zur Navigation springen
Ludwigsluster Tageblatt

24. Oktober 2017 | 07:40 Uhr

Ludwigslust : Neustart im Traditionsgeschäft

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Karl-Heinz Winkelmann hat eine Nachfolgerin gefunden. Jacqueline Fey aus Setzin hat Zweiradwerkstatt und Laden übernommen.

von
erstellt am 06.Jul.2016 | 07:00 Uhr

Eine Hürde, vor der viele Unternehmer kurz vor dem Ruhestand stehen, hat Karl-Heinz Winkelmann bereits genommen. Er hat für seine Zweiradwerkstatt und sein Geschäft einen Nachfolger – besser gesagt eine Nachfolgerin – gefunden. Damit kann in der Lindenstraße eine Tradition fortgeführt werden, die bereits vor 77 Jahren begann. Und Jacqueline Fey, die neue Geschäftsinhaberin, erfüllt sich ihren Traum von der Selbstständigkeit.

Jacqueline Fey und Karl-Heinz Winkelmann kennen sich schon seit 22 Jahren. Damals hatte die Setzinerin im Geschäft ihre Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau begonnen. „Ich hätte hier auch gleich Zweiradmechanikerin lernen können, aber als Kauffrau ist man auf dem Arbeitsmarkt einfach flexibler“, begründet die 37-Jährige ihre damalige Entscheidung.

Und auch Karl-Heinz Winkelmann kann sich noch gut an die erste Begegnung erinnern: „Ausschlaggebend war ihr Satz im Alter von 15 Jahren: ,Ich kann auch Mopeds reparieren. Da habe ich gedacht, das passt.“ In einem kleinen Betrieb müsse ohnehin jeder alles machen: reparieren, verkaufen, organisieren. „Da habe ich schon während der Ausbildung stark in den Bereich Zweirad-Reparatur hineingeschnuppert“, so Jacqueline Fey. Nach der Lehre wurde sie direkt übernommen „und schon da entstand mein Wunsch, mich irgendwann selbstständig zu machen“. Darauf stimmte sie ihr berufliches Tun und ihre Qualifizierungen im Zweiradbereich ab, darüber sprachen sie und Karl-Heinz Winkelmann immer wieder. Nach einem kurzen beruflichen Ausflug zu einem großen Fahrradhersteller kehrte Jacqueline Fey in das Ludwigsluster Traditionsgeschäft zurück und hat es nun übernommen. Genauso wie den Namen. „Er ist in der Region bekannt und steht für ein Unternehmen, das in dritter Generation erfolgreich geführt wird und eine richtige Nummer im Fahrradbereich ist“, so die Setzinerin.

In den 1930er-Jahren hatte Karl-Heinz Winkelmanns Großvater Karl ein Grundstück in der jetzigen Lindenstraße gekauft und ein Autohaus gebaut. „Als das Geschäft fertig war, war Krieg und mit Autos nichts mehr zu machen“, erzählt Karl-Heinz Winkelmann. Kurz nach dem Krieg übernahm sein Vater das Geschäft und bot Fahrradreparaturen an. „Verkaufen durften Private damals nicht“, so der 67-Jährige. Das änderte sich mit der Wende. Um den Laden vergrößern und selbst Fahrräder verkaufen zu können, kündigte er sofort der Handelsorganisation HO die Geschäftsräume im Haus. „Die Räder habe ich dann jede Woche selbst aus Hannover geholt, weil die Unternehmen gar nicht so schnell liefern konnten, wie wir verkauften“, erinnert er sich. Seit damals hat sich rund ums Fahrrad viel verändert – und es verändert sich weiter. „Automatikschaltungen sind im Kommen und E-Bikes sowieso.“

Eines hat Jacqueline Fey von ihrem Lehrmeister gelernt: „Man muss improvisieren, mit ungewöhnlichen Mitteln ein Problem lösen können“, so die 37-Jährige. „Geht nicht, gibt’s nicht“ – diese Devise will sie beibehalten. Zunächst wird auch Karl-Heinz Winkelmann weiter im Geschäft arbeiten – auch zur Freude der Kunden, die ihre Nähmaschine repariert haben wollen. Wie lange noch? „Ich weiß es nicht“, sagt er. „Meine Mutter hat noch mit Mitte 70 im Laden gestanden. Da ist also noch Luft…“

Am Sonnabend soll die Geschäftsübergabe mit einem Tag der offenen Tür gefeiert werden.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen