zur Navigation springen
Ludwigsluster Tageblatt

23. Oktober 2017 | 21:10 Uhr

Ludwigslust : Nie zu alt für ein Saxofon-Solo

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Doris Bachmann erlernte das Instrument erst als Rentnerin und steht damit auf der Bühne

von
erstellt am 05.Jan.2017 | 07:13 Uhr

Wer Doris Bachmann auf der Bühne sieht, kann dem Volksmund nicht mehr glauben. Zumindest nicht der Weisheit „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“. Die Musikerin aus Blücher spielt Saxofon in der Lulu Big Band der Kreismusikschule Ludwigslust-Parchim und als Solistin, als hätte sie in ihrem Leben nichts Anderes getan. Dabei hat sie das Holzblasinstrument erst als Rentnerin für sich entdeckt – nachdem sie mehr als vier Jahrzehnte lang gar keine Musik gemacht hatte. Erst im Ruhestand kam sie zurück zur Musik.

„Ich hatte ein sehr intensives Berufsleben und fragte mich, was ich nun machen könnte“, erzählt Doris Bachmann, die damals gerade von Berlin nach Blücher bei Boizenburg gezogen war. Sie fing an zu malen, besuchte auch einen Malzirkel. „Aber ich merkte, dass das für mich nicht das Richtige ist. Ich wollte mehr mit anderen Menschen zusammen sein.“ Im Internet stieß sie auf den Lauenburger Musikkreis und begann, dort Bassflöte zu spielen. „Flöte und Klavier hatte ich als Kind schon gespielt“, erzählt die 74-Jährige. „Und als mich der Leiter dort fragte, ob ich auch Bassflöte spielen könnte, habe ich einfach ,Ja’ gesagt. Dabei wusste ich gar nicht, dass es so etwas gibt.“ Sie kaufte sich das Instrument und übte. Wenig später stand sie damit auf der Bühne. Irgendwann wurde die Musikerin – inzwischen auch Mitstreiterin in der Bigband des Musikkreises – gefragt, ob sie nicht Saxofon spielen möchte. „Spontan lehnte ich ab, weil ich zu diesem Instrument so gar keine Beziehung hatte“, sagt Doris Bachmann. „Aber dann entschloss ich mich doch dazu, rief gleich bei der hiesigen Kreismusikschule an und bekam einen Platz bei Nikolai Kern.“

Als Musikschülerin in höherem Alter ist Doris Bachmann nicht allein. Derzeit werden an der Kreismusikschule rund 60 Schüler unterrichtet, die älter als 60 Jahre sind. 233 Eleven sind zwischen 26 und 60. „Grundsätzlich kann in jedem Alter mit dem Erlernen eines Instruments begonnen werden“, erklärt Musikschul-Sprecherin Sylvia Wegener. „Dafür ist man nie zu alt.“ Egal, ob jemand seine Kenntnisse nach längerer Pause auffrischen will, ein weiteres Instrument erlernen möchte oder völliger Neuling ist. Gerade für berufstätige Schüler seien die Schnupperkurse geeignet. „Man vereinbart acht Unterrichtseinheiten, um sie dann nach individueller Absprache mit dem Fachlehrer zu absolvieren“, so Sylvia Wegener. „Die Erfahrungen zeigen, dass ältere Menschen ein Instrument in der Regel genauso schnell erlernen wie Kinder.“ Was Kinder ihnen möglicherweise an Auffassungsgabe und Beweglichkeit voraushaben, würden erwachsene Schüler durch Ehrgeiz und Motivation ausgleichen. Sylvia Wegener: „Beispiele dafür gibt es an der Musikschule viele: Doris Bachmann ist eines davon.“

Von 2003 an nahm Doris Bachmann rund acht Jahre lang Saxofon-Unterricht und landete schnell auch in der Lulu Big Band der Kreismusikschule „Johann Matthias Sperger“. Ist es schwer, als Rentnerin ein Instrument zu erlernen? Darüber habe sie sich nie Gedanken gemacht. „Mir kam es gar nicht in den Sinn, dass ich es aufgrund meines Alters vielleicht nicht hinbekomme. Ich spiele einfach, es macht Spaß und gut.“ Natürlich habe sie intensiv geübt, damals täglich zum Saxofon gegriffen. „Es war auch nicht ganz einfach, weil ich mit solcher Musik vorher gar nicht in Berührung gekommen war“, so Doris Bachmann. Aber sie hat es geschafft, steht jetzt nicht nur in der Lulu Big Band, sondern auch als Solistin auf der Bühne – bei Geburtstagen, Weihnachtsfeiern, Ausstellungseröffnungen… Und auch wenn man es ihr nicht ansieht – „ich habe furchtbar Lampenfieber“, verrät die Mutter zweier erwachsener Kinder. „Aber wenn ich mir hinterher sagen kann, dass ich gut war, macht mich das glücklich.“ Fehler, selbst wenn das Publikum sie nicht bemerkt hat, ärgern sie furchtbar. „Aber ich bin froh, ein Hobby gefunden zu haben, mit dem ich anderen eine Freude machen kann.“

In der Lulu Big Band sind Musiker zwischen etwa zwölf und über 60 Jahren vereint. Doch eine Rolle spielt das Alter nicht. „Ich bin das 1. Alt-Saxofon, ein Instrument von vielen“, sagt Doris Bachmann. „Ich bin dort keine Oma, sondern Schülerin und werde vom Leiter genauso auf Fehler hingewiesen wie alle anderen.“ An diesem Sonnabend könnte das wieder passieren. Die Musiker der Lulu Big Band treffen sich in Ludwigslust zum Workshop, um an ihrem Programm für das Konzert am Sonntag (17 Uhr im Zebef) zu feilen. Doris Bachmann übt schon dafür. Im Unterricht an der Musikschule befasst sie sich allerdings nicht mehr mit dem Saxofon. Dort spielt sie jetzt Klavier. 
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen