihrem Angebot an die Eltern und Schüler, gestern Schulfrei anzubieten, jedoch einen Notdienst an jeder allgemeinbildenden Schule der Region vorzuhalten. Insgesamt kamen aber erwartungsgemäß nur wenige Schüler zum Unterricht in ihre Klassenräume. Für so manchen Schüler am Gymnasialzweig des Dömitzer Schulzentrums resultierte aus der Bereitschaft der Streikenden für ein Unterrichtsangebot am Protesttag sogar eine Enttäuschung. Dort wurde nach Stundenplan unterrichtet.

Eine, die persönlich mit den für die GEW nicht hinnehmbaren Berufsbedingungen während der Tarifverhandlungen zu kämpfen hat, ist die Jung-Lehrerin Susan Bolte. Die 33-jährige Dömitzer Grundschullehrerin wechselte binnen ihres ersten Berufsjahres gleich zweimal den Arbeitsort, war während der Ferien arbeitslos und muss immer noch mit einem befristeten Arbeitsvertrag zufrieden sein. Sie war Feuer und Flamme für den Warnstreik, blieb gestern aber an der Grundschule Dömitz, um den Notdienst für Schüler zu garantieren. Mit Karin Osterloh, Doris Schrader, Katrin Kammlodt und Karola Kalaß befürwortete ein Quartett Lehrerinnen in Dömitz mit 138-jähriger Berufserfahrung den Streiktag. Für sie wäre ein positives Ergebnis der Tarifverhandlungen, wenn mehr junge Lehrkräfte für die Arbeit im ländlichen Raum gewonnen würden. Die Landesregierung wisse genau, wie das zu bewerkstelligen sei. Als völlig voreilig sahen die Lehrerinnen die Abschaffung der Förderklassen mit Ablauf 2015 an. Die Betreuungszeit für solche Kinder sei schon jetzt viel zu gering, meinte Katrin Kammlodt. Wie die Inklusion zum Wohle aller umgesetzt werden könne, das wisse im Detail und für den Schulalltag doch derzeit niemand genau. Mehr als zwei Jahrzehnte nach der Wende müsse die auch für den Lehrerberuf endlich zu spüren sein. Sonst wanderten noch mehr junge Kräfte dorthin ab, wo sie Arbeit mit sozialer Sicherheit vereinen könnten.

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