Brenz : Niemand darf ausgegrenzt werden

Irmgard Rumstich wird auch künftig für ihr Dorf da sein.
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Irmgard Rumstich wird auch künftig für ihr Dorf da sein.

74-jährige Irmgard Rumstich blickt auf fünf erfolgreiche Jahre als stellvertretende Bürgermeisterin von Brenz zurück

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11. März 2014, 07:00 Uhr

Für Irmgard Rumstich ist Brenz längst „ihr“ Dorf geworden, auch wenn sie genau genommen eine Zugezogene ist. Wenn die Seniorin in Kürze ihr Amt als stellvertretende Bürgermeisterin abgibt, kann sie voller Stolz auf fünf erfolgreiche Jahre zurück blicken.

Ursprünglich stammt Irmgard Rumstich aus Halle/Saale. Über Berlin und Neustadt-Glewe kam sie 1994 nach Brenz. Und ließ sich zur Kommunalwahl 2009 überreden, für die Wählergruppe „Freie Wähler“ als Kandidatin zur Gemeindevertretung anzutreten. „Einwohner baten mich um Hilfe“, erinnert sich Irmgard Rumstich. „Es ging um die Errichtung einer zentralen Abwasseranlage im Dorf. Die Mehrheit war dagegen, wie ich übrigens auch. Ich sollte diesen Stimmen ein größeres Gewicht verleihen.“

Offenbar setzten ihre Unterstützer auf das Durchsetzungsvermögen Irmgard Rumstichs, das sie ohne Zweifel besitzt. Wobei ihr auch die Erfahrungen als Justitiarin im ehemaligen Lederwerk zugute kamen. Wie auch immer: Sie fuhr im Januar 2009 nach Schwerin zu Ministerpräsident Erwin Sellering. Ich wollte ihn überzeugen, dass Brenz keine zentrale Abwasseranlage brauche. Besser wäre es, wenn die Häuser eigene Anschlüsse hätten. Es gab damals bereits Anlagen, die Abwasser in Brauchwasser umwandeln konnten, das dann für die Bewässerung des eigenen Gartens genutzt werden konnte.“

Die Zeit reichte damals nicht mehr, den Bau der zentralen Anlage zu verhindern. Doch die Brenzer belohnten das Engagement Irmgard Rumstichs. Sie erhielt bei der Kommunalwahl wenige Wochen später innerhalb der „Freien Wähler“ hinter dem heutigen Bürgermeister Henry Topp die meisten Stimmen und wurde in die Gemeindevertretung gewählt. „An der konstituierenden Sitzung konnte ich nicht teilnehmen, weil ich im Urlaub in Skandinavien war“, erzählt Irmgard Rumstich. „Als ich wieder zuhause war, erfuhr ich, dass ich zur stellvertretenden Bürgermeisterin gewählt worden war.“

Vergebens war ihr Einsatz gegen die zentrale Abwasseranlage damals nicht, glaubt Irmgard Rumstich: „Man kann über das Für und Wider streiten. Aber die Sache hatte dennoch ein Nachdenken zur Folge , so dass inzwischen in vielen Orten eine andere Lösung gefunden wurde.“

In den folgenden Jahren entwickelte sich Brenz auch dank Irmgard Rumstich zu einem immer schöneren Dorf. Die Gemeinde wurde in das Dorferneuerungsprogramm aufgenommen, Straßen und Gehwege saniert, neue Gewerbe kamen. Entschieden setzte sich Irmgard Rumstich dafür ein, dass die Elternbeiträge für die Kita nicht steigen. „Wir hätten sie weisungsgemäß erhöhen können, haben es aber nicht getan“, sagt sie. Schließlich sind die Kinder auch die Zukunft für unser Dorf.“ Persönlich legt Irmgard Rumstich auch viel Wert auf die Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde. „Es gibt auf dem Friedhof nur eine Kirche, aber keine Feierhalle. Wir haben mit der Pastorin vereinbart, dass in der Kirche auch weltliche Trauerfeiern stattfinden können. Andererseits kann die Kirche auch unsere sanierte ,Alte Schule‘ für Veranstaltungen nutzen. Nirgendwo, schon gar nicht in kleinen Orten wie Brenz, kann man es sich leisten, Menschen auszugrenzen.“

Irmgard Rumstich wird zur Kommunalwahl im Mai nicht mehr antreten. Sie möchte sich um ihren Mann kümmern, dem es gesundheitlich nicht so gut geht. „Und zum Ende der nächsten Legislatur wäre ich dann ja schon 80“, sagt sie. Bürgermeister Henry Topp lobt seine Stellvertreterin: „Die Zusammenarbeit war hervorragend. Sie hat mir mit ihrer Erfahrung und ihrem Engagement viel Arbeit abgenommen.“

Für ihr Dorf wird Irmgard Rumstich aber auch künftig da sein. So als Ortschronistin. 16 Ordner zum Thema „Unser Brenz gestern und heute“ hat sie schon mit Fotos und Dokumenten gefüllt.

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