Ludwigslust : Poststreik: Etiketten gehen aus

Schwierige Lage in der Sanddorn-Apfelscheune: Geschäftsführer Axel Herud (l.) und Mitarbeiter Rocco Schmuhl halten die letzten Rollen Etiketten in den Händen. Eine Lieferung ist nicht in Sicht.
Foto:
1 von 1
Schwierige Lage in der Sanddorn-Apfelscheune: Geschäftsführer Axel Herud (l.) und Mitarbeiter Rocco Schmuhl halten die letzten Rollen Etiketten in den Händen. Eine Lieferung ist nicht in Sicht.

Poststreik und kein Ende. Unternehmen, Verwaltungen und Institutionen sind genervt. Bei der Sanddorn-Apfelscheune in Ludwigslust können tausende Produkt nicht ausgeliefert werden.

svz.de von
02. Juli 2015, 08:00 Uhr

Poststreik und kein Ende. Handwerksfirmen, Unternehmen, Verwaltungen und Institutionen sind genervt. Bei der Sanddorn-Apfelscheune GmbH in Ludwigslust können tausende Produkte vom Marmeladenglas bis zur Saftflasche derzeit nicht etikettiert werden. „Seit drei Wochen warten wir auf die Rollen mit den Spezialetiketten. Rund 20  000 Stück fehlen uns. Zu einem anderen Anbieter kann die Firma nicht wechseln, da die Technologie der Verpackung und Auslieferung auf den bisherigen Logistikpartner zugeschnitten ist“, beschreibt Mitarbeiter Rocco Schmuhl die Situation. Axel Herud, einer der beiden Geschäftsführer des Unternehmens, spricht Klartext: „Ich habe kein Verständnis mehr für diesen Poststreik. Wir sind ein kleiner mittelständischer Saisonbetrieb, der so langsam in echte Schwierigkeiten kommt. Für uns hat seit vier Wochen die Hauptliefersaison für unsere Sanddornkunden begonnen. Wir haben viele Aufträge, die wir abarbeiten dürfen. Und nun das. Seit drei Wochen bekommen wir keine Post und keine Pakete. Das heißt, wir bekommen keine Rechnungen, dringend benötigte Waren kommen nicht ran, so dass wir unsere Kunden nicht beliefern können. Die dringend benötigte Etiketten liegen in irgendeinem Postlager. Die Produktion kommt ins Stocken. Waren können nicht kommissioniert werden. Viele Abläufe im Unternehmen geraten durcheinander. Die Folgen kann ein Unternehmen wie die Post sicher abfedern. Uns kleine Betriebe trifft es sehr hart. Wir können nur hoffen, dass uns unsere Kunden trotz Lieferschwierigkeiten treu bleiben.“ Wenn dann von Vertretern der Deutschen Post zu hören sei, dass 80 Prozent aller Sendungen planmäßig ankommen sollen, da kann Axel Herud nur mit dem Kopf schütteln. Der Frust wächst. Es reicht.

Auch bei der Siegmund Henning Anlagenbau (SHA) mit Sitz in Warlow sind wie überall in den Unternehmen die Auswirkungen des Poststreiks zu spüren. „Unsere Ware kommt zwar mit der Spedition, aber die Post bleibt liegen. Wir bekommen momentan keine Rechnungen und keine Lieferscheine“, so Claudia Block vom Bereich Marketing/Vertrieb bei der SHA GmbH. „Die Kolleginnen in der Buchhaltung versuchen schon, Stunden abzubummeln. Verstärkt wickeln wir unsere Aufträge jetzt per e-Mail ab. Eine gewisse Zeit geht es auch ohne Post, aber es ist kein schöner Zustand.“

Jürgen Rades, 2. stellvertretender Bürgermeister von Ludwigslust, beschreibt die Situation in der Stadtverwaltung so: „ Es kommt Post an, aber das ist relativ überschaubar. Mehr Sendungen kommen über den Mecklenburgischen Zeitungsvertrieb MZV. Also ob da 80 Prozent der Sendungen ankommen, wie es die Post beschreibt, da habe ich kein Gefühl dafür. Bei Gebührenbescheiden für die Bürger ist es meist nicht ganz so eilig, bei Mahnungen oder Terminsachen nehmen wir auch andere private Anbieter in Anspruch.“

Landkreis-Mitarbeiterin Elisabeth Tschesche vom Büro des Landrates, Sachbereich Internet/Öffentlichkeitsarbeit, verweist im Umgang mit Postsachen auf folgende Aussage der Rechtsabteilung des Landkreises. „Die rechtlichen Rahmenbedingungen zu Beginn und Ende von Fristen haben sich durch den Poststreik nicht verändert. Wir werden aber mit Anträgen auf Wiedereinsetzung bei Fristversäumnissen im Rahmen des rechtlich Vertretbaren großzügig umgehen.“

In der Postfiliale im Edeka-Markt in Eldena haben die Mitarbeiterinnen aktuell einen geringen Kundenzulauf. Die Leute bringen im Moment weniger Postsendungen in die Filiale oder suchen sich andere Anbieter - sofern das möglich ist. Der Umsatz, den der Edeka-Markt mit Paketen, Päckchen und Briefsendungen macht, ist natürlich in den vergangenen Tagen und Wochen weniger geworden.

Für den MZV unter dem Dach des Zeitungsverlages Schwerin bringt der Poststreik mehr Aufträge und einen Kundenzuwachs, wie Marion Haida, Vertriebsinspektorin des MZV in Ludwigslust, zu berichten weiß. „Wir haben durch den Poststreik sehr hohe Nachfragen nach Briefmarken und zu uns kommen sehr viele Firmen, die unseren Abholservice nutzen wollen. Und wir sind nicht nur im Landkreis unterwegs, wir sind fast deutschlandweit aktiv.“
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen