Bundeswehr Ludwigslust : Plötzlich gab es keinen Strom mehr

Oberstleutnant Christian Rosenkranz (stehend) informiert die Soldaten über die Lage im „Katastrophengebiet“. Fotos: münchow
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Oberstleutnant Christian Rosenkranz (stehend) informiert die Soldaten über die Lage im „Katastrophengebiet“. Fotos: münchow

Landkreis Ludwigslust-Parchim und Bundeswehr üben für mögliches Szenario eines Katastrophenfalls

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19. September 2017, 21:00 Uhr

Lautsprecherwagen rufen die Einwohner auf, angesichts der Wetterunbilden im Ort zu bleiben, Straßen für Rettungseinsätze freizuhalten. Schwere Unwetter führten am Dienstag vor allem in Parchim zu einer dramatischen Situation mit einem totalen Stromausfall.

Natürlich haben weder Parchimer noch Anwohner in Nachbarorten von dem „Unwetter“ etwas bemerkt. Und Strom gab’s auch. Denn zum Glück handelte es sich um eine Übung. Und auch von der hat niemand, der nicht eingeweiht war, etwas mitbekommen.

Hintergrund: Während der Übung „Arche 2017“ wird noch bis morgen in verschiedenen Regionen von MV, darunter im Landkreis Ludwigslust-Parchim, für ein mögliches Katastrophenszenario geübt. Konkret geht es um das Zusammenwirken ziviler Kräfte mit der Bundeswehr. Oberstleutnant Christian Rosenkranz, Leiter des Bundeswehr-Kreisverbindungskommandos: „Wir haben für die Übung in unserem Landkreis im Landratsamt in Ludwigslust eine aus über zehn Soldaten bestehende Beratungszelle für den Landrat gebildet.“

Ziel der Stabsübung ist es, einen möglichen Hilfseinsatz der Bundeswehr im Katastrophenfall zu organisieren. Thomas Schmidt, Fachdienstleiter Brand- und Katastrophenschutz im Landkreis: „Das kann dann eintreten, wenn die zivilen Kräfte, wie zum Beispiel Feuerwehr, Rettungsdienst oder Sanitätszug, zur Bewältigung der Situation nicht mehr ausreichen.“ Genau diese Lage trat heute um 9 Uhr laut Übungsszenario ein. Schmidt und seine Kollegin Jessica Markmann informierten Oberstleutnant Rosenkranz darüber, dass als Folge des „Unwetters“ die Stromversorgung in Parchim zusammengebrochen sei. Lautsprecherwagen müssten die Bevölkerung aufrufen, vor Ort zu bleiben und nicht in Regionen zu flüchten, in denen es noch Strom gebe. Nur so könnten Rettungs- und mögliche Evakuierungswege freigehalten werden.“ Landrat Rolf Christiansen verschaffte sich einen Überblick und sagte: „Eine schwierige Lage, die nicht einfach zu handhaben ist.“

Um 9.30 Uhr verschärft sich die Lage. Infolge des „Stromausfalls“ ist eine Pflegeeinrichtung in Parchim in eine kritische Situation geraten. Die rund 90 Bewohner müssen evakuiert werden. Darunter sind vier Personen, die künstlich beatmet werden, sowie mehrere Menschen, die bettlägrig sind. Die Akkus für die Beatmungsgeräte reichen nur noch für eine begrenzte Zeit.

Fachdienstleiter Thomas Schmidt informiert Oberstleutnant Rosenkranz darüber und dass alle Bewohner in Einrichtungen in Bad Wilsnack (Brandenburg) und Dannenberg (Niedersachsen) evakuiert werden müssen. Weil derzeit keine zivilen Kräfte zur Verfügung stehen, wird die Bundeswehr um Hilfe beim Transport der Menschen gebeten. Umgehend alarmiert Rosenkranz seinen Stab im Nachbarraum, von wo aus Soldaten das Landeskommando in Schwerin über die Lage informieren. Dort wird sondiert, welche Kräfte für die Unterstützung zur Verfügung stehen. Das Landeskommando ist Ansprechpartner der Landesregierung in allen Fragen möglicher Unterstützungsleistungen der Bundeswehr.

Im Laufe des Tages gehen weitere „Lagen“ als Folge des „Stromausfalls“ im Stab ein. Oberstleutnant Rosenkranz und seine Männer wissen im Voraus nicht, wie diese Situationen, die ihnen der Landkreis mitteilt, konkret aussehen. Die Stabsübung läuft damit so realitätsnah wie möglich ab und dauert noch bis morgen.

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