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Ludwigsluster Tageblatt

19. Oktober 2017 | 03:51 Uhr

Ludwigslust : Pappmaché im neuen Goldglanz

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Andreas Volkmar aus Lüblow hat in den letzten eineinhalb Jahren im Ludwigsluster Barockschloss zahlreiche Ornamente restauriert

von
erstellt am 28.Feb.2015 | 07:00 Uhr

Andreas Volkmar steht in einem Salon des Schlosses Ludwigslust. An einer Tür begutachtet er das Werk der Vergolder, die verschiedene Festons verziert haben. Andreas Volkmar hatte diese Schmuckelemente zuvor in seiner Werkstatt in Lüblow aufwendig restauriert. Ein Feston (französisch „Girlande“) ist ein in nahezu allen Kunstgattungen der bildenden und der angewandten Kunst verbreitetes Ornament, insbesondere in der Architektur und Raumausstattung.

Andreas Volkmar erneuert als Pappmaché-Experte Elementen wie z.B. Wellenbänder, Pfeifenbänder und eben Festons. Ein Großteil der Innen- und Außendekoration des Barockschlosses Ludwigslust und auch der Ludwigsluster Stadtkirche wurde Ende des 18. Jahrhunderts aus Papiermaché, dem „Ludwigsluster Carton“, gefertigt.


Volkmar setzt auf die Kasché-Technik


Wenn er die Zier- und Schmuckelemente originalgetreu wieder herstellt, nutzt Restaurator Andreas Volkmar die Kasché-Technik. Bei diesem Herstellungsprinzip werden Modelle überformt, also kaschiert, indem man schichtweise Papierstücke mit einer leimartigen Substanz aufklebt. Die erste Lage besteht nur aus feuchtem Papier, da das Modell später abgelöst werden muss. Es ist eine zeitaufwendige Arbeit, denn jedes weitere Stadium muss erst trocknen. Sind die Papierschichten stark genug, beginnt die Feinarbeit. Das Papiermaché-Objekt wird so lange geschliffen und poliert, je nach gewünschtem Effekt farbig gefasst und gelackt, bis es dem Original, zum Beispiel einem goldenen Stuckrelief, zum Verwechseln ähnlich sieht. „Den Auftrag für die Arbeiten im Schloss habe ich im Juli 2013 erhalten“, erzählt der Lüblower, der in der Bäckerstraße 35 seine Restaurierungswerkstatt hat. „Das Schloss ist für mich vertrautes Terrain“, so der 57-Jährige, „denn zu DDR-Zeiten war ich dort tätig. Und zwar als Künstlerischer Mitarbeiter im Kreiskabinett für Kulturarbeit. Habe in dieser Eigenschaft die Anleitung von Volkskunstschaffenden übernommen“, erinnert sich Andreas Volkmar. Bildhauerei, Malerei und Restaurierung haben ihn schon in der Schule interessiert, beruflich ging er aber zunächst einen anderen Weg. Er lernte Schiffbauer, doch nach seiner Armeezeit absolvierte er eine Ausbildung zum Restaurator, die er mit einem Diplom abschloss. Die Restaurierung von Architekturfassungen, die Untersuchung der Substanz an Gebäuden, von Fassaden und Wandbildern, dazu die Erforschung der Historie, verbunden mit einer intensiven Archivrecherche - all das gehört zum Arbeitsspektrum des Restaurators Andreas Volkmar, gebürtiger Ludwigsluster, dessen Oma noch zu Zeiten des Herzogs hier gelebt hat.

Seit 1982 ist Andreas Volkmar in Lüblow zu Hause, wo er eine alte Büdnerei zu Wohnsitz und Werkstatt umbaute. „Ich habe mich schon zu DDR-Zeiten mit Papier beschäftigt und da ich wusste, dass vieles im Schloss aus Pappmaché ist, dachte ich mir, hier könnte mal was kommen.“ Er sollte recht behalten, denn nach der Wende wurde die umfassende Sanierung des Barockschlosses ganz intensiv in Angriff genommen. Mit seiner Arbeit als Papiermaché-Restaurator im Schloss ist er fertig, jetzt ist er dabei, Dokumentationen zu schreiben und alles für die Nachwelt festzuhalten.

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