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Ludwigsluster Tageblatt

20. November 2017 | 16:45 Uhr

Tewswoos : Pferdesteuer füllt den Saal

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Demonstration gegen mögliche neue Abgabe in Vielank / Gemeindevertreter nahmen Thema von der Tagesordnung

von
erstellt am 30.Okt.2014 | 07:00 Uhr

Die Plätze im Feuerwehrhaus Tewswoos reichten am Dienstagabend bei weitem nicht, auch nicht, als zusätzliche Bänke in den Saal getragen wurden. Dutzende Einwohner, aber auch auswärtige Besucher, drängten sich auf engem Raum. Ein so großes Interesse hatte bisher noch keine Gemeindevertretersitzung gefunden. Kein Wunder: Unter Punkt 11 der Tagesordnung wollten Vielanks Gemeindevertreter den Satzungsentwurf einer Pferdesteuer diskutieren.

Umso größer die Überraschung, als gleich zu Beginn der Sitzung kurzerhand beschlossen wurde, die Pferdesteuer von der Tagesordnung zu nehmen. Die meisten Zuhörer waren überrascht, als Bürgermeisterin Christel Drewes sagte, man habe mit dem Tagesordnungspunkt allgemein auf die Steuerproblematik vor einem großen Publikum aufmerksam machen wollen. „So viele Leute haben wir noch nie hier gehabt“, sagte sie.

Die Gemeinden würden von der oberen Aufsichtsbehörde immer wieder aufgefordert, eigene Einnahmequellen auszuschöpfen, wenn sie ihre Haushalte genehmigt bekommen wollen. Nun habe man in der Gemeinde mal das Thema „Pferdesteuer“ angefasst als Beispiel dafür, dass die Steuerspirale nicht ins Unendliche gedreht werden könne.

Allerdings dürfte die Änderung der Tagesordnung in erster Linie auf den Protest von Pferdebesitzern und Interessenvertretern zurückzuführen sein. Vor der Gemeindevertretersitzung hatte es am Sitzungsort eine Demonstration gegen die Einführung der Pferdesteuer in der Gemeinde gegeben.

Immerhin: Weil die Pferdesteuer nicht mehr auf der Tagesordnung stand, durfte sie Gegenstand der Einwohnerfragestunde sein. Auf entsprechende Fragen antwortete Bürgermeisterin Drewes dann, dass es in der Gemeinde durchaus einen Satzungsentwurf für die Pferdesteuer gebe, der an diesem Abend beraten, aber nicht beschlossen werden sollte. „In erster Linie wollten wir aber auf die Steuerproblematik aufmerksam machen“, versicherte Christel Drewes nochmals.

Thomas Ungruhe, Leiter der Abteilung Breitensport, Vereine, Betriebe in der Deutschen Reiterlichen Vereinigung e. V., sagte an die Gemeinde gewandt: „Sie schüren Ängste. Die Leute kommen nicht mehr auf die Höfe, weil sie Angst haben, dass sie besteuert werden. Es sind Ihre Bürger, deren Existenz Sie aufs Spiel setzen.“

Ungruhe warnte davor, dass im Falle einer Steuer Pferdehöfe aus der Region in benachbarte Bundesländer abwandern könnten. Nicht zuletzt für den Tourismus wäre das ein herber Schlag.

Eine Betroffene ist Angela Händler, die gemeinsam mit Silke Storeck den „Hof As“ in Woosmerhof betreibt. Gegenüber SVZ sagte Angela Händler: „Wir bieten schon seit langer Zeit das beliebte ,Girlscamp’. Mädchen im Alter von 7 bis 17 Jahren können hier frei von jedem Schulstress eine Woche Ferien mit Pferden verbringen. Die Erfahrung mit den Tieren ist eine gute Therapie, stärkt das Selbstwertgefühl der Kinder und Jugendlichen. Das alles würde mit einer Pferdesteuer kaputt gemacht werden.“

Die zum Teil hitzige Diskussion endete schließlich doch mit einem positiven Ausblick. Vielanks stellvertretender Bürgermeister Heiko Bäuch unterbreitete den Vorschlag, im Februar einen „Pferdegipfel“ aller interessierten Seiten durchzuführen. Bis dahin werde die Gemeindevertretung zwar den Satzungsentwurf einer Pferdesteuer diskutieren, der dann aber mit den Einwohnern und Pferdebesitzern beraten werden solle. Möglich sei ein Ergebnis „Pro Pferd“.

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