Dreenkrögen : Nur Mut: Lara springt ins Tiefe

Rettungsschwimmer Nico Kobus-Prehn erklärt die Armzüge. Nach einer Woche Schwimmunterricht fühlt Ronja sich sicherer im Wasser.
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Rettungsschwimmer Nico Kobus-Prehn erklärt die Armzüge. Nach einer Woche Schwimmunterricht fühlt Ronja sich sicherer im Wasser.

1300 Schul- und Vorschulkinder im Landkreis lernen dieses Jahr schwimmen beim ASB-Wasserrettungsdienst Schwerin-Parchim

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22. August 2015, 07:00 Uhr

Laras Knie zittern. Ganz hinten am Steg steht sie, blickt hinunter ins dunkle tiefe Wasser. „Nein. Nein. Nein“, ruft sie immer wieder. Sie muss springen. Jetzt. Mama und Oma reden auf sie ein. „So spring doch endlich.“ Lara tritt zurück. Wenn sie jetzt nicht springt, geht sie ohne Seepferdchen nach Hause. „Dabei kann sie doch so gut schwimmen“, seufzt die Mutter.

Eine Woche hat Lara mit achtzehn anderen Kindern im Alter zwischen vier und neun Jahren im Dreenkrögener Badesee schwimmen gelernt. Für Mike Stiehler, ihren Lehrer, ist sie eine sichere Kandidatin für das Seepferdchen. „Viele Kinder sind am ersten Tag noch ängstlich, werden aber von Mal zu Mal sicherer.“ Fünf Jahre sei das beste Alter, um schwimmen zu lernen, meint er. „Dann sind die Kinder besonders aufnahmefähig. Wenn bis zum siebten Lebensjahr nichts passiert, schleichen sich Fehler ein, die man später nur noch sehr schwer korrigieren kann.“ Stiehler kommt aus dem benachbarten Wöbbelin. Er ist der Chef der ASB-Wasserrettung Schwerin-Parchim. 71 Rettungsschwimmer wachen unter seiner Leitung über elf Seen im Landkreis. 1300 Schul- und Vorschulkinder im Landkreis haben bei der ASB- Wasserrettung in diesem Jahr das Schwimmen gelernt. Dazu gehören auch die 550 Kinder aus zwölf Grundschulen, die noch vor den Ferien zum Schwimmunterricht kamen.

Auch Lara kann schon schwimmen. Für das Seepferdchen muss sie aber springen. Ihr lautes Schluchzen hören inzwischen auch die Badegäste am Strand. Der Papa ruft über den See: „Lara. Nun trau dich.“ Die großen Jungs auf der Badeinsel klopfen auf die Luftkissen und rufen im Takt Laras Namen. Mike Stiehler steht im Wasser unter dem Steg. Er hebt die Arme Richtung Lara. Geduldig. Immer noch ruhig. „Jedes Kind ist anders. Wir müssen uns individuell darauf einstellen. Anfangs werden sie spielerisch ans Wasser gewöhnt, später reden wir ihnen gut zu. Manchmal werden wir auch streng.“ Der 42-jährige Ehrenamtler ist mit Leidenschaft dabei. Als Beamter bei der Bundeswehr hat er seinen kompletten Drei-Wochen-Sommerurlaub im Wasser bei den Schwimmschülern verbracht. „Schon nach der ersten Woche war ich total erholt“, sagt er. „Es macht so viel Spaß zu sehen, wie die Kinder lernen, sicherer und damit selbstbewusst werden.“ Drei der 41 ASB-Ferien-Schwimmkurse im Landkreis hat Stiehler selbst geleitet. Der letzte Kurs beginnt am Montag im Neustädter See am Barracuda Beach um 10 Uhr. Vier Kindern aus dem Dreenkrögener Kurs hat Stiehler empfohlen, in Neustadt nahtlos weiterzulernen, damit sie ihr Seepferdchen noch in den Ferien schaffen. Lara gehört nicht dazu. Als sie nach zehn Minuten immer noch weinend im Trocknen steht, verlässt ihre Mutter den Steg. Dann wird es ruhig. Lara konzentriert sich. Schließt die Augen. Und springt.

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