Grabow : Plötzlich war das Grab weg

Vorher war die Grabstelle von Familie Schlichting wundervoll bepflanzt.
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Vorher war die Grabstelle von Familie Schlichting wundervoll bepflanzt.

Ein formaler Fehler führte dazu, dass das liebevoll gepflegte Grab der Familie Schlichting beräumt wurde

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26. Januar 2016, 06:30 Uhr

„Das muss ein Versehen sein“, dachten sich Maik Schlichtung und seine Familie, als seine Mutter vor wenigen Tagen einen Brief von der Friedhofsverwaltung erhielt, der eine Rechnung für die Beräumung der Familiengrabstelle enthielt. Die Familie hatte die Grabstelle nicht gekündigt, und auch die Ruhezeit von mindestens 20 Jahren endet erst Ende Juli dieses Jahres. Als Familie Schlichting zum Grabower Friedhof fuhr, um sich zu vergewissern, dass das Familiengrab doch noch an Ort und Stelle war, musste sie feststellen, dass die Rechnung nicht versehentlich zugestellt worden war. Die Grabstelle war tatsächlich beräumt.

„Die Sträucher, die vom Grabstein aus um das gesamte Grab gingen, und die Büsche, die über jede der vier Urnen gepflanzt waren, waren weg. Einfach herausgerissen“, erzählte Maik Schlichting im SVZ-Gespräch. In den Urnen befindet sich die Asche seiner Großeltern und seiner Ur-Großeltern. „Meine Mutter hatte ihre Eltern schon sehr früh verloren und seitdem für ihre Schwester gesorgt. Das Grab hat ihr sehr viel bedeutet, deswegen hat sie sich so hingebungsvoll darum gekümmert.“

Hilfesuchend wendete sich Familie Schlichting direkt an Matthias Wanckel, Pastor der ev.-luth. Kirchengemeinde Grabow. Dieser versprach, der Angelegenheit umgehend auf den Grund zu gehen und hielt Rücksprache mit dem Friedhofsausschuss sowie dem Mitarbeiter, der das Grab beräumt hatte. Letzterer hatte den Auftrag von der Sachbearbeiterin des Friedhofsdienstes bekommen. Die zentrale Frage jedoch blieb zunächst: Warum wurde die Grabstelle beräumt, wenn keine dementsprechende Kündigung vorlag?

Wie sich kurz darauf herausstellte, hatte die Sachbearbeiterin eine Notiz falsch verstanden und daraufhin die Grabberäumung veranlasst. „Es war ein bedauerlicher Fehler, der unseren Friedhofsmitarbeitern, jetzt wo er passiert ist, unerklärlich ist und der ihnen natürlich auch allen leid tut“, betonte Pastor Wanckel gegenüber SVZ. Die Sachbearbeiterin des Friedhofsdienstes ging fälschlicherweise davon aus, dass Maik Schlichtings Mutter die Grabstelle telefonisch gekündigt hatte. „Wir haben das bis zu diesem Vorfall oft so gehandhabt, dass Angehörige eine Grabstelle nach der Mindestruhezeit telefonisch kündigen konnten. Es wurde dann eine entsprechende Gesprächsnotiz in den Akten hinterlegt“, erklärte Matthias Wanckel. Nun habe man jedoch seine Lehre aus diesem Vorfall gezogen „Kündigungen müssen ab sofort immer schriftlich erfolgen. Wir haben auch alle Familien, die in letzter Zeit ihre Grabstellen telefonisch gekündigt haben, noch einmal angeschrieben und mitgeteilt, dass die Kündigung noch einmal schriftlich erfolgen muss.“

Die Rechnung für die Grabberäumung muss Familie Schlichting natürlich nicht bezahlen. Da sich die Urnen der Familienangehörigen noch in der Grabstelle befinden, kümmert sich die Friedhofsverwaltung nun darum, dass das Grab wieder hergerichtet und bepflanzt wird. „Sobald die Witterung es zulässt, tun wir alles, was in unserer Macht steht, um die Angelegenheit auf unsere Kosten wieder in Ordnung zu bringen“, so Pastor Wanckel.

Für Maik Schlichtings Mutter macht das keinen Unterschied mehr. Als sie vor dem geräumten Grab ihrer Eltern stand und nichts weiter als den nackten Grabstein vorfand, war es ein großer Schock – zu viel für die 60-Jährige. „Meine Mutter sagt, dass ihre Eltern an diesem Tag noch einmal gestorben sind“, so Maik Schlichting.

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