zur Navigation springen

Bester Vorleser aus Lulu : Nur mit Unterhose ins Kino

vom

Die Juryentscheidung fiel schnell und war deutlich: Nach nur wenigen Minuten war klar, dass der 12-jährige Friedrich Heiner Menzel aus Perdöhl den Ausscheid des Vorlesewettbewerbs für die Region Ludwigslust gewonnen hat.

svz.de von
erstellt am 29.Feb.2012 | 10:21 Uhr

Ludwigslust | Die Juryentscheidung fiel relativ schnell und war relativ deutlich. Nach nur wenigen Minuten war klar, dass der 12-jährige Friedrich Heiner Menzel aus Perdöhl, der die Klasse 6a der Regionalschule des Gymnasialen Schulzentrums Wittenburg besucht, den regionalen Ausscheid des Vorlesewettbewerbs für die Region Ludwigslust gewonnen hat. Daran hatten am Montagnachmittag im Rathaussaal des Ludwigsluster Rathauses insgesamt elf Vorleserinnen und Vorleser der Klassenstufe 6 teilgenommen - sie hatten sich zuvor als die jeweiligen Schulsieger für diese zweite Runde qualifiziert. Neben Menzel dabei waren Simon Lotz und Raphael Klein (Ludwigslust), Richard Gubalke (Wittenburg), Julie Marie Grünwald (Grabow), Jan Hohmann (Lübtheen), Sara Lohrenscheit (Boldena), Sophie Herstein (Pampow), Nathalie Abraham (Kummer) und Pauline Lindenberg (Hagenow) sowie Denise Wulff (Redefin).

Wie Bibliothekarin Manuela Gawlick ihnen und ihren Eltern und Geschwistern, Lehrern oder anderen Begleitern zu Beginn noch einmal erläuterte, werde das Los entscheiden, wer beginnt. Danach sollten die Schüler vorn Platz nehmen und sich kurz vorstellen. "Bevor ihr mit eurem eingeübten Text circa 3 bis 5 Minuten beginnt, nennt ihr bitte Titel und Inhalt des Buches und versucht, uns kurz etwas über den Inhalt des Buches zu erzählen." Und so geschah es denn auch. Die Auswahl der Bücher, aus denen die elf Schulbesten vorlasen, reichte von gleich zwei Mal Cornelia Funke - "Geisterritter" und "Reckless" über "Rebella - eine Liebe in Paris" bis zu "Sternentänzer. Das Rätsel um den weißen Hengst" und "Andere Länder - andere Küsse". Und ganz im Sinne der Spielregeln, wonach der Vorlesewettbewerb ein Wettbewerb miteinander und nicht gegeneinander sein sollte, bei dem jeder Teilnehmer gewinnt, wurde jeder Vorleser mit viel Aufmerksamkeit und Beifall nach seinem Auftritt bedacht - auch wenn sich schon im ersten Teil wohl für die meisten Zuhörer im Rathaussaal mehrere oder sogar ein Favorit abzeichneten.

Nach einer kleinen Pause stand dann nicht mehr das selbst ausgesuchte Buch und die gut präparierte Textpassage auf der Tagesordnung, sondern ein von Manuela Gawlick ausgewähltes Buch und die ebenfalls von ihr bestimmten Lesestellen. Die Bibliothekarin hatte sich für die aus dem Dänischen übersetzte, humorvolle Lebens- und Liebesgeschichte "Chaot, 13, sucht normales Leben" von Søren Würtz entschieden und damit eine hör- und sichtbare gute Wahl getroffen.

Vorleser und Publikum gleichermaßen amüsiert

Sowohl die Vorleser als auch das Publikum amüsierten sich kräftig über die kleinen Hindernisse, die sich den Annäherungsabsichten des 13-jährigen Theo entgegenstellten, der sich in Greta aus seiner Klasse verknallt und sich endlich mit ihr fürs Kino verabredet hat. Doch da passiert es: Seine Hose bleibt in der Fahrradkette hängen und er muss in Unterhose ins Kino gehen. Sicherlich wird auch der eine oder andere Besucher des regionalen Vorlesewettbewerbs in den nächsten Tagen und Wochen zu diesem lustigen Buch greifen, welches übrigens das erste Jugendbuch des ausgebildeten Juristen ist. Und auch in dieser zweiten Runde überzeugte Friedrich Heiner Menzel Publikum und Jury am meisten, so dass er zu Recht mit dem 1. Platz und mit der Einladung zum Landesentscheid ausgezeichnet wurde. Dieser findet im Mai statt. Alle anderen Teilnehmer waren 2. Sieger. Sie erhielten alle eine Urkunde und ein Buch - und zwar "Fennymores Reise oder wie man Dackel im Salzmantel macht" von Kirsten Reinhardt. In der ersten Runde hatte der Sieger übrigens einen kämpferischen Ausschnitt aus dem Kinderroman "Geisterritter" von Cornelia Funke gelesen.

Was hat die Jury eigentlich bewertet?

Der Vorlesewettbewerb, der schon seit 1959 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Zusammenarbeit mit Buchhandlungen, Bibliotheken, Schulen und sonstigen kulturellen Einrichtungen veranstaltet wird, soll im Sinne einer Leseförderung ohne Stress vor allem eines machen - Spaß. Im Mittelpunkt stehen der unbefangene Umgang mit Büchern und die Begegnung mit Geschichten und Abenteuern. Die Kinder können das gemeinsame Lesen als Vergnügen erleben.

Dennoch brauchen ein solcher Wettbewerb und seine Jurys natürlich Bewertungskriterien. Dazu gehören die Lesetechnik, die Textgestaltung und bei den zu Hause oder auch in der Schule vorbereiteten Wunschtexten das Textverständnis. Einen guten, brauchbaren Ratschlag gibt Teilnehmern und Jurymitgliedern außerdem der Schauspieler und Hörbuchsprecher Rufus Beck mit auf den Weg: "Gutes Vorlesen ist eben, wenn sich keiner langweilt." Und genau diesen Eindruck konnte man bei den beiden Vorleserunden vom späteren Ludwigsluster Regionalsieger haben. Jetzt bereitet er sich auf die nächste Runde vor. Und egal wie weit er dort kommt, bietet sich die Frage an, ob Friedrich nicht der Jury des nächsten Jahrgangs angehören sollte.

Außerdem wäre es vielleicht eine Idee, mehr junge Leute derselben Altersgruppe wie der Vorleser zum Regionalausscheid einzuladen. Während sich die einen in der Kunst des genießenden Vorlesens üben, könnten sich die anderen in der Kunst des genießenden Zuhörens üben - gleichsam ein doppeltes Vergnügen. Aber zurück zum aktuellen Jahrgang. Das Bundesfinale der Landesbesten findet am 13. Juni 2012 in Frankfurt am Main statt. Viele weitere Informationen zum 53. Vorlesewettbewerb sind im Internet unter www.vorlesewettbewerb.de zu finden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen