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Familienstreit, Ehekrach, Ärger um Geschenke : Polizei: Von Stiller Nacht keine Spur

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Die Polizisten der Region Ludwigslust-Parchim werden wohl auch 2012 über die Feiertage gezwungenermaßen zu den Engeln der Weihnachtszeit. Ein Rückblick auf die Weihnachtsfälle 2011.

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erstellt am 23.Dez.2012 | 06:18 Uhr

Ludwigslust | Wer ist über die Feiertage immer erreichbar? Wer kommt, wenn Not am Mann ist? Wer muss sich buchstäblich alles anhören? Die Polizei natürlich. Und die Diensthabenden dürfen sich über die Feiertage wieder auf alles Mögliche einstellen. Unfälle und Kriminalität geraten angesichts der vielen Familienstreitigkeiten, die zu schlichten sind, fast zur Nebensache. Die Männer in Uniform werden über die Feiertage zu den Engeln der Weihnachtszeit, gezwungenermaßen. Denn fast alle anderen haben ja frei. Ein Rückblick auf die Weihnachtsfälle 2011.

Zum Fest, so formulierte es Polizeisprecher Klaus Wiechmann, gibt es nichts, was es nicht gibt. "Gerade in der Heiligen Nacht rufen auch bei uns Leute über den Notruf oder übers Festnetz an, die einfach nur einsam sind und reden wollen. Wir sind darauf vorbereitet und leiten diese Menschen behutsam zu den Seelsorgern. Die Nummern liegen in den Revieren parat." Besinnliche Weihnacht, das war einmal. Immer öfter werden die Beamten gerufen, weil die Nachbarn sich über ruhestörenden Lärm beklagen. So geschehen im vergangenen Jahr am 24. Dezember um 14.30 Uhr in Parchim. Wiechmann: "Das war schon zu der Zeit kein weihnachtliches Fest mehr, sondern ein ausgemachtes Trinkgelage. Unsere Leute mussten einschreiten." Wer denkt, dass Diebe und Betrüger zu Weihnachten pausieren, der hat sich geschnitten. An Heilig Abend gab es 2011 um 17.30 Uhr an einer Boizenburger Tankstelle einen Betrüger. Die Polizei rückte an, um das Beweismaterial zu sichern. In Parchim brannte über Weihnachten eine Gartenlaube, es war Brandstiftung. In Crivitz wurde in der Heiligen Nacht versucht, in eine Sporthalle einzubrechen. Und es gab gerade zum Fest familiäre Streitigkeiten, zu deren Schlichtung die Polizisten auch gerufen werden. In Hagenow gingen zu Weihnachten zwei Eheleute aufeinander los, der Mann schlug seine Frau, sie kam mit Verletzungen ins Krankenhaus.

In Parchim rief in der Nacht zum ersten Weihnachtsfeiertag um 1.15 Uhr eine verängstigte Frau an, weil ihr Mann das so genannte "Möbelrücken" veranstaltete. Die Polizei fand heraus, dass er mit seinen Geschenken zum Fest unzufrieden war. Sprecher Wiechmann "Der hat sich schnell wieder beruhigt, wir haben jedoch nicht herausbekommen, um welche Geschenke es sich handelte." Ein Einbruch in einen Goldberger Baumarkt um 23 Uhr, am ersten Weihnachtstag, ein handfester Streit zwischen Eheleuten um die Mittagszeit in Plau, Einbruch in eine Lagerhalle in Schossin mit Dieseldiebstahl, zwei Einbrüche in Plate beim Tischler und beim Friseur ließen im vergangenen Jahr im gesamten Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Ludwigslust keine Langeweile aufkommen.

So musste die Polizei zu Weihnachten 2011 auf der A14 um 22.45 Uhr einen Autofahrer absichern, dem der Sprit ausgegangen war. Dazu der normale Wahnsinn mit zahlreichen Wildunfällen und alkoholisierten Fahrern und betrunkenen Fußgängern. Noch in unguter Erinnerung ist der schwere Unfall vom ersten Weihnachtstag in Lübesse mit einem Toten und drei Verletzten.

In Neu Kalliß wurde ein Autofahrer mit 1,07 Promille erwischt, in Parchim wollte sich ein Betrunkener in der Nacht zum ersten Weihnachtstag partout in das Foyer des Krankenhauses legen. Die hilflose Belegschaft rief schließlich die Polizei. "Bei uns gibt es über die Feiertage in Sachen Alkohol keinen Bonus", erklärte Wiechmann dazu. Auch bei Körperverletzungen verstehen die Polizisten keinen Spaß. Über Weihnachten 2011 wurden einem Mann bei einem Tanz in Pinnow drei Zähne ausgeschlagen, in Wittenburg gingen zwei Gruppen mit Schlägen und Pfefferspray aufeinander los. Und in Grabow hing am zweiten Weihnachtstag ein Betrunkener buchstäblich über einen Zaun, er kam mit 2,6 Promille ins Blut ins Krankenhaus. Er hatte es nur noch bis zum Zaun geschafft.

Fazit: Die Polizei ist auch für dieses Fest auf wirklich alles gefasst. Allerdings stellt sich die Frage, ob sie wirklich für all diese Dinge zuständig ist, zu denen sie gerufen wird.

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