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Ludwigsluster Tageblatt

18. Dezember 2017 | 15:27 Uhr

Eldena : Nur ein Muttertier hat überlebt

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Vermutlich Wolfsattacke auf Schafherde an der Alten Elde. Hof Kiebitzberg beklagt 15 gerissene Tiere. Herde war unzureichend gesichert

svz.de von
erstellt am 31.Aug.2017 | 20:45 Uhr

Drei Wochen nach der Wolfsattacke auf einen Jungochsen in Niendorf an der Rögnitz sind in der Nacht zu Donnerstag in Eldena 15 Schafe vermutlich von einem oder mehreren Wölfen gerissen worden. Die Nachbarin der für die Schafe zuständigen Biolandwirte hatte die toten Tiere am Vormittag bei ihrem täglichen Spaziergang auf dem Damm an der Alten Elde entdeckt. Auf der Wiese an einem Wassergraben liegen 15 tote Schafe. Die meisten haben durchbissene Kehlen, nur zwei Tiere sind vermutlich komplett gefressen worden. Biolandwirtin Heike Pasemann, die sofort auf die Weide eilt, findet im Schilf die Lämmer. „Sie waren völlig verstört und bewegungslos. Wie in einer Schockstarre.“ Mit einem Helfer bringt sie die Jungtiere im Hänger von der Weide. Ein Mutterschaf ist so stark verletzt, dass es wenig später mit einem Bolzenschuss getötet werden muss. „Mit zwei oder drei toten Tieren hätte ich noch umgehen können“, sagt die Landwirtin. „Aber fünfzehn. Das ist eine Zahl, die uns alle schockt. Wir hatten so gehofft, verschont zu bleiben.“ Ihr Mann Michael Pasemann, mit dem sie gemeinsam den Biohof Kiebitzberg in Altona bewirtschaftet, ist aufgebracht. „Das hier sieht danach aus, als wären die Schafe im Blutrausch getötet worden“, sagt er. „Als hätte hier jemand Lust am Töten.“ Das Wort „Wolf“ will er nicht in den Mund nehmen, solange nicht der genetische Beweis vorliegt. „Aber ich sage nur, die Gegend hier ist ein Anglerparadies und der Damm ein regelrechter Kinderwanderweg...“

Vor etwa zwei Jahren waren keine zwei Kilometer entfernt schon einmal vier Schafe gerissen worden. Wolfsbetreuer Volker Demmin aus Dömitz erinnert sich gut. Der betroffene Schäfer hatte damals die Tiere unzureichend umzäunt. Auch auf der Weide von Pasemanns erkennen die beiden hinzugerufenen Wolfsbetreuer und Rissgutachter Volker Demmin und Paul Neumann gestern Nachmittag auf den ersten Blick, dass die Umzäunung nicht die Kriterien für die Entschädigungszahlungen erfüllt. Mit Zollstock und Fotoapparat dokumentieren sie die fehlende Zaunhöhe. Maschendrahtzäune müssen mindestens 120 Zentimeter hoch sein. Dazu kommt, dass die Weide an einer Seite ungesichert an einen Wassergraben grenzt. „Da gehen die Schafe nicht weiter“, sagt Heike Pasemann. Wölfe aber scheuen das Wasser nicht.

Ob ein oder mehrere Wölfe Mittwochnacht auf der Weide waren, werde man mit Gewissheit erst in zwei Wochen sagen können. Dann sollten die Ergebnisse der genetischen Untersuchungen vorliegen. Die Rissgutachter haben gestern den Speichel aus den Bisswunden mit Tupfern in Tüten gesichert. Gut möglich, dass im Falle einer Wolfsattacke zum ersten Mal genetische Spuren der Fähe des Kalisser Rudels gefunden werden. „Die Jungwölfe vom Mai dieses Jahres sind jetzt groß“, sagt Wolfsbetreuer Volker Demmin. „Ihnen reicht die Milch nicht mehr.“ Um so wichtiger sei es, in einem ausgewiesenen Wolfsgebiet den geforderten Grundschutz für Nutz- und Haustierarten einzuhalten. Landwirt Michael Pasemann überzeugt das wenig: „Wenn Wölfe hungrig sind, dann halten sie keine Zäune vom Fressen ab.“ Der sicherste Ort für seine Soay-Lämmer sei jetzt der Hof Kiebitzberg. Direkt neben dem bewohnten Haus gelegen und bewacht von Hunden.

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