Widerstand gegen geplanten Parkplatz an der A24 : Neustadt-Glewe21: Bürgerwehr gegen Rastplatz

Das Präsidium (von links nach rechts): Referent Mario Schönherr von der DEGES, Stadtpräsident Dr. Peter Schletter, Bürgermeister Arne Kröger und Christian Rosenkranz, der Vorsitzende des Neustädter Gewerbevereins und Initiator der Zusammenkunft in der Burg.
Das Präsidium (von links nach rechts): Referent Mario Schönherr von der DEGES, Stadtpräsident Dr. Peter Schletter, Bürgermeister Arne Kröger und Christian Rosenkranz, der Vorsitzende des Neustädter Gewerbevereins und Initiator der Zusammenkunft in der Burg.

Der Bund und das Land haben die gesetzliche Pflicht, für eine ausreichende Zahl an Rastplätzen für Lkw-Fahrer an den Autobahnen zu sorgen. Doch die Bürger haben Angst vor noch mehr Lärm und vor Verlust an Lebensqualität.

von
12. September 2012, 07:32 Uhr

Neustadt-Glewe | Nach gut zwei Dritteln der insgesamt zwei Stunden dauernden Informationsveranstaltung zu einem von Bund und Land an der A24 bei Neustadt-Glewe geplanten Rastanlage war der aus Berlin angereiste Referent, der für Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein zuständige DEGES-Abteilungsleiter Mario Schönherr, zu einer kräftigen Portion Ironie fähig.

Geht hier etwa Vogelschutz vor Menschenschutz?

Den bisherigen Verlauf der Veranstaltung zusammenfassend, sagte Schönherr, er sehe, dass das Interesse an diesem Parkplatz nicht besonders groß sei - und hatte damit zum einen die Lacher auf seiner Seite und zum anderen die derzeitige Interessenlage ziemlich treffend beschrieben. Denn die ganze Angelegenheit ist tatsächlich ziemlich verzwickt: Auf der einen Seite stehen der Bund und das Land und deren gesetzliche Pflicht, für eine ausreichende Zahl an Rastplätzen für Lkw-Fahrer entlang der Autobahnen zu sorgen. Neueste Vorschriften sehen einen durchschnittlichen "Regelabstand" von 15 Kilometern vor, gegenwärtig würden in Mecklenburg-Vorpommern 70 Stellplätze fehlen, wie Schönherr informierte. Die Lösung liegt für die Verantwortlichen im Bundesverkehrsministerium und in den Landesbehörden im Neubau von drei PWC - moderne Parkplätze mit WC und hohem Erholungswert. Einer der drei soll beidseitig am Kilometer 106,4 gebaut werden. Ganz nebenbei bemerkt sollten diese beiden Rastplätze übrigens ausgerechnet Lewitz Süd und Lewitz Nord heißen. Soweit die Sicht von Politik und Planern. Ganz anders, sogar gegensätzlich sieht die Sicht von Stadtvertretung, Stadtverwaltung und von Neustädter Bürgern aus, die zum Teil nur wenige hundert Meter von der geplanten Rastanlage wohnen würden. Wie während der teils heftigen, sich aber nicht zuletzt dank der Versammlungsleitung anständig und respektvoll verlaufenden Versammlung im Remter der Burg mehr als deutlich wurde, haben die Bürger Angst vor noch mehr Lärm und vor Verlust an Lebensqualität. Wie könne man einen solchen PWC eigentlich ausgerechnet in der Nähe eines Wohngebietes und eines Naherholungsgebietes planen, wie man das früher nannte. Auf das Argument des Berliner Gastes, dass die Planer die von Brüssel ausgewiesenen Vogelschutzgebiete berücksichtigen müssten, folgte kaum einen Flügelschlag später die Frage nach "Menschenschutzgebieten". Ob hier Vogelschutz etwa vor Menschenschutz gehe? Gegenargument: Vögel können sich nicht selber schützen. Für Unruhe sorgte auch eine Bemerkung des Referenten, wonach die Lkw-Fahrer einen Anspruch auf Lärmschutz hätten. Wie aber können die Anwohner der Autobahn überhaupt und vor noch mehr Lärm geschützt werden? Ein gesetzlicher Anspruch bestehe nicht, da durch den neuen Parkplatz rein rechnerisch keine "wesentliche Änderung" zu erwarten sei.

Doch auch wenn am Dienstagabend mancher Bürger sogar öffentlich der Meinung war, es sei sowieso schon alles geregelt, dürfte es bis zu einem voraussichtlichen Baubeginn 2014 - wenn der PWC überhaupt gebaut wird - noch heftige Diskussionen geben. Wer kämpft, kann verlieren, wer aber nicht kämpft, der hat schon verloren, heißt es.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen