Neuer Arzt in Dömitz : Nomade aus freien Stücken

Dr. med. Albert Wittine arbeitete nach London, Australien & Irland nun in Dömitz

svz.de von
28. Oktober 2009, 05:00 Uhr

Ihn kann man getrost einen modernen Nomaden nennen. Denn er hat bisher nicht nur in Australien, Irland, den USA und Großbritannien gearbeitet, sondern auch in Afrika. Die Rede ist von Dr. med. Albert Wittine, einem Allgemeinmediziner in Dömitz, der den seit etwa 30 Jahren alteingesessenen Dr. Werner Schuhmann, der in den wohlverdienten Ruhestand getreten ist,  beruflich „beerbt“ hat.

<p>Dr. med Albert Wittine hat weltweit praktiziert. Nach zehn Jahren London arbeitet er nun in Dömitz als Allgemeinmediziner.</p>
Thorsten Meier

Dr. med Albert Wittine hat weltweit praktiziert. Nach zehn Jahren London arbeitet er nun in Dömitz als Allgemeinmediziner.

„Ich hatte von England genug. Denn die Veränderungen, die sich  im britischen Gesundheitswesen abspielen, sind recht problematisch. Man zerstört den Familiendoktor und tauscht ihn gegen sogenannte Working-Center aus. Die Patient-Arzt-Beziehung bleibt dabei immer mehr auf der Strecke“, erklärt Dr. med Albert Wittine seinen Weggang aus London. Dort hat der 56-Jährige die letzten zehn Jahre praktiziert, bevor es ihn  in die Elbestadt Dömitz verschlug. Dieser berufliche Rückzug aus dem Königreich  sei der Liebe zu seiner Tochter geschuldet, die in Berlin Medizin und klinische Psychologie studiere. „Ich wollte einfach in ihrer Nähe arbeiten und so hat sich Dömitz wunderbar für mich gefügt“, berichtet der Allgemeinmediziner weiter, der als gebürtiger Pforzheimer in Köln studiert, seine Facharztausbildung in Leverkusen absolviert und danach 15 Jahre eine Praxis im Westerwald geführt habe.

„Meine Frau, die ich in Spanien kennen lernte, ist Krankenschwester,  stammt aus London und ist derzeit für ein paar Wochen in Afrika. Jedes Wochenende, wenn ich nicht gerade für den Notdienst eingeteilt bin, düse ich sonst nach England rüber“, erzählt Wittine, der in Klein Schmölen wohnt und dessen Vater ein gebürtiger Amerikaner ist.

 „Ich habe auch zwei Jahre in New York bei meiner Großmutter gelebt. Das ist schon eine irre Stadt“, berichtet der Arzt weiter. Aber auch Dömitz gefalle ihm. „Ich finde die Leute hier toll. Sie sind nett, zugewandt, offen und mit einem sehr eigenen Humor ausgestattet. Man muss auf die Menschen hier zugehen können“, erklärt Wittine, dessen Patienten beispielsweise aus Dömitz, Heiddorf, Rüterberg und Umgebung sowie von Eldena, Dannenberg und Schmölen anreisen, um sich von ihm behandeln zu lassen. Oder von dem Mediziner bei Hausbesuchen, von denen täglich etwa zehn im Durchschnitt anstehen, betreut zu werden.

„Zu den absoluten Pluspunkten des deutschen Gesundheitssystems gehören eine patientenorientierte Versorgung mit kurzen Wartezeiten und freier Arztwahl“, lobt der Fachmann, kritisiert aber gleichzeitig auch das verbürokratisierte System in Deutschland. „Das ist sogar noch schlimmer geworden im letzten Jahrzehnt und sorgt für eine gewisse Unbeweglichkeit in der Branche. Ärzte aus anderen Ländern zu holen, um den Mangel hierzulande zu stoppen, ist nach meinem persönlichen Dafürhalten keine Lösung. Um eigenen  medizinischen Nachwuchs zu bekommen, muss man elf Jahre warten können, denn solange dauert es in etwa in Deutschland, bis eine Arzt mit der Ausbildung fertig ist und eine eigenen Praxis eröffnen kann.“ Dann erzählt Wittine von den besonders gut qualifizierten wie engagierten Krankenschwestern in England, die sich sogar selbst mit eigener Praxis niederlassen dürfen. „Man muss auch in Deutschland neue Wege gehen. Denn ich habe im Ausland vieles gesehen, was ich bis dato nicht für möglich hielt und was dennoch funktioniert hat, um sich innerhalb des Systems zu qualifizieren.“

Ob Dömitz nun End- oder auch nur  eine weitere Zwischenstation in seinem Berufsleben sein wird, vermag Albert Wittine nicht zu beantworten. Wohl auch, weil ihn diese fremden Kulturen, in denen er bisher lebte und die ihn auch ein Stück geprägt haben,  nie loslassen werden, sagt er dann doch: „Die Ruhelosigkeit wird mich so bald nicht verlassen. Ich komme immer wieder in der Fremde heim“. Aber wo ist er als Kosmopolit aus freien Stücken denn wirklich zuhause? Die Antwort fällt eher kitschig aus – oder ist es nur dieser Hauch von philosophisch-poetischem Überschwang, der ihn mitunter im Gespräch umgibt? „In den Gesichtern der Menschen, die ich liebe.“

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