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Holprigste Dorfstraße Deutschlands : Ortsdurchfahrt durch Vorgärten?

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Balow ist ein schönes Dorf. Balow ist ein erfolgreiches Dorf. Aber Balow hat auch ein Problem - nämlich seine desolate Dorfstraße. Die könnte eines Tages sogar ins Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen werden.

Balow/Schwerin | Balow ist ein schönes Dorf. Balow ist ein erfolgreiches Dorf. Aber Balow hat auch ein Problem - das sozusagen auf der Straße liegt. Das Problem ist seine desolate Dorfstraße. Und wenn Dieter Weding, bis zur Wende langjähriger Bürgermeister und Mitglied des Karnevalsvereins Dambeck, mit einem Büttenredenvorschlag doch noch recht behält, dann könnte Balow eines Tages ins Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen werden - für die holprigste Dorfstraße Deutschlands. Dieses eher zweifelhafte Privileg genießen die Balower schon mindestens seit 1954, als ihre Dorfstraße neu gepflastert worden war. Seitdem ist dort nichts passiert. Manche meinen zwar, die Straße gebe es schon seit Napoleons Zeiten, das lässt sich jedoch historisch nicht belegen. Aber möglicherweise hätte selbst der anfangs sieggewohnte Kaiser der Franzosen vor dieser Straße kapitulieren müssen - Waterloo in Balow. Unstrittig ist jedenfalls, dass etwas passieren muss. Strittig sind allenfalls die Wege zu einer neuen Straße - einschließlich des Erneuerns der Balower Bürgersteige. Klingt ziemlich plausibel. Allerdings ist die Situation und vor allem die rechtliche Situation nicht ganz so einfach, wie es vielleicht auf den ersten Blick scheinen mag. Denn die auf dem Wege von Mecklenburg nach Brandenburg gelegene Ortsdurchfahrt ist eine überregionale Landesstraße und befindet sich damit in Landeshoheit. Jetzt soll die stark reparaturbedürftige, mehr als zwei Kilometer lange Straße neu gebaut werden - in der gesetzlich vorgeschriebenen Breite von exakt sechs Metern sowie einem Gehweg von 1,60 Meter und einem Grünbereich von 1,50 Meter. Das sehen die "Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen" (RASt 06) vor. Nach der ersten Planung des Landes sollte der Gewehweg auf Landesterritorum errichtet werden - eben dort aber befindet sich bereits seit langer Zeit eine Reihe von Anwohner-Vorgärten. Da gibt es also "eine Überschneidung", wie es Dezernent Wilfried Schubert vom zuständigen Straßenbauamt Schwerin formuliert. Im wahrsten Sinne auf der anderen Straßenseite steht eine gesetzlich geschütze, lange Baumreihe vorwiegend von Robinien. Die Verlegung des Gehweges würde das Aus für viele dieser Robinien bedeuten. Bürgeransprüche versus Naturschutz?

Viele Emotionen bei Einwohnerforum im Herbst

Welche emotionale Sprengkraft hinter dieser "Überschneidung" steckt, das zeigte eine kürzliche Einwohnerversammlung zur Präsentation des ersten Entwurfs. Dieser fand freundlich ausgedrückt nicht unbedingt die Zustimmung der Einwohner. Die teils sehr heftig vorgetragene Kritik richtete sich gegen den Straßenbau durch die Vorgärten. Nachdem es während der Diskussion im "Deutschen Haus" nicht immer nur höflich zugegangen war, landeten im Straßenbauamt Schwerin zahlreiche Einwendungen, teilweise im Kollektiv verfasst und unterschrieben.

Ein Ordner voll Protestschreiben: Wie geht es weiter?

Projektbegleiter Torsten Lange zeigt dem SVZ-Reporter einen ganzen Ordner voll Protestschreiben. In Schwerin sieht man sich als Mediator und will eine möglichst "einvernehmliche" Lösung, wie Dezernent Schubert bekräftigt. Diese soll die Interessen von Bürgern und Naturschutz berücksichtigen. Dazu wurde zunächst eine "Machbarkeitsstudie" in Auftrag gegeben. Anfang 2012 soll es ein Treffen mit Vertretern des Natur- und Umweltschutzes geben. Danach soll die Planung überarbeitet und etwa im Sommer 2012 erneut ausgelegt werden. Auch eine weitere Einwohnerversammlung ist geplant. Schließlich soll für und nicht gegen die Bürger geplant und gebaut werden - gleichsam 12 900 Quadratmeter Demokratie. Und Demokratie bedeutet immer einen langen Weg. Es dürfte also noch eine Weile dauern, bis in Balow tatsächlich die Bagger anrollen. Vielleicht schafft es die holprige Dorfstraße vorher doch noch ins Guinness-Buch der Rekorde, wie von Dieter Weding scherzhaft vorgeschlagen. Aber ob das dort wirklich noch jemand will?

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erstellt am 24.Dez.2011 | 04:08 Uhr

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