Dömitz : Paare bleiben Festung treu

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Geheiratet wird jetzt im Zeughaus und auf den Bastionen.

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20. November 2017, 12:00 Uhr

Jedes Jahr im Mai, wenn Marika Hoedt das frische Grün auf dem Festungshof erblickt und tief die erste warme Luft einatmet, dann packt sie dieses Hochgefühl. „Dann denke ich, ich habe den schönsten Beruf der Welt. Der durch nichts zu toppen ist“, sagt sie. Marika Hoedt ist Standesbeamtin. Seit 23 Jahren. Ein Beruf, den sie auch als Rentnerin noch ausüben möchte, wenn man sie ließe.

Die Festung ist und bleibt der beliebteste Ort zum Heiraten in Dömitz. Und das obwohl mit der Schließung des baufälligen Kommandantenhauses die zwei wichtigsten „Trauzimmer“ weggefallen sind. Seit Sommer kann weder in der Festungskapelle noch im Pulverkeller geheiratet werden. Die plötzliche Schließung des Hauptgebäudes auf der Festung hat auch Standesbeamtin Marika Hoedt kalt erwischt. „Wir mussten improvisieren“, sagt die 47-Jährige. Im Sommer bei schönem Wetter sei das oft kein Problem gewesen. Weil viele Paare sich von vorn herein für eine Hochzeit unter freiem Himmel auf dem Rasen-Rondell der Drachenbastion entscheiden. Bei schlechtem Wetter aber mussten die Hochzeitsgesellschaften dieses Jahr in den Ausstellungsraum des Biosphärenamtes ausweichen. Marika Hoedt vermählte die Paare dort zwischen großformatigen Naturfotografien. Seit Herbst nun befindet sich das Standesamt im zweiten Stock des Zeughauses in einem ehemaligen Versammlungsraum. „Kein Vergleich zur romantischen Kulisse unter dem Gewölbe der Festung“, sagt Marika Hoedt. „Dafür aber ist der neue Saal schön hell, warm und hat eine tolle Akustik.“

In Dömitz können die Paare an gleich fünf verschiedenen Orten heiraten: oben im Panoramacafé der Hafengastronomie, unten am Sandstrand im Pavillon, im Schiff auf der Elbe , im Rathaus und auf der Festung. Von fünfzig Eheschließungen sind allein 35 auf der Festung. Für kommendes Jahr gibt es schon 18 Anmeldungen. „Es sieht also nicht so aus als würden sich die Paare von der Schließung der Kapelle und des Kellers abhalten lassen“, sagt Marika Hoedt. Die 47-Jährige geht auch nach so vielen Berufsjahren in jede Hochzeit mit Herzklopfen. „Wenn ich das nicht mehr habe, dann sollte ich besser aufhören“, sagt sie. Von vielen der von ihr vermählten Paare bekommt Marika Hoedt Dankeskarten. Manche melden sich noch Jahre später bei ihr. Ein Paar aus Hannover, das mit dem Fahrrad bis vor das Standesamt fuhr, hatte Marika Hoedt zu seinem ersten Hochzeitstag eingeladen. „Sie waren nicht nur unsere Standesbeamtin, sondern auch ein lieber Hochzeitsgast“, schrieben sie.

Jetzt, im tristen November, wollen nur wenige heiraten. Zwei Paare hatten sich angemeldet. Für den 17.11.17. Wegen des besonderen Datums. Beide heirateten in Marika Hoedts Büro im Verwalttungsgebäude des Amtes. Auch das kommt vor. Ganz unspektakulär. Ohne Musik, ohne Dekoration, ohne Gäste, manchmal sogar ohne Ringe. „Wenn sich die Paare das so wünschen, dann soll es so sein“, sagt Hoedt. „Es ist ihr Tag.“

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