Karstädt : Opfer des Kalten Krieges

Franzosen, Amerikaner, Briten und Deutsche bei der Gedenkfeier
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Franzosen, Amerikaner, Briten und Deutsche bei der Gedenkfeier

Kränze und Blumen für Arthur Nicholson und Philippe Mariotti gestern am Gedenkstein nahe Karstädt niedergelegt

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22. März 2015, 11:52 Uhr

Eine Weltkarte mit drei markierten Städten: Washington, Moskau – und Ludwigslust. Vor 30 Jahren hatte Heinz Jauert sie im ZDF gesehen, als über den Tod von Arthur Nicholson berichtet wurde. Der US-Major, Mitglied der amerikanischen Militärmission in Potsdam, war am 24. März 1985 zwischen Karstädt und Grabow von einem russischen Soldaten erschossen worden. „Das lässt einen als Ludwigsluster doch nicht kalt“, betonte Heinz Jauert. Und so war er gestern Mittag zum Gedenkstein an der B 191 kurz vor Karstädt gefahren, um gemeinsam mit ehemaligen Soldaten der US-amerikanischen, britischen und französischen Militärmissionen in der ehemaligen DDR und Reservisten der Bundeswehr an Nicholson und an Philippe Mariotti zu erinnern. Mariotti war als Angehöriger der französischen Militärmission am 22. März 1984 in Halle/Saale ums Leben gekommen.

Die genauen Umstände von Arthur Nicholsons Tod sind nicht zweifelsfrei geklärt. Die Berichte der amerikanischen und der sowjetischen Seite gehen in einigen Details auseinander. Befand er sich, als er sich offenbar mit einer Fotokamera einem sowjetischen Militärobjekt näherte, noch außerhalb militärischen Sperrgebiets oder auf dem Gebiet eines gesperrten militärischen Objekts? Wurden Warnschüsse abgegeben oder nicht? Wurde die Hilfe für den Schwerverletzten verzögert? Angeblich soll sich die Sowjetunion laut „Zeit online“ drei Jahre später entschuldigt haben. Fakt ist, dass der 37-jährige Familienvater starb und dass er eines der letzten Opfer des Kalten Krieges zwischen Ostblock und Westmächten war.

Militärverbindungsmissionen waren auf Grundlage einer Übereinkunft der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges eingerichtet worden. Franzosen, US-Amerikaner und Briten hatten ihre in Potsdam, die sowjetische Seite hatte drei Missionen in den anderen Besatzungszonen und später in der BRD. Die Mitarbeiter durften sich im jeweiligen Gebiet – ausgenommen militärische Sperrgebiete – frei bewegen. „Die Existenz der Militärverbindungsmissionen war entscheidend, um den Kalten Krieg kalt zu halten und somit zu verhindern, dass einzelne Todesfälle sowie Vorfälle zu einem großen Krieg führten“, sagte auf der gestrigen Gedenkfeier, die der Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e.V. organisiert hatte, Brigadegeneral Kevin Ryan (US Army a.D.). „Dies war die Aufgabe von Major Arthur Nicholson, Adjudant-Chef Philippe Mariotti sowie aller Männer und Frauen der alliierten Missionen.“ Gemeinsam mit Brigadegeneral a.D. Jean-Paul Staub (Frankreich) und Generalmajor a.D. Peter Williams (Großbritannien) legte er einen Kranz am Gedenkstein nieder. Andere, darunter Ludwigslusts stellvertretender Bürgermeister Jürgen Rades und Maika Friemann-Jennert, folgten. „Wichtig wäre, wenn dieser Gedenkort hier auch wie ein Gedenkort gepflegt wird“, sagte Heinz Jauert nach der Gedenkfeier.

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