Ludwigslust : Perlen der Stadt zum Glänzen bringen

Das Dach des Prinzenpalais ist nach einem Brand stark in Mitleidenschaft gezogen. Es müsste dringend saniert werden.
Das Dach des Prinzenpalais ist nach einem Brand stark in Mitleidenschaft gezogen. Es müsste dringend saniert werden.

Norbert Thiele von der GOS sprach über die Stadtsanierung / Wohnen in der Innenstadt ist eines der Entwicklungsziele

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07. Februar 2014, 07:00 Uhr

Es regt schon zum Nachdenken an, was Norbert Thiele den Gästen der Reihe „Rendezvous im Schloss“ am Mittwochabend erklärte. Der Projektmanager für Planung und Klimaschutz bei der Gesellschaft für Ortserneuerung und Stadtentwicklung mbH (GOS) hielt an dem Abend einen Vortrag zum Thema „Stadtentwicklung zwischen Ökonomie und Ökologie“.

„Welche Rolle nimmt Ludwigslust künftig als Stadt ein“, nannte Thiele eine zentrale Frage, auf deren Antwort sich auch die Stadtentwicklung ausrichten müsse. So sei vor einigen Jahren das Konzept „Zukunftsstandort“ erarbeitet worden, dass sich bis heute in allen Detailplanungen und Erörterungen zur Stadtentwicklung wieder finde, erläutert der Diplomingenieur Thiele. So gehöre das Wohnen in der Innenstadt zu einem der wesentlichen Entwicklungsziele. Hierbei sollen vor allem Familien angesprochen werden. Allerdings müsse man im Hinblick einer sich zunehmend verändernden Bevölkerungszusammensetzung auch die älteren Bewohner berücksichtigen, so Thiele. Mit der „Schweriner Straße“, dem Bereich hinter der ehemaligen Post sowie dem Areal Bassin wies der Projektmanager auf drei Schwerpunkte hin. „Nicht nur die begrenzte Kaufkraft, sondern, auch Veränderungen des Einzelhandels spielen in der Schweriner Straße eine Rolle“, sagt Thiele mit Blick auf leer stehende Gebäude. Sie sei noch nie eine Einkaufsstraße gewesen, hieß es auch aus dem Publikum. Doch auch eine Wohnbebauung in der viel befahrenen Straße ist für einige der Rendezvous-Besucher nur schwer vorstellbar.

Einer der größten Knackpunkte stellt für den Planer allerdings das Prinzenpalais Am Bassin 23 dar. Seitdem die Stadt Ludwigslust das Gebäude vor einigen Jahren verkauft hat, passiert nichts an oder in dem Gebäude. Im Gegenteil. Nachdem ein Dachbrand einen Teil des Gebäudes vor einiger Zeit stark in Mitleidenschaft gezogen hatte, verfällt es nun zusehends. „Die Stadt hat hierfür die planungsrechtlichen Grundlagen geschaffen und sogar Fördermittel für den Umbau des denkmalgeschützten Hauptgebäudes in Aussicht gestellt“, sagt Norbert Thiele. Doch bis jetzt tut sich in oder an dem Objekt nichts. Ob es denn keine rechtliche Handhabe für dieses Problem gebe, wollte eine Frau aus dem Publikum wissen. Doch, es wurden schon Schritte eingeleitet, allerdings könne er sich zu dem laufenden Verfahren nicht äußern, so Thiele. Vorgesehen war einst, Wohnungen in dem Gebäude herzurichten. Angedacht ist aber auch, die mögliche Mieteinheiten überwiegend auf die Bedürfnisse der älteren Mitbürger abzustimmen.

Die Sanierung des 1765 errichteten Gebäudes würde Millionenbeträge verschlingen. „Alten Angaben zufolge belaufen sich die Sanierungskosten auf zehn Millionen Euro“, sagt Norbert Thiele, der hofft, dass bald Abhilfe geschaffen wird. Für ihn ist aber auch klar, dass nicht jedes Gebäude, das unter Denkmalschutz steht, aber nicht genutzt wird, vor dem Abriss bewahrt werden kann. „Es darf nicht zum Hemmnis der Stadtentwicklung werden“, sagt Thiele.

Der Fachmann schilderte zudem, dass auch der Einzelhandel sowie öffentliche Dienstleistungen nicht losgelöst von der Innenstadt-Entwicklung gesehen werden können. Die künftige Nachnutzung des Hauptgebäudes der ehemaligen Post als öffentliches Dienstleistungszentrum ist hierbei als ein Beispiel zu nennen. Aus Sicht der Stadtsanierung stellt die Altstadt von Ludwigslust nicht nur einen wichtigen Bestandteil für das Stadterleben sowie das Stadterlebnis dar, sondern auch für das Wirtschaftsleben in der Stadt, zum Teil der gesamten Region. „Sanierte und bewohnte Häuser, eine lebendige Innenstadt und ein gut gestalteter öffentlicher Raum tragen nachhaltig zu einer positiven Wahrnehmung der Besucher und einem hohen Wiedererkennungswert der Altstadt bei“, sagt Norbert Thiele.

Wichtig sei bei der Sanierung auch, dass auf eine ordentliche Wärmedämmung sowie -versorgung geachtet werde. Für Thiele wäre es auch prüfenswert, ein Stadtwerke eigenes Wärmenetz aufzubauen. In Ludwigslust erfolgt die Wärmeversorgung bisher überwiegend über Erdgas. Bis voraussichtlich 2020 soll die Stadtsanierung abgeschlossen sein. Bis dahin werden etwa 60 Millionen Euro von der Stadt, einschließlich Fördermittel, in die Sanierung geflossen sein. Doch für Thiele ist die Stadtentwicklung dann nicht beendet. Es sei schon jetzt wichtig, sich auf eine älter werdende Bevölkerung einzustellen. „In naher Zukunft soll in der Parkstraße ein Neubau-Block zurück gebaut und dafür kleine Mehrfamilienhäuser entstehen“ , so Thiele.

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