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Ludwigsluster Tageblatt

22. September 2017 | 17:26 Uhr

Ludwigslust : Neuer Monat – neue Perspektiven

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Volkmar Herre stellt im Zebef seine Kalender-Editionen aus / Öffentliches Umblättern am Monatsende verwandelt Flure und Treppenhaus

svz.de von
erstellt am 05.Jul.2017 | 07:00 Uhr

„Wer will als nächster?“ Volkmar Herre schaut sich fragend unter den Gästen um. Ein Mann tritt einen Schritt aus der Runde, holt sich einen großformatigen Kalender vom Haken im Flur des Zebef und blättert vom Juni in den Juli. Kurz muss auch der Künstler überlegen, welchen Jahrgang der junge Mann da in den Händen hält. Aber dann wird das Juli-Motiv sichtbar und Herre erinnert sich sofort. Es ist der rote Strandkorb vor blauem Meer auf hellem Sand aus dem Kalender 2009. Die Edition trägt den Titel „Sehnsucht“. Herre hat das Foto auf der Insel Rügen mit der Camera obscura aufgenommen. „Fotos, bei deren Entstehen das Licht nicht durch eine Linse, sondern durch ein Loch in die Kamera eingefallen ist, haben etwas seltsam Faszinierendes“, sagt er. Die Szene am Strand ist verschwommen. Völlig unscharf. Und doch so faszinierend, dass gerade dieses Motiv später vielfach auf Karten oder großformatigen Leinwänden gedruckt wird.

25 Kalender hat Volkmar Herre bis heute mit Naturaufnahmen von der Insel Rügen veröffentlicht. Für die ersten fünf Jahrgänge noch ganz klassisch mit Objektiv und Fotoapparat. Ab 1997 dann fotografierte er ausschließlich nur noch mit der Camera obscura. „Den Tipp gab mir ein befreundeter Künstler“, erzählt Herre. „Ich gab da erst nichts drauf. Die Camera obscura hat schon während des Studiums niemanden interessiert. Und mich auch nicht.“

Wie sehr sich das ändern sollte, zeigt der Kalender „Urnatur des Nordens“ von 1998, deren zwölf Motive Herre das erste Mal mit der Camera obscura aufnimmt. Mit dem hölzernen Kasten entdeckt er die Insel ganz neu. Er beobachtet. Wartet oft stundenlang bis das Licht so fällt, wie es soll. „Man könnte jetzt meinen, ich sei altmodisch geworden“, sagt Herre. Aber genau das Gegenteil sei der Fall. „Die Auseinandersetzung mit Zeit, Licht und Raum ist heute ja hochaktuell. Im Grund genommen sei die Arbeit für ihn eine „innere Genesung“ gewesen. „Man wird entschleunigt und enttechnisiert. Man besinnt sich aufs Wesentliche und lässt sich dabei selbst überraschen.“

Wie er denn sei, dieser Moment, wenn Herre das erste Mal die Aufnahme von der Camera obscura sieht, will eine Besucherin im Zebef vom Fotokünstler wissen. „Spannend und sehr geheimnisvoll“, entgegnet Herre. „Ich mache mir einen guten Kaffee und gehe voller Vorfreude ins Labor.“ Dort erwartet ihn immer wieder ein neues Aha-Erlebnis. „Vor Ort in der Natur kann ich als Fotograf viel bestimmen“, sagt Herre. „Aber am Ende muss auch für mich ein Staunen übrig bleiben.“

 

 

Herres Fotografien sind noch bis Mitte August im Zebef zu sehen. Ende Juli werden die Kalender noch einmal geblättert.



 

 

 

 

 

 

 

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