zur Navigation springen

Ludwigslust : Pionierhaus gibt seine historische Seite preis

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Sanierung der historischen Räumlichkeiten hat begonnen / Arbeiten werden noch mindestens zwei Jahre beanspruchen / Geschichtliches wird wieder hervorgehoben

svz.de von
erstellt am 31.Jan.2014 | 07:00 Uhr

Die Nummer 28 in der Ludwigsluster Kanalstraße ist ein ganz besonderes Haus. Großherzog Friedrich Franz I. hat es 1830 für seinen Oberstallmeister von Bülow als Stadtresidenz bauen lassen. Bülow bekam den Auftrag, nach 1815 das großherzogliche Gestüt wieder aufzubauen. Die Franzosen hatten es geplündert und zerstört. Der Landesherr erwählte Redefin als Ort. Bülow als Minister hatte Residenzpflicht. Sein Herzog residierte in Ludwigslust, also hatte auch er vor Ort zu sein. Das Haus verblieb jedoch im herzoglichen Besitz. 1847, als von Bülow gestorben war, erhielten es die Ludwigsluster Dragoner als Offizierscasino. Diesen Zweck erfüllte das Haus bis 1945. Bis 1990 diente es verschiedenen Organisationen, einschließlich als Pionierhaus. Bis 2000 hatte dann noch das Freizeitzentrum Zebef hier seinen Sitz, bevor es an den Alexandrinenplatz zog. Den Saal kennen viele Ludwigsluster als Theaterbühne und Ort zum Feiern oder für Veranstaltungen.


Elf Jahre Leerstand hinterließen Folgen


1860 wurde der Seitenflügel in der Seminarstraße hinzugefügt. Verschiedene Um- und Anbauten erfolgten. 2011 ist es in privaten Besitz übergegangen, und seitdem hat Norbert Leithold mit der Sanierung des Gebäudes begonnen – Stück für Stück. Nach elf Jahren Leerstand. Mit gravierenden Schäden, wie einem kaputten Dach und Folgen von Vandalismus. Zuerst kam die Schwammsanierung. Die brauchte ein Dreivierteljahr und hat den gesamten Baufortschritt verzögert. Der Schwamm war durch die abgehängten Decken nicht sichtbar gewesen. Es herrschte akuter Handlungsbedarf, weil die Statik des Hauses bereits beeinträchtigt war. Dann begann der Ausbau der Wohnung. Die ist zum Schmuckstück geworden und quasi Ausgangspunkt für alle weiteren Sanierungsarbeiten. Die haben nun in Gestalt der Aufarbeitung historischer Räumlichkeiten begonnen.


Zwei große Portale statt der Türen


Vier Räume gehören dazu: Der Saal, dessen Vorzimmer, die alte Bibliothek, das Arbeitszimmer und das Billardzimmer. Letzteres ist bereits fertig und dient der Familie als Wohnzimmer. Das Arbeitszimmer ist gerade in Angriff genommen worden. Das ist sehr aufwendig, weil es zwei große Portale statt der Türen hat, die zudem mit acht Ölfarbschichten überstrichen waren. Die mussten mühsam abgenommen werden, ohne die Ornamente darunter zu zerstören. Dann galt es, die Beschädigungen im Holz zu reparieren und es auf die alte Maserung zu bringen, anschließend mit Bienenwachs zu bearbeiten, also historische Baustoffe zu verwenden, um die Schutzschicht und einen matten Glanz aufzubringen. Eine Vergoldung gehört ebenfalls zur Zierde des Raumes; Reste davon sind gefunden worden.

„Wir haben drei Quadratmeter Blattgold für diesen Raum gebraucht, weil der ganze Stuckfries an der Decke und die gesamte Deckenrosette sehr prächtig vergoldet waren“, erzählt Norbert Leithold. Das Gebäude birgt eben seine Überraschungen. Zum Beispiel den Eingang zum Weinkeller, der auf dem Hof gefunden wurde, von dem aber noch niemand weiß, was sich dahinter verbirgt. Jedenfalls wurden schon Tonnen von Flaschenscherben gefunden.

Das Haus soll wieder so hergerichtet werden, wie die historische Substanz vorhanden ist. Nicht rein klassizistisch wie 1830, sondern mit den Umbauten von 1860, 1890 und anderen. Landesbaumeister Friedrich Georg Groß hatte eigentlich geplant, die Kanalstraße zu einer Prachtstraße zu entwickeln und der Gebäudekomplex sollte sich würdig einfügen. Dazu kam es nicht, weil der Herzog 1837 starb und sein Nachfolger Paul Friedrich sofort nach Schwerin umzog.

Die Sanierung der historischen Räume wird noch mindestens zwei Jahre in Anspruch nehmen. Vieles wird Norbert Leithold selbst machen. Er ist Historiker und Stukkateur.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen