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Malliss : Noch unterschätzt - Wasserweg in die Müritz

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Das touristische Werbekonzept entlang der Elde wird seit Jahren stiefmütterlich behandelt. Das soll sich jetzt ändern.

von
erstellt am 19.Jul.2017 | 12:00 Uhr

Tourismus im Landkreis, da waren bisher vor allem die Radwanderer und Biosphärenbesucher im Blickpunkt. Unterschätzt und wohl auch in Teilen vernachlässigt wurden die Bootsfahrer und Wasserwanderer – vor allem an der Müritz-Elde-Wasserstraße. Dieses Blaue Band von der Elbe bis in die Müritz wurde in den vergangenen Jahren in Sachen Vermarktung oft sich selbst überlassen und kaum noch beworben. Nachdem nun vor allem aus Plau am See Warnsignale kamen, soll sich einiges ändern. Die Wirtschaftsförderung des Landkreises hat die Zügel in die Hand genommen und will eine Kehrtwende einläuten.

Norbert Vormelker vom Tourismusverband Mecklenburg-Schwerin kennt die Probleme. „Bis vor zwei Jahren hatten wir noch jemanden, der sich nur um die Bewerbung der Wasserstraße gekümmert hat. Seitdem es diese Stelle nicht mehr gibt, ist vieles eingeschlafen, und nicht wenige Touristiker an dieser Wasserstraße fühlen sich als Einzelkämpfer.“

Expertenrunde nahe der Mallisser Schleuse: Burkhard Thees, Berit Stein, Norbert Vormelker und Campingplatzbetreiber Volker Sielaff (v.l.) machen sich Gedanken über die Zukunft der Wasserstraße.
Expertenrunde nahe der Mallisser Schleuse: Burkhard Thees, Berit Stein, Norbert Vormelker und Campingplatzbetreiber Volker Sielaff (v.l.) machen sich Gedanken über die Zukunft der Wasserstraße.
 

Volker Sielaff, Bürgermeister von Malliß und Betreiber des bei Bootsfahrern fast schon legendären Campingplatzes „Am Wiesengrund“, ist mit seiner Frau und seinem Team so ein Einzelkämpfer. Er selbst könne nicht klagen, seine Zahlen seien nicht zurückgegangen. Er lebe aber zu einem ganz großen Teil von der Mund-zu-Mund-Propaganda. Norbert Reier, Bürgermeister der Stadt Plau am See, sieht das anders und beklagte bei der ersten Sitzung mit der Wirtschaftsförderung bei sich einen massiven Rückgang der Nutzerzahlen von bis zu 35 Prozent. Seine Forderung: „Wir müssen den Wassertourismus gemeinsam weiterentwickeln, uns besser aufstellen und das Marketing intensivieren.“

Das hat seit Jahren de facto kaum noch stattgefunden. Auf den entsprechenden Messen wurde nicht mehr geworben, nur der regionale Tourismusverband, der unglücklicherweise im fernen Schwerin sitzt, hielt mit seinen Karten dagegen. Burkhard Thees, u.a. auch Amtsvorsteher im Amt Dömitz/Malliß, sieht das nicht anders. „Es gibt zu viel Flickwerk hier und keine einheitliche Linie. Und dann fehlen uns die Schleusenwärter, das waren früher die heimlichen Touristenführer.“

Selbstbedienung ist bei den meisten Schleusen angesagt, viele Bootsfahrer haben dennoch ein mulmiges Gefühl.
Selbstbedienung ist bei den meisten Schleusen angesagt, viele Bootsfahrer haben dennoch ein mulmiges Gefühl.
 

So schön die Fahrt auf dem Blauen Band ist, so mühsam ist es auch, die 120 Kilometer von der Elbe zum Plauer See zu fahren. Exakt 17 Schleusen liegen dazwischen, die meisten sind automatisiert. Und da nur von 9 bis 19.45 Uhr geschleust wird und man nur sechs Stundenkilometer schnell sein darf, braucht man schon mehr als zwei Tage von der Elbe bis zu den Seen. Nicht hilfreich waren auch Pläne, diese Bundeswasserstraße herabzustufen. Das ist zwar inzwischen vom Tisch, doch viele Bootsfahrer wissen davon noch nichts, wie Familie Fricke aus dem Alten Land als Gast in Malliß bestätigt. Sie haben dieses idyllischen Fleck am Eldekanal nur gefunden, weil sie in alten Karten intensiv danach gesucht hatten.

Zwar ist längst nicht alles im Argen, so gibt es entlang der Straße mit einer Wassertiefe von 1,20 schon sehr viele Informationstafeln, doch einiges ist nicht mehr auf dem neuesten Stand. Geändert haben sich in den vergangenen Jahren vor allem die Kundenwünsche. Die Vermietung von Booten, die an den großen Seen hervorragend läuft, gibt es hier so gut wie nicht. Die erste Generation, die nach der Wende noch mit eigenem Boot kam, die fährt heutzutage nicht, weil sie kein Boot mehr hat. Dazu kommen andere Probleme, nicht überall sind die Campingplätze gut, eine Wassertankstelle gibt es nicht, es wird weiter mit Benzinkanistern „geplempert“. Paddler haben es auch schwer. Früher konnten sie die Schleusen noch gut umtragen. Heute sind diese alten Wege oft verschlossen und die Stege hoch. Die Paddler kommen kaum an Land. Berit Steinberg, die Chefin der kreislichen Wirtschaftsförderung, hat mit ihrem Vorstoß, das Blaue Band wieder dauerhaft in das Licht der Öffentlichkeit zu rücken, offene Türen eingerannt. Bereits am 26. Juli soll es in Ludwigslust die nächste Runde geben. Ein wichtiger Ansprechpartner wird dabei das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Lauenburg sein, das für die technischen Fragen zuständig ist.

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