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Gelben Salon Ludwigslust : Ohne Musik wär’ das Leben ein Irrtum

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Der "Gelbe Salon" des Ludwigsluster Kunst- und Kulturvereins Kukululu in der Schlossstraße 29 platzte am Donnerstagabend wieder einmal aus allen Nähten, so viele Gäste waren gekommen.

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erstellt am 19.Jul.2013 | 06:59 Uhr

Ludwigslust | Der "Gelbe Salon" des Ludwigsluster Kunst- und Kulturvereins Kukululu in der Schlossstraße 29 platzte am Donnerstagabend wieder einmal aus allen Nähten, so viele Gäste waren gekommen. Zum einen wollten sie die Ausstellungseröffnung mit Bildgeweben der Textilkünstlerin Christiane Dreyer aus Bahlenhüschen nahe Schwerin unter dem Titel "Verwebte Klänge" erleben und ihr zum anderen zum nur wenige Tage zurückliegenden runden Geburtstag am 11. Juni gratulieren. So hatten viele Gäste nicht nur eine gehörige Portion Neugier auf die ungewöhnlichen Kunstwerke, sondern auch kleine Geburtstagsgeschenke und Blumen mit nach Ludwigslust gebracht. Und auch wenn die Künstlerin ihre aktuelle Exposition ausdrücklich nicht als eine Geburtstagsausstellung, sondern eher als eine Bestandsschau mit Arbeiten aus jüngster Zeit verstanden wissen will, so gab es am Donnerstagabend doch gewissermaßen eine kleine, aber feine Geburtstagsnachfeier - und zwar sowohl im als auch vor dem "Gelben Salon".

Das wunderbare Sommerwetter erlaubte es, sich schon während der eigentlichen Ausstellungseröffnung als erst recht danach vor der Galerie zu versammeln, miteinander zu plaudern und auch das eine oder andere Glas Wein oder alkoholfreie Getränke zu genießen. Spontan entschlossen sich die zwei Musikerinnen des Abends, Christine Schmal und deren fast 12-jährige Tochter Wiebke (beide Violine), ihren Auftritt im "Gelben Salon" spontan um einige Ständchen vor dem "Gelben Salon" zu ergänzen. Einen Sonderapplaus bekam außerdem die jüngere, erst sechsjährige Meike, die zur Freude des Publikums ganz mutig zwei Mal hintereinander das beliebte französische Kinderlied "Bruder Jakob" sang.

Aber auch während dieses improvisierten Sommerfestes nutzten Ausstellungsbesucher die günstige Gelegenheit einer nicht mehr ganz so dicht gefüllten Galerie, sich die insgesamt neun Exponate von Christiane Dreyer anzuschauen. Die zwar am traditionellen Hochwebstuhl entstehen, aber aus ungewöhnlichen Materialien gefertigt sind - aus Wellpappe oder aus Metall. Und ganz der eigenen Vorliebe der Künstlerin entsprechend, die sich schon seit Langem mit dem Thema Musik beschäftigt, lassen sich bei genauerer Betrachtung in allen ihren Arbeiten Klänge sehen oder hören. Zentrales Objekt der Ausstellung ist das in diesem Jahr leicht veränderte, fünfteilige Werk "Konzert" aus Baumwolle und Wellpappe aus dem Jahre 2009. Die schwarz-weiß-graufarbene Komposition fasziniert wie auch die anderen Arbeiten von Dreyer durch die aus der Fläche hervortretenden (Klang)Wellen und die daraus resultierenden Licht-und-Schattenwirkungen.

Besonders beeindruckend sind auch die derzeit im "Gelben Salon" gezeigten Stücke aus Baumwolle und Metallfäden, deren eigentliche Effekte erst sichtbar werden, wenn der Betrachter seine eigene Position vor den Kunstwerken verändert. Mit seiner Veränderung verändert sich auch das jeweilige Exponat…

Die "Verwebten Klänge" von Christiane Dreyer sind noch bis zum 22. August 2013 im "Gelben Salon" zu sehen und jeden Donnerstag von 15 bis 19 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung über 03874-66 66 16 geöffnet. Und auch wenn sich die Künstlerin, die bereits seit 1980 als freischaffende Textilgestalterin arbeitet, nach eigener Aussage in letzter Zeit immer schwerer von ihren Arbeiten trennen kann, sind die meisten jetzt in Ludwigslust gezeigten Webarbeiten durchaus verkäuflich - sozusagen Klänge zum Kaufen.

Im Übrigen haben auch die nächsten beiden Kunst-Aktionen von Kukululu expressis verbis mit Musik zu tun: So ist bereits am nächsten Sonnabend, dem 27. Juli 2013, das Ensemble "Ludwigs-Lust" aus Solingen zum 3. Sommerkonzert in Ludwigslust mit Vocal- und Kammermusik unter anderen von Rosetti und Sperger in der Katholischen Kirche St. Helena zu Gast (Beginn: 19 Uhr).

Und nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr lädt Kukululu am 31. August 2013 zu "Jazz in Lulu Nr. 2" in die Stadthalle ein, diesmal mit dem berühmten Saxophonisten Ernst-Ludwig Petrowsky, genannt Luten, und seiner Frau, der herausragenden Jazz-und-Soul-Sängerin Uschi Brüning. Beide sind seit nunmehr drei Jahrzehnten ein glückliches Paar - in der Arbeit wie in der Liebe. Der Autodidakt Luten Petrowsky, der als einer Urväter des DDR-Jazz gilt, wurde am 10. Dezember 1933 in Güstrow geboren. Von Altersmüdigkeit aber keine Spur.

Bleibt nur noch hinzuzufügen, dass sowohl über dem jüngsten "Gelben Salon" als auch über den beiden anderen Kunst-Aktionen guten Gewissens ein schönes Zitat von Friedrich Nietzsche stehen könnte: "Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum." Eben.

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