Ludwigslust : Premiere für John aus Ithaca

Die erste Gruppe der Amerikaner ist vor der Kreisverwaltung in Ludwigslust eingetroffen. Fotos: Uwe Köhnke
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Die erste Gruppe der Amerikaner ist vor der Kreisverwaltung in Ludwigslust eingetroffen. Fotos: Uwe Köhnke

Junge Amerikaner sind seit gestern Nachmittag für zwei Wochen zu Gast im Landkreis. Besuche in Schwerin, Wöbbelin und Berlin sind geplant.

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15. Juni 2016, 19:00 Uhr

Sylvia Herrmann tippt auf das Display ihres Handys. Sie kann ihre Aufregung kaum verbergen. Die Neustädterin sitzt mit anderen Gasteltern im Kreistagssaal des Ludwigsluster Landratsamtes.

Gerade ist die erste Gruppe von Schülern aus den USA eingetroffen. Die jungen Leute sind müde von der langen Reise einschließlich eines vierstündigen Aufenthaltes in Amsterdam. Die 35 Reisenden sind dennoch voller Erwartung auf die nächsten zwei Wochen. Während sie sich bereits Fruchtsäfte und Grabower Küsschen schmecken lassen, sind etwa 20 Gleichaltrige noch auf dem Weg in die Lindenstadt. Sie reisen über Paris nach Deutschland. Sylvia Herrmann hat ihre Nachricht abgeschickt. Sie ist für Johns Eltern bestimmt. Der junge Mann aus Ithaca, Michigan, hat seinen Bundesstaat zuvor noch nie verlassen. Seine Premiere führt ihn gleich über den großen Teich. Seine Eltern haben die ganze letzte Nacht nicht geschlafen. Nun erhalten sie die erlösende Nachricht: He arrived. (Er ist angekommen.)

Auch für Sylvia Herrmann ist die Aufgabe als Gastmutter ein Debüt. Tochter Julia war im letzten Jahr mit den anderen Austauschschülern aus dem Landkreis in den USA. Nun der Gegenbesuch. Nach der Begrüßung geht die gesamte Familie samt Gast erstmal einkaufen. „John darf sich aussuchen, was er essen möchte“, sagt Sylvia Herrmann. Sie ist fest davon überzeugt, dass sich so die Anfangsdistanz schnell überwinden lässt.

Christopher Pöschke, Fachdienstleiter in der Kreisverwaltung, begrüßt die Gäste in fließendem Englisch – und Kaugummi kauend, auch ein Stück Vertrautheit, die die Gäste sofort erleben. Pöschke zeigt sich froh, dass der diesjährige Schüleraustausch doch noch stattfinden kann. Ursprünglich war er bereits für das Frühjahr geplant gewesen, dann jedoch wegen der furchtbaren Terroranschläge von Paris und Brüssel abgesagt worden. Nun also haben sich die jungen Amerikaner doch noch auf den Weg machen können. „Wir lassen uns unsere freundschaftlichen Beziehungen von niemandem kaputtmachen“, unterstreicht Christopher Pöschke, und viele nicken zustimmend.

Seit 16 Jahren gibt es den Austausch zwischen dem Landkreis und dem Partnerkreis Gratiot County im US-Staat Michigan. Viele der Gäste sind zum ersten Mal mit auf die Reise gegangen – wie John aus Ithaca.

Sie werden in den nächsten zwei Wochen Schwerin und Berlin besuchen, aber auch einen Abstecher nach Wöbbelin machen. In den Mahn- und Gedenkstätten wird es auch ein Wiedersehen mit Jim Goodspeed geben. Der amerikanische Lehrer und Historiker gehört zur Delegation. Er hat in den zurückliegenden Jahren viel zur Erhellung geschichtlicher Vorgänge in und um Wöbbelin bzw. Ludwigslust beitragen können.

Nach einer halben Stunde ist der Kreistagssaal wieder leer und die Gäste sind auf dem Weg in ihre Familien.

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