Ludwigslust : Neue Chance für Villa Gustava

Verborgen vor den Augen der Öffentlichkeit ist die Villa Gustava immer weiter verfallen. Vandalen und Brand trugen dazu bei.
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Verborgen vor den Augen der Öffentlichkeit ist die Villa Gustava immer weiter verfallen. Vandalen und Brand trugen dazu bei.

Ahrensburger Architekt hat Anwesen gekauft und will sanieren / Familie zieht zunächst in renoviertes Lakaienhaus

svz.de von
18. Juni 2015, 11:55 Uhr

Hinter Bäumen und Büschen verborgen bröckelte die Villa Gustava seit Jahren einsam vor sich hin. Nur wenn es auf dem Grundstück an der Grabower Allee mal wieder brannte oder die frühere Eigentümerin ihre nie realisierte Idee vorstellte, dort eine amerikanische Hochschule einzurichten, rückte das geschichtsträchtige Anwesen kurzzeitig ins öffentliche Bewusstsein. Doch jetzt tut sich auf dem fünfeinhalb Hektar großen Grundstück tatsächlich etwas. Ein Architekt aus Ahrensburg bei Hamburg hat die Immobilien gekauft und will sanieren.

Eigentlich wollte Dennis Augustin nach einem Baugrundstück für seine Familie suchen. „Unser Sohn sollte nicht in Hamburg oder dem Hamburger Umland aufwachsen“, erzählt der 44-Jährige. „Da war Mecklenburg für uns eine Alternative.“ Als er während seiner Suche ein denkmalgeschütztes Gebäude besichtigte, entstand der Gedanke, dass auch ein altes Haus sehr reizvoll wäre. „Neue Gebäude kann ich als Architekt ja jeden Tag bauen“, so Augustin.

Doch als er und seine Frau das Ludwigsluster Grundstück von Weitem sahen, wollten sie am liebsten umkehren. „Dann sahen wir die Villa und den Park, die uns gleich ergriffen. Die vielen alten Bäume, die Architektur. Toll.“ Und als er sich dann auch noch über die Geschichte des Hauses informiert hatte, gab es kein Zurück. „Die Villa war im Auftrag von Herzog Gustav, Sohn von Friedrich Franz I., 1831/32 erbaut worden“, erzählt Dennis Augustin. „Bis 1923 lebten in ihr ununterbrochen Mitglieder der herzoglichen Familie.“ Zunächst waren zwei durch ein Gewächshaus verbundene Gartenpavillons entstanden. Bei einem Umbau 1902 wurde der Zwischenbau abgerissen und durch einen zweigeschossigen Mittelrisalit ersetzt.

Von der einstigen Schönheit ist nicht mehr viel übrig. Das Dach ist undicht, im Keller hat sich Hausschwamm ausgebreitet, Türen sind ausgebaut oder beschädigt, die Decke des südlichen Pavillons bei einem Brand eingestürzt. „Schade, dass das Feuer ausgerechnet den repräsentativeren Teil getroffen hat. Die Stuckdecke ist ruiniert“, sagt Dennis Augustin. Aber es gibt auch Erfreulicheres. „Es ist erstaunlich, dass Fenster und Türen noch in einem relativ guten Zustand sind. Im Eingangsbereich befindet sich noch der original Terrazzoboden.“ Alles, was irgendwie zu restaurieren ist, will der Architekt erhalten. „Wenn man so ein Objekt kauft, übernimmt man auch eine Verantwortung. Und weil es sich dabei um ein Stück Geschichte handelt, kann man nicht nach eigenem Gutdünken verfahren“, sagt er. Zunächst will Dennis Augustin verschiedene Sicherungsmaßnahmen durchführen, um den weiteren Verfall zu stoppen. Dann soll in Absprache mit dem Denkmalschutz eine Bestandsaufnahme erfolgen. „Vielleicht finden wir auch noch Hinweise zur historischen Farbgebung.“

Dass er vor einer besonderen Herausforderung steht, ist dem gebürtigen Hamburger bewusst. „Ich mag große Aufgaben. Etwas fast verloren Geglaubtes zu neuem Leben zu erwecken, ist so eine Aufgabe.“

Um mit seiner Familie nach Ludwigslust zu ziehen, will Augustin aber nicht warten, bis die mehrjährige Sanierung der Villa vollendet ist. Seit Februar renoviert er das Lakaien-Haus vorn an der Straße. In diesem Monat ist der Umzug geplant. Auch andere Häuser auf dem Grundstück – Schmiede oder Marstall etwa – sollen saniert werden. Dagegen werden die zu DDR-Zeiten errichteten Versorgungsbauten und Baracken verschwinden. In einem Gebäude könnte – so eine Idee des Architekten – eine Brennerei entstehen. Teile des Parks und einiger Gebäude will er zu bestimmten Anlässen auch der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Die Stadt freut sich über das neue Leben auf dem Grundstück. „Vom historischen Wert befindet sich die Villa Gustava auf Augenhöhe mit dem Prinzenpalais“, sagt Bürgermeister Reinhard Mach. „Dass ein neuer Eigentümer gefunden wurde, dem wir zutrauen, dort etwas Vernünftiges entstehen zu lassen, freut uns. Wenn jetzt auch noch am Prinzenpalais etwas passieren würde…“

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