Westmecklenburg : Pendler denken nicht ans Aufgeben

Stau vor dem Elbtunnel: Auch dagegen will Baustellenkoordinator Gerhard Fuchs etwas tun.
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Stau vor dem Elbtunnel: Auch dagegen will Baustellenkoordinator Gerhard Fuchs etwas tun.

Trotz freier Stellen im Land machen sich täglich Tausende aus Westmecklenburg auch in andere Bundesländer auf den Weg.

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04. März 2016, 06:00 Uhr

Westmecklenburg hat auch im vergangenen Jahr in erheblichem Maße von seinen Pendlern profitiert. Trotz neuer Rekorde beim Rückgang der Arbeitslosigkeit, trotz des um sich greifenden Fachkräftemangels ist es messbar nicht gelungen, Pendler nach Mecklenburg zurück zu holen. Im Gegenteil, die Pendlerzahlen sind sowohl bei den Aus- als auch bei den Einpendlern extrem stabil, zudem werden die Pendler in Westmecklenburg gegen den sonstigen Bundestrend auch noch immer älter. Das sind die wichtigsten Ergebnisse der jüngsten Pendlerstatistik, die die Schweriner Bundesagentur für Arbeit exklusiv für die Schweriner Volkszeitung ausgewertet hat.

Es ist der genaueste Blick, der auf die Pendlerströme in der Region und vor allem in Richtung alte Bundesländer einmal im Jahr nach aufwändiger statistischer Auswertung der Meldedaten gemacht wird. Dabei geht es um die Unterschiede zwischen Wohn- und Arbeitsort.

Die Ergebnisse der Untersuchung: Die meisten Pendler (17195) pendeln nach wie vor aus Westmecklenburg nach Schleswig-Holstein. Von dort nach Westmecklenburg kommen nur 3697 Einpendler, viele davon in die Firmen, die sich im grenznahen Bereich niedergelassen haben. Erst dann folgt Hamburg mit 7599 Auspendler (903 in der Gegenrichtung), bevor schließlich Niedersachsen als Auspendlerziel mit 4052 Menschen folgt (1602 in der Gegenrichtung). Im Vergleich zu den Vorjahren, in denen diese Untersuchung auch schon erhoben wurde, hat sich damit nichts bewegt. Anders formuliert, alle Bemühungen, Pendler zum Bleiben zu bewegen, haben zu nichts geführt.

 

Es wird aber nicht nur weiterhin wie wild in die alten Bundesländer gefahren. Noch beachtlicher und umfangreicher ist der Pendlerstrom, der sich meist täglich innerhalb Westmecklenburgs bewegt. Auffällig ist dabei, dass sich die Bedeutung der Landeshauptstadt Schwerin als Pendlerziel im vergangenen Jahr weiter erhöht hat. So fuhren aus dem Landkreis Ludwigslust-Parchim 13154 Menschen nach Schwerin zur Arbeit, umgekehrt waren es nur 3845. Auch von Nordwestmecklenburg aus steuern 6187 Menschen in die Landeshauptstadt. Zugleich hat sich aber auch die Zahl der Menschen, die in einer Stadt oder einem Kreis wohnen und arbeiten, erhöht. Im Landkreis Ludwigslust-Parchim wuchs deren Zahl um 541, in Schwerin um 404 und in Nordwestmecklenburg um 408. Das alles spricht aus Sicht von Lothar Michael, dem Vizechef der Schweriner Bundesagentur, für eine positive Entwicklung des heimischen Arbeitsmarktes. Zwar reichten die positiven Aspekte in Westmecklenburg aus, um z. B. den massiven Wegzug junger Leute auf dem Ausbildungsmarkt zu verlangsamen. „Doch für ein massives Umdenken bei den Pendlern, die das seit vielen Jahren tun, hat es bisher trotz aller Bemühungen nicht gereicht.“ Das habe aus Sicht der Agentur viele Gründe. Einer, so Michael, sei, dass die vergleichbaren Löhne in Hamburg eben immer noch 20 bis 25 Prozent höher seien als in Mecklenburg. Dazu käme, dass gerade viele ältere Pendler, sich Betriebszugehörigkeiten erworben hätten, die sie ungern aufgäben. Beweis: Gerade in der Altersgruppe der Menschen zwischen 45 und 55 finden sich mit 12 924 die meisten Pendler. Dagegen ist die Zahl der jüngeren Pendler (bis 25) leicht, aber auch spürbar gesunken. Beweis dafür, dass jüngere Menschen ihre Ausbildung wieder mehr in der Region absolvieren.

Unbestritten ist, dass der Wohlstand Westmecklenburgs entscheidend an den Pendlern hängt. Es gibt ein Modell, das die Dimension verdeutlicht: Würde man den Saldo, also den Überschuss an Auspendlern, zum Stichtag zur Arbeitslosigkeit hinzurechnen, so läge die Quote in der Region nicht bei 7,9 Prozent, sondern bei 17,5 Prozent.

Kommentar: Fluch oder doch Chance?
Die Lage, die Lage und nochmals die Lage. Immobilienbesitzer kennen das, unsere Pendler offenbar auch. Leben und Arbeiten am gleichen  Ort, das klingt gut, ist und bleibt aber für viele unerreichbar. Und anders, als es uns mancher glauben machen will, kommen offenbar viele damit zurecht. Und die anderen finden noch nicht genügend Gründe, um die Pendelei aufzugeben. Zumindest, die in die alten Länder. Das wird sich erst ändern, wenn sich unsere Arbeitswelt in der Region dreht. Da geht es darum, wieviel Geld man verdient. Aber eben nicht nur. Es geht um den Umgang mit Menschen, das Betriebsklima, um die Kollegen. Und wir müssen ehrlich sein, in vielen Berufsgruppen werden wir in Westmecklenburg nie die Zahl der nötigen Jobs haben. In anderen Gruppen wäre das anders,    z. B. bei den Gesundheitsberufen. Krankenschwestern sollten  nicht pendeln müssen.
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