Rad weg in Milow : Pegel soll Plan korrigieren

Tom Winter macht den Selbsttest auf der Landstraße Grabow-Lenzen. Es ist eng – und hier kein Gegenverkehr. Wenn der noch hinzu kommt…
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Tom Winter macht den Selbsttest auf der Landstraße Grabow-Lenzen. Es ist eng – und hier kein Gegenverkehr. Wenn der noch hinzu kommt…

Initiator der Aktion für die Trasse bescheinigt dem Minister Ausgehen von falschen Daten. Ein Interview

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02. Juli 2015, 07:00 Uhr

Nach dem Gespräch zwischen Tom Winter und Infrastrukturminister Christian Pegel, der einen Radweg entlang der Landstraße zwischen Grabow und Lenzen ablehnt (SVZ berichtete), sitzt die regionale Enttäuschung tief. Der Milower hatte eine Petition für die Trasse angestoßen und fast 2500 Unterschriften gesammelt. SVZ-Redakteur Uwe Köhnke sprach mit ihm.

Wie schätzen Sie das Treffen mit Minister Pegel ein?
Tom Winter:
Dass es überhaupt zu Stande kam, verdanken wir dem Engagement der Bevölkerung. An dieser Stelle spreche ich allen Helfern meinen herzlichsten Dank aus. Die Brisanz des Themas ist so erst nach Schwerin gelangt. Weiterhin ist dem Amt Grabow für die Bereitstellung des Amtszimmers zu danken. Für Herrn Pegel war unser Treffen lediglich ein Routinetermin, das stellte er deutlich heraus. Er kam überraschend früh und blieb erstaunlich lange. Noch vor Beginn der eigentlichen Gesprächsrunde gab er dem Radweg kaum Chancen. Damit war klar, dass Herr Pegel nicht zur Ergebnisfindung, sondern nur als Botschafter zur Überbringung einer unbefriedigenden Nachricht gekommen war.

Wie ging es dann weiter?
Durch die Vorwegnahme seiner zu überbringenden Botschaft war Herr Pegel nun an den pyramidalen Ansatz gebunden. Somit musste er den vorgebrachten Argumenten für den Radweg in immer breiter werdenden Ausführungen ausweichen. Es zeigte sich schnell, dass Herr Pegel aufgrund falscher Datenbasis zunächst die Notwendigkeit des Radweges in Frage stellen musste.

Was heißt das genau?
Nach den Ausführungen des Ministers ist ab einer durchschnittlichen täglichen Verkehrsbelastung (DTV) von 2500 Fahrzeugen ein separater Radweg nötig. Die ihm vorliegenden Zahlen basierten aber auf längst veralteten Zählungen, in denen der DTV nicht erreicht wurde. Gebaut wird aber nach der Planung und daher sind zwangsläufig die Plandaten bindend. Dies wurde übrigens auch seitens des Fachbereiches für Regionalmanagement und Europa des Landkreises Ludwigslust-Parchim bestätigt. Die Entwurfsgrundlagen zeigten bereits im Dezember 2011 einen DTV von 3000 PKW plus 600 Schwerlasttransportern auf. Demnach ist die räumliche Trennung von Fahrbahn und Radweg ohnehin notwendig. Folgerichtig beauftragte daraufhin die Straßenbauverwaltung in Schwerin die detaillierte Radwegplanung bereits 2012. Verstärkt wird diese Notwendigkeit weiterhin durch die Ausführungen Herrn Pegels bei der Eröffnung des Autobahnkreuzes Schwerin, durch welches die Region enorme Wachstumsimpulse erwartet. Dies zeigt sich natürlich auch in steigender Verkehrsbelastung. Diese Einsicht ereilte auch den Minister während der Gesprächsrunde, die wachsende Unzufriedenheit war deutlich zu spüren. Immerhin bot Herr Pegel an, die Brücke nochmals in Augenschein nehmen zu wollen, allerdings mit pessimistischer Einstellung.

Wie kam es aus Ihrer Sicht zur gewollten Streichung des Radweges?
Diese Frage ist nur spekulativ zu beantworten. Es klingt für eine Landesregierung mit Sicherheit sehr verlockend, in wenig besiedelten Gebieten große Projekte zu kippen, um die dann frei werdenden Mittel an anderer Stelle zu platzieren. Um den bereits 2009 in den Radwegeentwickungsplan aufgenommenen Radweg kippen zu können, wäre eine Brücke ohne Radweg natürlich förderlich. Somit hätte man ein schönes Argument für die Streichung nach Fertigstellung der Brücke.

Was wären aus Ihrer Sicht jetzt die Aufgaben des Ministers?
Herr Pegel muss nun umgehend das längst überfällige Änderungsverfahren anstoßen, um die Planung des Brückenbauwerkes zu korrigieren und letztendlich auch gemäß den Vorgaben mit separatem Radweg umzusetzen. Schließlich ist der Fehler bereits seit 2012 bekannt und von Protesten seitens der Gemeinden begleitet. Nur so kann er verhindern, dass dieser Planungsfehler für die nächsten sechzig bis achtzig Jahre zementiert wird. Weiterhin muss er die entstehenden Mehrkosten gegenüber dem Bund erläutern. Im schlimmsten Fall käme es zu einer Verzögerung der Fertigstellung dieses Bauabschnittes. Dies wäre regional aber eher weniger bedeutend, da durch Verzögerungen auf Brandenburger Seite die Autobahn zunächst ohnehin nur in nördliche Richtung befahrbar wäre.

Vielen Dank für das Gespräch.

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