Stralendorf : Partner der Kleingärtner geblieben

Die Sauerkirschen sind gut gereift. Walter Strube wirft einen Blick auf die Bäume in den Plantagen.
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Die Sauerkirschen sind gut gereift. Walter Strube wirft einen Blick auf die Bäume in den Plantagen.

Walter Strube vom Obstbau Stralendorf legt Wert auf eine regionale Vermarktung von Früchten der Saison / Marmeladen und Wurst nach Omas Rezept

svz.de von
18. Juli 2014, 17:23 Uhr

Walter Strube geht durch die Kirsch-Plantagen in Strahlendorf und erfreut sich an den roten Früchten. Die Äste an den Sauerkirsch-Bäumen hängen voll. Wenngleich das Frühjahr aufgrund der ungünstigen Witterung keine gute Ernte versprach, die Kirschen gedeihen jetzt jedenfalls prächtig. „Im Obstbau hatten wir in der Blütezeit kein günstiges Wetter, es gab sogar Frost. Bei Äpfeln werden wir aus heutiger Sicht nur 50 Prozent einer guten Ernte bekommen“, schätzt Walter Strube ein.

Er ist der Chef vom Obstbau Stralendorf. Derzeit haben er und seine Mitarbeiter alle Hände voll zu tun, es ist Erntezeit, die Kirschen müssen von den Bäumen und die Beeren sind reif.


Seit 1972 in der Firma tätig


„Seit Jahresbeginn 1972 bin ich in der Firma tätig, die vor der Wende ,VEG Obstbau Schwerin’ hieß. Ich habe seinerzeit die ersten Bäume auf den Plantagen mit gepflanzt, und die ersten Tore gesetzt“, erinnert er sich. Die Firma, die unmittelbar vor den Toren der Landeshauptstadt liegt, war damals wie heute wichtig für die Versorgung Schwerins mit frischem Obst und Gemüse, wenngleich sich die Prioritäten nach der Wende geändert haben.

1991 war ein wichtiges Jahr für den Stralendorfer Obstbauer, denn er übernahm das Unternehmen. „Ich habe mich damals selbstständig gemacht. Und ich bin heute auch ein bisschen stolz darauf, nach dieser Zeit immer noch allein die Geschäfte zu führen, ohne GmbH und Co KG“, macht er im Gespräch mit SVZ auf seine derzeitige Situation aufmerksam. Das Stralendorfer Unternehmen, mit Außenstellen in Wittenburg und Ruthen, bewirtschaftet nach seinen Worten in der Region insgesamt 600 Hektar im Obstanbau. Ackerland, Wald und Wiesen gehören ebenso dazu.


Dort weitergemacht, wo OGS seinerzeit aufhörte


„Auf 150 Hektar wird reiner Obstanbau mit Kulturen wie Erdbeeren, Süß- und Sauerkirschen, Pflaumen, Birnen und Äpfel, von denen wir knapp 30 Sorten im Angebot haben, betrieben. Damit können wir die unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen abdecken“, blickt Strube auf seinen Betrieb. Er macht zudem darauf aufmerksam, dass der Betrieb auch Getreide für die Kleintierhalter und individuelle Produzenten anbaut. „Wir haben an der Stelle weitergemacht, wo seinerzeit die „Obst-Gemüse-Speisekartoffeln“ (OGS) aufgehört hat. Wir sind die Partner der Kleingärtner geblieben und das spüren wir hier in Stralendorf, Wittenburg und Ruthen, unseren Außenstellen“, sagt Walter Strube. Der Betrieb nimmt den Kleingärtnern das frische Erntegut, ob Rhabarber oder Beeren. Dafür bekommen sie einen Gutschein, von dem sie sich dann eine andere Ware eintauschen können.

„Ich denke, dass wir mit diesem System deutschlandweit einmalig sind. Wir nehmen neben den traditionellen Früchten, auch Kürbisse, Nüsse, aber auch Bucheckern, Eicheln und Kastanien an“, erzählt Strube, der großen Wert darauf legt, mit frischen und regionalen Produkten die Kunden auf seinen Hof zu holen. Dazu gehören u.a. die unterschiedlichsten Sorten an Marmeladen sowie Früchte der Saison, Wurst nach traditionellen Rezepten der Großmutter, Säfte, Wein und vieles mehr.

In der Firma sind 30 Mitarbeiter beschäftigt, hinzu kommen nach seinen Worten bis zu 700 Saisonkräfte, die in der Erntezeit tätig werden.


Blühzeitpunkt hat sich nach vorne verlagert


„Wir brauchen noch Saisonkräfte für die Ernte, wir holen aus Schwerin sogar Leute ab, wenn sich mehrere zusammentun“, erläutert Strube weiter, der zudem darauf aufmerksam macht, dass in den Plantagen auch das Selberpflücken von Früchten angeboten wird. Ausgehend von der Produktion im Obstbau unter freiem Himmel macht der Stralendorfer auf eine Veränderung der Witterung aufmerksam.

„Der Blühzeitpunkt beim Obst ist weiter nach vorne gerutscht, insbesondere bei den Kirschen und Äpfeln. Ich denke, dass sich das um zwei Wochen verschoben hat. Damit ergeben sich dann Probleme mit Krankheiten. Ich denke dabei an die Kirschfruchtfliege, die mit der Wende hier Einzug hielt, die die Früchte doch sehr schädigt. Es ist schwierig, die Süßkirschen madenfrei zu halten. Wir bei uns machen den integrierten und kontrollierten Anbau schon seit vielen Jahren“, sagt er.

Früher wollte Walter Strube Agrarflieger werden, sein Traumjob wäre in der Pflanzenproduktion gewesen, dafür hat er sogar einen Hochschulabschluss gemacht. Zusammen mit der Qualifikation zum Obstbauer ist er nach eigenen Worten mit allen Wasser gewaschen. „Ich bereue keinen Tag, ich würde nichts anders machen. Darauf bin ich schon ein wenig stolz“, betont Walter Strube. Sein Sohn Jens hat bei ihm in der Firma gelernt, und wird, wenn alles gut läuft, nach den Worten von Walter Strube seine Nachfolge antreten.

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