Ludwigslust : Neues Sozialkaufhaus öffnet seine Türen

Sebastian Hildebrand (l.) und Dirk Chmielowski arbeiten ibeim Sozialkaufhaus Novi-Life im Bereich Transport.   Fotos: Michael Seifert
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Sebastian Hildebrand (l.) und Dirk Chmielowski arbeiten ibeim Sozialkaufhaus Novi-Life im Bereich Transport. Fotos: Michael Seifert

Für Novi-Life erfolgte gestern in den umgebauten Gewerberäumen in der Schweriner Straße 38 der Startschuss/ 25 Leute sind dort über das Jobcenter beschäftigt

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09. Dezember 2014, 07:00 Uhr

Novi-Life ist seit gestern auch in Ludwigslust am Start: In den ehemals verwaisten Räumlichkeiten der früheren Schlecker-Filiale und des Spar-Marktes ist wieder Leben eingezogen. Hier in der Schweriner Straße 38 wurde ein gemeinnütziges Kaufhaus eröffnet. Die Kinder vom Montessori-Kinderhaus Ludwigslust brachten aus diesem Anlass ein kleines Programm.

„Wir freuen uns, hier in Ludwigslust das nunmehr zehnte Sozialkaufhaus unter dem Dach der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter aufzubauen“, sagte Heike Sonntag, die stellvertretende Leiterin der Akademie in Lübeck. Die Um- und Ausbauarbeiten führen Männer und Frauen über AGH-Maßnahmen aus, was Arbeitsgelegenheiten bedeutet. „Sie bauen das Sozialkaufhaus nicht nur auf, sie können hier auch arbeiten und die zukünftigen Kunden betreuen und beraten“, so Heike Sonntag.

„In den letzten gut fünf Wochen wurde hier fleißig gearbeitet, um alles einzurichten“, so Jürgen Suckrau. Der 49-Jährige, der aus Kremmin bei Grabow stammt, aber in Ludwigslust zu Hause ist, hatte während der Umbauphase sozusagen den Hut auf. Er koordinierte die Arbeiten der Leute, die hier künftig arbeiten und alle ihr Handwerk wie Maurer, Maler und Elektriker einmal gelernt hatten. Jürgen Suckrau, gelernter Installateur für Heizung und Sanitär, der in vielen Gewerken zu Hause ist, hat selbst mit Hand angelegt. Herausgekommen sind nach dem Umbau schöne helle, freundliche Räume für Verkauf, Beratung und Werkstatt.

Lobende Worte für das neue Projekt fanden neben Ludwigslusts Bürgermeister Reinhard Mach auch der Geschäftsführer des Jobcenters Ludwigslust Hagen Liedtke, Ingo Sonntag, Koordinator Sozialläden „Novi-Life“ sowie Fabian Vogel, der Geschäftsführer des Zebef, für den das FAW auch ein wichtiger Partner ist. „Hier werden in zwei Schichten jeweils zwölf Leute arbeiten“, ergänzt Jürgen Suckrau, der für den Werkstattbereich als eine Art Anleiter mit verantwortlich ist. Der Verkauf der Waren erfolgt ausschließlich an bedürftige Menschen aus dem Landkreis Ludwigslust-Parchim, das sind Bezieher von Arbeitslosengeld II, Menschen, die unter das Asylbewerbergesetz fallen und die Sozialhilfe beziehen. Die Mitarbeiter des Sozialkaufhauses sind Ein-Euro-Jobber und Kunden des Jobcenters Ludwigslust.

Alle anfallenden Tätigkeiten, vom Abholen der Spenden, dem dazugehörenden Verkauf bis hin zur Auslieferung der Waren werden durch die Mitarbeiter verrichtet. Ihre Chance, über dieses Projekt in absehbarer Zeit doch wieder in Arbeit zu kommen, sehen auch Sebastian Hildebrand aus Malliß und Dirk Chmielewski aus Conow. „Wir beide sind für den Transport der Waren, also das Abholen und Hinbringen eingesetzt“, sagt Dirk Chmielewski, und er verspricht sich von der sechs Monate dauernden Maßnahme des Jobcenters doch einiges für die Zukunft. „Vielleicht klappt es ja über diese Ebene mit einer neuen Arbeit“, sagte der gelernte Tief- und Straßenbauer im Gespräch mit unserer Zeitung. „Auf jeden Fall ist es allemal besser, hier mitzuarbeiten, als nur zu Hause rumzusitzen. Und man ist unter Leuten, kann sich in eine gute Sache mit einbringen“, bringt es Dirk Chmielewski zum Ausdruck.

Ähnlich sieht es auch Jürgen Suckrau, im Sozialkaufhaus ist er nun für Warenbeschaffung und Auslieferung zuständig. „Diese Tätigkeit sehe ich auch als Chance, mich weiterzuentwickeln, verbunden mit der Aussicht, vielleicht doch recht bald wieder in einen neuen Job zu kommen“, so der vielseitige Handwerker, der auch im Haus seiner Eltern selbst vieles allein gemacht hat.

„Beinahe hätte es auch in diesem Jahr noch mit einer Hausmeisterstelle geklappt“, erzählt der 49-Jährige. Er gibt jedenfalls die Hoffnung nicht auf, er würde schon gern wieder, wie die anderen hier im Sozialkaufhaus arbeitenden Männer und Frauen, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß fassen. Bis dahin aber wird auch er hier bei Novi-Life das Motto des Projekts „Von Bedürftigen für Bedürftige“ mit Leben erfüllen.

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