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Ludwigsluster Tageblatt

17. August 2017 | 05:54 Uhr

Boddin : Obstbauern fürchten späten Winter

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Apfelspezialist Günter Brandt: Je länger es mild bleibt, um so schwieriger wird es für die Bäume bei einem kräftigen Wintereinbruch

Die Meteorologen sagen einen milden Januar voraus. Es bleibt für die Jahreszeit zu warm. Wer in der Natur genauer hinschaut, sieht, wie die Säfte steigen, die Knospen grünen. Dieses Wetter kann zu einem Problem für die Obstbauern werden. Denn eine Wetterregel besagt: Ist bis Dreikönigstag kein Winter, so kommt auch kein strenger mehr dahinter.

Das ist natürlich für Apfelspezialist Günter Brandt, Prokurist bei der Boddinobst GmbH, kein Maßstab zur Bewertung der Situation in den Plantagen des Unternehmens. Er muss sich an die Fakten halten und wünscht sich lieber jetzt als später einen Winter. „Je länger es mild bleibt und dann möglicherweise noch mal sehr kalt wird, desto schwieriger ist das für die Gehölze. Jetzt ist ja schon beim Holunder oder bei den Rosen zu sehen, wie die Pflanzen auf diese Temperaturen reagieren. Die Apfelbäume befinden sich noch in der Winterruhe. Wenn die milde Witterung noch länger anhält, ist es nicht gut, wenn dann der Winter mit Frost und Schnee hereinbricht. Ansonsten ist jetzt abwarten angesagt“, blickt er kritisch in die kommenden Wochen.

Der Apfelexperte weiß, wovon er spricht. „Bereits im Jahr 2012 gab es eine ähnliche Situation. Damals sanken die Temperaturen Ende Januar von plus 10 Grad Celsius auf bis zu minus 15 Grad. Das ist natürlich kein guter Ausgangspunkt für eine gute Ernte“, betont Günter Brandt, der jetzt die Vermarktung des Erntegutes koordiniert.

„Äpfel sind nicht zum Lagern da, sondern sie müssen verkauft werden. Und wenn die Nachfrage vorhanden ist und der Preis stimmt, dann sollte verkauft werden. Die Ware, die raus ist, wird übrigens auch nicht mehr schlecht“, sagt er.


Elstar ist des Deutschen liebstes Kind bei Äpfeln


Die Boddiner vermarkten derzeit das komplette Sortiment an Tafeläpfeln: Elstar, Braeburn, Jonagored, Jonagold, wobei der Elstar des Deutschen beliebtester Apfel ist. Er hat ein schönes Aroma, ein angenehmes Zucker-Säure-Verhältnis, er sieht gut aus, ist nicht zu hart und besitzt zudem eine handliche Größe. Allerdings sind nach den Worten von Brandt die Endverbraucherpreise schon seit dem vorigen Jahr relativ hoch. Als Grund dafür nennt er die schlechte Apfelernte im Jahr 2013 in Deutschland und in Teilen Europas.

„2013 ernteten wir im Land Mecklenburg-Vorpommern im Durchschnitt der vergangenen sieben Jahre 35 Prozent weniger. Das ist eine absolute Erntemenge von 25 000 Tonnen Äpfeln im Land zu 46 000 Tonnen Äpfeln im Jahr 2012. Als Ursache für dieses schlechte Ergebnis sehen wir in der kalten und feuchten Witterung zur Zeit der Apfelblüte 2013. Um Pfingsten hatten wir richtig nass-kaltes Wetter, die Bienen flogen nicht. Da kamen einige Negativ-Faktoren zusammen. Das Ergebnis haben wir jetzt vorliegen“, erläutert Brandt die Ergebnisse des vergangenen Apfeljahres.

Ideal wäre mildes Frühlingswetter, Sonnenschein, 20 Grad Celsius, leichter Wind. In so einem Fall würden zwei, drei Tage reichen, um die Blüten zu bestäuben. Nach den Worten von Günter Brandt war die schlechte Witterung im vorigen Frühjahr über den gesamten norddeutschen Bereich verbreitet. Und dennoch läuft die Vermarktung der regionalen Ware auch in diesen Tagen erfolgreich. Wer als Kunde im Supermarkt seinem Produzenten vor Ort etwas Gutes tun will, sollte deshalb beim Obstkauf auf das Regional-Logo achten. Damit gekennzeichnete Ware kommt entweder aus Boddin oder aus Rostock.

Während derzeit bei Boddinobst der Schwerpunkt bei der Vermarktung liegt, steht Anfang März in den Plantagen um Boddin der Baumschnitt an. Bis dahin hoffen die Obstbauern, dass es Väterchen Frost nicht mehr so arg mit ihnen treibt.

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erstellt am 06.Jan.2014 | 17:03 Uhr

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