dömitz : „Ohne Regeln geht’s nicht“

Die Jugendlichen sind in ihrer Freizeit gerne sportlich aktiv. Da kam die neue Tischtennisplatte gerade richtig.  Fotos: Privat (2)
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Die Jugendlichen sind in ihrer Freizeit gerne sportlich aktiv. Da kam die neue Tischtennisplatte gerade richtig. Fotos: Privat (2)

Kinder- und Jugendhaus in Dömitz bietet neues Zuhause / Pädagogin Anke Laschtowitz übernahm vor gut einem Jahr die Leitung

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13. Juni 2017, 21:00 Uhr

Der 8-jährige Lukas kommt aus der Schule, schmeißt seine Schultasche erst einmal auf sein Bett und macht sich dann schnell auf den Weg zum Esstisch, um sich nach dem Schultag mit einem warmen Mittagessen zu stärken. Gegessen wird mit zwei Mitarbeiterinnen des AWO Kinder- und Jugendhauses in Dömitz, denn hier lebt Lukas seit gut einem Jahr. Auch 19 weitere Kinder und Jugendliche haben hier ein neues Zuhause gefunden.

Lukas wohnt in dem „kleinen“ Haus, einem weiß-grünen Neubau auf dem Grundstück in der Ludwigsluster Straße, der vor etwa drei Jahren errichtet wurde. Hier teilt er sich die obere Etage mit drei weiteren Jungs – darunter auch sein älterer Bruder Stefan, der seit 2013 in Dömitz lebt. Insgesamt betreuen die Mitarbeiter der Einrichtung drei Bereiche: die Villa, in der Kinder ab dem 13. Lebensjahr wohnen können, und das „kleine“ Haus mit zwei unterschiedlichen Wohngruppen. Hier leben Kinder bis zum 14. Lebensjahr auf der oberen Etage und Mütter bzw. Väter mit ihren Kindern im Erdgeschoss.

Hausleiterin Anke Laschtowitz behält hier den Überblick. Die Pädagogin weiß genau, wann welches Kind aus der Schule kommt oder wer noch seine Aufgaben und Pflichten erfüllen muss. Seit Juli 2016 leitet sie das Kinder- und Jugendhaus an der Elbe und hat auch schon früher oft hier ausgeholfen. „Diese Arbeit ist kein Job, sondern eine Berufung“, so die 46-Jährige. Besonders viel Arbeit fällt für sie und die 13 Mitarbeiter derzeit in der Villa an. Hier leben 13 Jungs aus Syrien, Ägypten und Afghanistan, die als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, und drei deutsche Jugendliche. „In dem Alter wollen die Jugendlichen ihre Grenzen austesten und da muss man schon mal diskutieren“, so Laschtowitz.

Bei den Kleinen wie bei den Großen helfen da nur Regeln. „Unsere Kinder und Jugendlichen haben feste Tagesabläufe. Dazu gehören natürlich der Schulbesuch und später am Tag auch Aufgaben wie Zimmer aufräumen, Wäsche waschen oder kochen. Wie in einer Familie eben“, erklärt Anke Laschtowitz. Am Wochenende kochen die Jugendlichen aus der Villa oft gemeinsam und die Jungs aus dem „kleinen“ Haus haben immer eine Monatsaufgabe. „Ich habe so schon gelernt, wie man Schuhe bindet oder gesund einkaufen geht und kocht“, berichtet Lukas.

Unter den Jugendlichen sind auch zwei sogenannte Trainingswohner. „Ihr Ziel ist es, bald eine eigene Wohnung zu beziehen und darauf wollen wir sie vorbereiten“, erklärt Anke Laschtowitz. Dazu gehören Aufgaben im Haushalt und der Umgang mit Geld. Im selben Gebäude wie die Trainingswohneinheiten befinden sich auch ein Musik- und Fitnessraum, in dem die Kinder und Jugendlichen viel Freizeit verbringen. Auch die große Außenanlage und die Spielgeräte werden den Bedürfnissen aller gerecht. Im letzten Jahr hat das Haus eine Spende der Dömitzer Firma Bremi Fahrzeug-Elektrik erhalten und davon Sportgeräte, eine Tischtennisplatte und einen Fernseher gekauft. „Es ist schön, dass unsere Kinder und unsere Arbeit unterstützt werden“, so Laschtowitz.

Dass das nicht selbstverständlich ist, musste die 46-Jährige auch schon oft erleben. „Wenn in Dömitz etwas Negatives passiert, heißt es oft: „Das waren sicher die aus dem Heim.“ Das macht einen dann natürlich traurig und wütend.“ Deshalb veranstaltet das Kinder- und Jugendhaus am 20. September einen Tag der offenen Tür. „Alle Dömitzer und Gäste sind herzlich eingeladen, sich unsere Häuser anzuschauen und mit uns, den Kindern und Jugendlichen ins Gespräch zu kommen“, so Anke Laschtowitz.

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