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Ludwigslust : Noch einmal etwas ganz Neues versuchen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Bundesfreiwilligendienst gibt Jennifer Langer die Chance, sich beruflich umzuorientieren – schon jetzt weiß sie, dass sie auch weiter mit Behinderten arbeiten will

svz.de von
erstellt am 20.Jul.2017 | 06:00 Uhr

Jennifer Langer hat einen Beruf erlernt, der toll klingt: Staatlich geprüfter Sportassistent. „Als ich die Ausbildung anfing, hatte man mir versprochen, dass ich die Trainerlizenz fürs Reiten machen kann – denn ich wollte anschließend unbedingt in den Pferdestall“, erzählt die heute 27-Jährige. Schon immer sei sie gern geritten, lange hatte sie sogar ein eigenes Pferd. Doch aus dem Traum, diese Passion zum Beruf zu machen, wurde nichts. Zwar konnte sie während der Ausbildung verschiedene Trainerlizenzen erwerben, die fürs Reiten gehörte aber nicht dazu. Ihren Abschluss machte Jennifer Langer dennoch. „Es ist nicht meine Art, einfach aufzugeben“, meint sie.

Nach der Ausbildung probierte sie sich in ihrem Beruf in einem ambulanten Reha-Zentrum aus – dann wurde sie schwanger. „Nach der Elternzeit hatte ich zwar auch noch Vorstellungsgespräche und war auch Probearbeiten im Pferdestall – aber letztlich hätte ich das von den Arbeitszeiten her mit Kind nicht auf die Reihe gekriegt.“

Was also tun? Jennifer Langer beschloss, sich noch einmal völlig neu zu orientieren. „Im Reha-Zentrum hatte mir die Arbeit wirklich Spaß gemacht. Ich bin sozial, gehe offen auf Menschen zu – daraus müsste doch etwas zu machen sein, dachte ich mir.“ Um auszutesten, ob sie damit richtig liegt, entschloss sich Jennifer Langer zu einem Bundesfreiwilligendienst.

Dass sie vom Paritätischen Wohlfahrtsverband an die Lewitz Werkstätten verwiesen wurde, nahm sie als gutes Ohmen – „schließlich kannte ich mich dort schon von der Ferienarbeit aus.“ Auch ihre Mutter arbeitet dort – das allerdings erzählt Jennifer Langer nur ungern, denn sie möchte allein ihren Weg gehen.

Vorerst bis Ende Januar betreut die junge Frau nun zusammen mit einem erfahrenen Kollegen in der Fertigungsgruppe 13 Frauen und Männer mit Behinderungen. Unter geschützten Bedingungen, aber doch wie in einer richtigen Werkstatt, werden dort Aufträge für Unternehmen und Institutionen ausgeführt. „Zurzeit arbeiten wir für Melitta und verpacken Filtertüten.“ Zuvor hätte ihre Gruppe Farbfächer und Zugbänder für Markisen hergestellt, auch Küvetten für Labore standen schon auf den Werkstatt-Tischen. „Es ist wirklich abwechslungsreich“, findet Jennifer Langer.

Dass in ihrer Gruppe mehr Männer als Frauen arbeiten, ist für sie kein Problem: „Schon als Mädchen war ich fast nur mit Jungs zusammen, zu Hause war ich das einzige Mädchen, und auch draußen hab ich fast nur mit Jungs gespielt, da hab ich gelernt, mich durchzusetzen.“ Behinderten gegenüber sei das aber schon etwas schwieriger, gesteht die couragierte junge Frau. Ihr Rezept in der Werkstatt ist eine Mischung aus Resolutheit und Respekt – oder wie sei es selbst nennt „strenge Liebe“. Auf jeden Fall dürfe man die Behinderten nicht unterschätzen: „Wenn man mit ihnen diskutiert, merkt man nämlich, dass auch sie sich um vieles Gedanken machen, dass einiges hinter dem steckt, was sie sagen.“

Jennifer Langer ist für die Männer und Frauen ihrer Werkstattgruppe Trösterin, Zuhörerin und Chefin in einem. Und das gefällt ihr. Zumal: „Man bekommt so viel Dankbarkeit zurück“, betont sie.

Ginge es nach ihr, würde die Schwerinerin deshalb gern dauerhaft in den Lewitz Werkstätten arbeiten. Ein erster Schritt wäre, dass ihr Freiwilligendienst Anfang 2018 um ein halbes Jahr verlängert wird – „bisher sind alle hier mit mir und meiner Arbeit zufrieden“, macht sie sich Hoffnung darauf, dass das klappen könnte.

Später würde sie dann gerne umschulen: zur Geprüften Fachkraft zur Arbeits- und Berufsförderung in Werkstätten für behinderte Menschen. „Das würde das Arbeitsamt finanzieren, aber erst, wenn man bereits zwei Jahre lang mit Behinderten gearbeitet hat“, hat Jennifer Langer in Erfahrung gebracht. Sollte sie auch diese Hürde nehmen, steht auch der Erfüllung ihres größten Wunsches nichts mehr im Wege: ein Häuschen für ihre Tochter, ihren Partner und sich – und auf dem Grundstück genug Platz für ein eigenes Pferd.

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