Ohne Wecker und Kalender

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Joachim Müller, Fachdienstleiter Regionalmanagement, geht in den Ruhestand – und freut sich auf die Arbeit in Haus und Garten

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30. April 2020, 05:00 Uhr

Drei Kreise. Drei Landräte. Fast 30 Jahre. Doch jetzt ist Schluss. Joachim Müller, Fachdienstleiter Regionalmanagement und Europa bei der Kreisverwaltung, geht in den Ruhestand. Nach den Maßstäben der Rentenversicherung regelgerecht – mit 65 Jahren und acht Monaten. Seinen Abschied vom Berufsleben nimmt er gelassen. „Es macht weder Sinn, in Jubel auszubrechen noch zu jammern“, sagt Joachim Müller. „Es ist das, was jetzt ansteht.“ Die eine oder andere Genugtuung gibt es dann aber doch.

Im Dezember 1990 hatte Joachim Müller, von Hause aus Lehrer, beim damaligen Kreis Hagenow angefangen. „Ich habe dort die Kreisvolkshochschule aufgebaut“, erzählt er. „Eine tolle Aufbauzeit, zumal damals noch nicht so viel reglementiert war.“

Gut zehn Jahre später wurde er in die Kernverwaltung geholt – nachdem er Führungskräfte für die Verwaltungsreform „Landratsamt 2000“ fortgebildet hatte. Als Teamleiter für Kommunikation und Information stand er schon kurz nach dem Einstieg vor einer besonderen Aufgabe: der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Katastrophenstab beim Elbhochwasser 2002. In den Folgejahren wirkte Joachim Müller an der Modernisierung der Kreisverwaltung mit. „Auch das Internetportal haben wir in dieser Zeit aufgebaut und waren da deutschlandweit recht fortschrittlich unterwegs.“

In der dritten Phase seiner Tätigkeit für den Landkreis hatte Joachim Müller wieder mit Aufbauarbeit zu tun – im Fachdienst Regionalmanagement und Europa, zuletzt als dessen Leiter. Natürlich sei es auch wichtig, Dinge zu verwalten und regelmäßige Leistungen zu erbringen. „Aber mehr Spaß macht es doch, etwas aufzubauen und an einer Sache mitzuwirken, die hinterher etwas wert ist.“ Und noch etwas schätzt er rückblickend an seinem beruflichen Weg. „Meine ganze berufliche Biografie ist ein Bildungsprozess gewesen. Ich habe 30 Jahre lang tolle Chancen gehabt, immer wieder dazuzulernen und mich weiterzubilden.“ Im Bereich Regionalmanagement und Europa war Joachim Müller unter anderem für die Entwicklung des ländlichen Raumes, für Schülerverkehr und den öffentlichen Personennahverkehr zuständig. „Durch die Dorferneuerung, den ländlichen Wegebau und Leader ist es uns gelungen, den ländlichen Raum ein ganzes Stück voranzubringen und dafür zu sorgen, dass es in den Dörfern im Landkreis ganz ordentlich aussieht“, so Müller. Und mit dem Rufbussystem der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim (VLP) sei man modellgebend, auch wenn man es nicht erfunden hat. „Aber wir haben das System am konsequentesten und flächendeckend umgesetzt, so dass man jetzt auf dem Land leben kann ohne Auto. Das war vorher in vielen Dörfern undenkbar.“

Schon seit gut zehn Jahren hatte Joachim Müller auch den Breitbandausbau im Landkreis auf dem Tisch – der allerdings noch immer nicht abgeschlossen ist. „Ich hatte schon die Hoffnung, dass ich noch die Bändchen mit durchschnippeln kann“, sagt Joachim Müller. „Aber ich weiß das Projekt im Zusammenspiel zwischen der Wemacom als Auftragnehmer und unserem Team in guten Händen.“ Und nicht nur dieses, sondern auch seinen gesamten Fachdienst. Seinen Nachfolger Edwin Artz konnte Müller bereits einarbeiten. „Er hat den Laden eigentlich schon längst übernommen hat. Ich kann mit ruhigem Gewissen von Bord gehen und mich anderen Dingen widmen.“

Gestern hatte Joachim Müller seinen letzten Arbeitstag. In den Tagen zuvor hatte er sein Büro in Haus A des Ludwigsluster Landratsamtes ausgeräumt. „Das war zum Teil schrecklich, aber auch interessant, wenn man auf alte Spuren stößt, die man nicht mehr so im Gedächtnis hatte“, sagt er. Nicht von allen Erinnerungsstücken kann er sich trennen. Zum Beispiel den Namensschildern. „Ich war ja häufig auf internationalen Workshops und Konferenzen, weil wir auch EU-Maßnahmen mit ausländischen Partnern gemacht und Partnerschaften aufgebaut haben.“ Ein paar von diesen Schildern, zum Beispiel in russischer Schrift oder auf Polnisch, könne er nicht so einfach wegwerfen. Es sind Erinnerungen.Angst vor Langeweile in seinem Ruhestand hat Joachim Müller nicht. „Ich wohne in einem alten Haus mit Garten. Da gibt es etliche Aufgaben, die seit Jahren mangels Zeit aufgeschoben wurden.“ Und es gibt noch etwas, auf das sich der Pretener freut: „Nicht mehr dem Diktat des Weckers und des Terminkalenders zu unterliegen.“

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