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Rückfall in die Vergangenheit? : Polz fällt durchs Mobilfunknetz

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Weil Mobilfunkanbieter sich neu strukturiert, bleiben an der Landesgrenze viele Handys tot

svz.de von
erstellt am 16.Feb.2016 | 06:30 Uhr

Wenn Hans-Joachim Jahnke aus Polz mit seinem Handy telefonieren oder eine Nachricht verschicken will, ist das wie beim Lotto: Man kann das große Los ziehen oder verlieren – meistens letzteres. „Heute Morgen habe ich meiner Frau eine SMS geschrieben – die kam an“, berichtet er. Telefonieren geht aber gar nicht und zwar seit Anfang dieses Jahres. Ab diesem Zeitpunkt hatte der Mobilfunkanbieter O2 das Polzer Netz abgeschaltet. „Ohne irgendeine Information an die Kunden“, ärgert sich die Polzerin Andrea Führer. „Bei ersten Nachfragen wurde von einer Störung gesprochen und dass sich die Reparatur noch etwas hinzieht. Nach und nach erfuhren wir dann, dass der Turm komplett abgeschaltet wurde und auch nicht mehr von O2 betrieben werden wird“, so Andrea Führer weiter.

Betroffen ist mindestens das halbe Dorf. Andrea Führer hat eine Unterschriftenaktion ins Leben gerufen und in kurzer  über hundert zusammenbekommen. Vor Jahren schien O2 der richtige Anbieter für das Dorf unmittelbar an der mecklenburgisch-brandenburgischen Landesgrenze zu sein. Viele sind damals zu dem Anbieter gewechselt und können nun nur noch hilflos auf ihr Handy blicken.

Wer einen Vertrag hat, wie Andrea Führer, kann sich wenigstens noch eine App auf sein Smartphone laden und damit wenigstens im Notfall Hilfe holen. Prepaid-Kunden wie Hans-Joachim Jahnke haben diese Möglichkeit nicht.

„Das ist ja alles kein Problem, haben wir gedacht, denn wir haben ja unsere Festnetzanschlüsse“, sagt Hans-Joachim Jahnke. – Bis zum jüngsten Stromausfall. Dann war es auch im Festnetz totenstill.

Rückfall in die Vergangenheit also? Schlechter, denn die Post war seinerzeit von der öffentlichen Stromversorgung unabhängiger. Bei einem Stromausfall konnte man durchaus noch telefonieren.

Dass es mit der mobilen Kommunikation in Polz nicht so einfach ist, ist bekannt. Schon als Hans-Joachim Jahnke noch Kunde beim Marktführer war, musste er auf den Hof gehen, wenn er mobil telefonieren wollte. Aber dass nun alles zu spät sein soll – die Polzer wollen sich damit nicht abfinden. Hans-Joachim Jahnke hat sich an  den Bürgerbeauftragten des Landes, Matthias Crone, um Unterstützung gewandt. Die Dömitzer CDU-Landtagsabgeordnete Maika Friemann-Jennert hat sich der Sache angenommen. Denn die Auswirkungen sind nicht ohne: Firmen, die nicht erreichbar sind, die Wohnungsverwaltung, die ihre Mieter nicht erreicht, welche einen Notfall haben…

SVZ wollte von O2 wissen, was dahintersteckt. „Derzeit führt Telefónica Deutschland die Mobilfunknetze von E-Plus und O2 großflächig im Bereich von Ludwigslust/Dömitz zu einem Mobilfunknetz zusammen“, so Pressesprecher Jörg Borm. „Die Arbeiten dauern aktuell an, diese können in einzelnen lokalen Bereichen und konkret im Umfeld von Mobilfunkstationen kurzzeitig zu Beeinträchtigungen führen.“ Alle Kunden von E-Plus und O2 seien darüber jedoch im Vorfeld informiert worden, behauptet Borm im Gegensatz zu den Polzern. „Nach dem Umbau profitieren unsere Kunden von einer ausgeweiteten und dichteren GSM- und UMTS-Netzversorgung über das neue gemeinsame Netz von Telefónica Deutschland“, schreibt der Pressesprecher.

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