Sülstorf/Wöbbelin : Pfarrscheune jetzt Museum

Früher Heulagerplatz und Garage,  künftig Begegnungsstätte, Lern- und Gedenkort: die sanierte Pfarrscheune in Sülstorf.
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Früher Heulagerplatz und Garage, künftig Begegnungsstätte, Lern- und Gedenkort: die sanierte Pfarrscheune in Sülstorf.

In Sülstorf wird am Sonnabend Begegnungsstätte, Lern- und Gedenkort mit zwei Ausstellungen eingeweiht

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13. März 2018, 12:00 Uhr

Vor der Scheune röhrt noch ein Trecker, planiert die Erde. Reges Treiben auch im Innern des Gebäudes. „Diese Tafel muss weiter nach vorne, diese hier in die Mitte…“

An diesem Morgen in der frisch sanierten Pfarrscheune in Sülstorf: Ramona Ramsenthaler und Arpád Csabay sind mitten in den Vorbereitungen für ein Ausstellungsprojekt. Denn dort, wo einst Maschinen und Heu lagerten, ist jetzt ein kleines Museum entstanden. Künftig werden in der Pfarrscheune zwei Ausstellungen zu sehen sein: „Der Ehrenfriedhof Sülstorf – ein Ort des Erinnerns und Gedenkens“ und „Die Kirchengemeinde Sülstorf im Wandel der Zeit“.

Der Sülstorfer Pastor Arpád Csabay erinnert sich: „Als ich 2013 auf dem Bahnhof in Sülstorf ankam, entdeckte ich dort die Gedenkstätte für 53 jüdische Frauen aus Ungarn, die hier 1945 starben. Ich stamme aus Rumänien und gehöre der dortigen ungarischen Minderheit an. Ich habe mich dann später mit der Geschichte des KZ-Zuges befasst, der im April 1945 drei Tage hier stand und in dem die Ungarinnen und zahlreiche andere Häftlinge vieler Nationen und Konfessionen starben. Dabei habe ich festgestellt, dass dieses Thema nicht nur mich, sondern viele andere Menschen hier im Dorf beschäftigt.“

So nahm der Pastor Kontakt zum Verein Mahn- und Gedenkstätten im Landkreis Ludwigslust-Parchim auf. Mit der Idee, in Sülstorf vielleicht ein kleines Museum als kulturellen Lern- und Denkort entstehen zu lassen.

Ramona Ramsenthaler, Leiterin der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin, forscht schon viele Jahre zum Konzentrationslager Wöbbelin. Dazu gehört auch das Schicksal jener Häftlinge, die mit einem Räumungstransport aus dem KZ Helmstedt-Beendorf nach Sülstorf kamen und deren Zug hier vom 13. bis 15. April 1945 stand.

Die männlichen Häftlinge kamen in das KZ Wöbbelin, die Frauen wurden in Hamburger Außenlager des KZ Neuengamme deportiert. Ramona Ramsenthaler: „Mehr als 300 Häftlinge des Transports kamen in den drei Tagen in Sülstorf aufgrund von Mangelernährung und Misshandlungen ums Leben.“ Die Ausstellung zu diesem Thema erklärt Hintergründe zu dem Räumungstransport aus Beendorf, befasst sich mit der Geschichte der Gedenkstätte in Sülstorf bis heute und zeigt auch die Biografien zweier Häftlinge, die überlebten.

Die Exposition zur Kirchengemeinde Sülstorf erinnert an wichtige Ereignisse der 800-jährigen Geschichte des Dorfes, das einst vom Johanniterorden gegründet wurde sowie an die Geschichte der Kirchengemeinde Sülstorf.

Zurück zu der anfänglichen Projektidee. Nur zu verständlich, dass es bald zu einem Kontakt zwischen Ramona Ramsenthaler und Arpád Csabay kam. „Die Idee für das Projekt entstand 2015, als die Gedenkstätte Sülstorf neu gestaltet wurde“, sagt Ramona Ramsenthaler. Zunächst wurde überlegt, wo eine solche Ausstellung eingerichtet werden könnte. Der Gedanke an den Bahnhof zerschlug sich und schließlich kam man auf die Pfarrscheune.

Schließlich wurde das Scheunenprojekt gemeinsam von der Kirchengemeinde Pampow-Sülstorf und dem Verein Mahn- und Gedenkstätten realisiert und aus Mitteln des Leader-Programms sowie kirchlichen und privaten Mitteln finanziert. Die Gemeinde Sülstorf und der Landkreis unterstützten das interessante Projekt. Am Sonnabend, dem 17. März, ist es nun soweit: Die sanierte Pfarrscheune in der Hauptstraße neben dem Pfarrhaus wird als Begegnungsstätte, Lern- und Gedenkort feierlich eingeweiht. Gleichzeitig werden die Ausstellungen eröffnet. Auf der Veranstaltung ab 11 Uhr wird unter anderem der Berliner Historiker Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, sprechen. Schülerinnen und Schüler aus Rastow lesen aus Erinnerungsberichten und zeigen einen selbst produzierten Dokumentarfilm zum Scheunenprojekt, das sie begleitet haben.

Pastor Arpád Csabay bittet alle Interessenten, die am 17. März an der Einweihung teilnehmen möchten, um Anmeldung unter Telefon 03865/3225 oder per Mail: suelstorf@elkm.de.

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