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Ludwigslust : „Obergrenze ist nicht definierbar“

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Corinna Cwielag: Für jeden getöteten Wolf werden im Folgejahr mehr Nutztiere Opfer des Raubtiers / Freigabe zur Jagd nicht gerechtfertigt

von
erstellt am 20.Jan.2017 | 07:00 Uhr

„Wenn es Unterschriftenlisten gibt, in denen die Leute zum Ausdruck bringen ,Wir brauchen den Wolf nicht’, so muss ich sagen, die Natur braucht uns nicht. Wir brauchen aber das intakte Zusammenwirken von Mensch und Natur“, bringt Corinna Cwielag ihre Meinung auf den Punkt. „Wir haben den Wolf als Beutegreifer jetzt da und er wird als Konkurrent angesehen. Es müssen sich die Jäger mit dem Wolf arrangieren, und da müssen die Jäger auch schauen, dass sie sich nicht von der Hysterie um den Wolf anstecken lassen“, so die Landesgeschäftsführerin des BUND in MV. „In unserer Flachlandpopulation, wo eine Zäunung machbar ist, ist es nicht gerechtfertigt, den Wolf zur Jagd freizugeben. Sollte ein Wolf über den Zaun springen, dann wäre es ein Problemwolf, und diese Tiere könnten auch jetzt schon abgeschossen werden. Es ist nicht bekannt, dass der Wolf den Menschen so nahe kommt, sich den menschlichen Anwesen so weit nähert, dass Maßnahmen ergriffen werden müssten.“ Unterstützung für den Aufbau von Zäunen gibt auch WikiWolves. Es ist eine kleine Gruppe Berufstätiger und Studenten, unter anderem aus den Bereichen Biologie, Agrarwissenschaften, Forstwirtschaft und Landschaftsökologie, aus Mecklenburg-Vorpommern und Berlin/Brandenburg. Ihr Angebot richtet sich an alle Halter von Haustieren wie Schafe, Ziegen und Gatterwild, die potenziell von Wolfsübergriffen bedroht sind. „WikiWolves arbeitet auch mit uns zusammen. Die Gruppe hat zwar in Greifswald ihren Sitz, kommt aber auch nach Westmecklenburg. Die ehrenamtlichen Helfer bauen unentgeltlich diese Zäune auf. Hilfe und Unterstützung geben auch die flächendeckend agierenden Wolfsbetreuer“, meint Corinna Cwielag.

Wenn der Ruf laut wird nach einer Obergrenze für den Wolfsbestand in Deutschland und in Europa, so gilt es aus Sicht der BUND-Expertin, auch die rechtlichen Fakten zu bewerten und den Nachweis zu führen, dass nur aus triftigen Gründen ein Abschuss vorzunehmen ist. „Im deutsch-westpolnischen Populationsgebiet gibt es 1000 erwachsene Wölfe. Wir haben 30 Wolfsrudel in Deutschland und drei in MV, wenn das bei Kaliß dazukommt. Im Populationsgebiet Deutschland-Polen könnten sich 333 Rudel ansiedeln, je zur Hälfte in jedem der beiden Länder. Statistisch gesehen liegen wir jetzt mit den 30 Rudeln an der Untergrenze. Daraus jetzt eine Zahl zu rekonstruieren, wann ein Abschuss erfolgen soll, ist mit der EU rechtlich nicht möglich“, so Corinna Cwielag. Sie verweist auf die Feldstudie zweier Forscher aus den USA, die sich auf Daten aus 25 Jahren, den Zeitraum 1987 bis 2012, stützt. Diese zeige nun: Wölfe abzuschießen oder mit Hilfe von Fallen zu erlegen, führe nicht im Mindesten zum erwünschten Ergebnis. Für jeden getöteten Wolf würden im Folgejahr deutlich mehr Nutztiere Opfer von Wölfen. „Ein Eingriff in die Rudelstruktur, insbesondere wenn es ein Alphatier ist, hat immer mehr Schäden zur Folge“, so Corinna Cwielag. „Wer will einen kontrollierten Abschuss festlegen, um so den Bestand zu regulieren? Wir sind gut beraten, uns an die Fakten zu halten. Eine Obergrenze ist nicht definierbar.“

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