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Ludwigslust : Neue Brücke: Sollen Bürger entscheiden?

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Heiko Böhringer (AfL) will Bürgerentscheid beantragen / Denkmalschutz würde Variante der Stadtverwaltung mittragen

svz.de von
erstellt am 12.Okt.2017 | 08:00 Uhr

Ludwigslust Sollen doch die Ludwigsluster entscheiden, ob es eine barrierefreie Fußgängerbrücke nördlich der Schlossbrücke geben soll. Das meint zumindest Heiko Böhringer. „Ich werde auf der nächsten Stadtvertretersitzung beantragen, zusammen mit der Bürgermeisterwahl im kommenden Jahr einen Bürgerentscheid zur Brücke durchzuführen“, sagte der Stadtvertreter  von der Alternativen für Ludwigslust (AfL) gegenüber SVZ und ergänzte:  „Wir sind nicht gegen eine barrierefreie Querung, wir wollen aber eine vernünftige Lösung.“

Die Hoffnung auf eine behindertengerechte Fußgängerbrücke hat bei Therese Holm, der Vorsitzenden des Seniorenbeirats der Stadt, jüngst bei einem Workshop einen Dämpfer bekommen. Dort blieben die Gegner des Projekts verbissen bei ihrer Meinung. „Aber ohne dass wir konkrete Begründungen für ihre Ablehnung hörten.“ Reiner Altenburg, SPD-Stadtvertreter, sah es so: „Für mich waren es 90 Minuten Fremdschämen für das Auftreten einiger Kollegen.“ Er sehe keine Alternative zur Fußgängerbrücke, um die Situation in diesem Bereich zu entschärfen.

Ende Mai war das Brückenprojekt von den Stadtvertretern durch die elf Gegenstimmen von CDU und AfL gekippt worden. Die Befürworter von SPD, Linken und Grünen brachten elf Ja-Stimmen zusammen – Mehrheit verfehlt. Ende September wurde dann zum Workshop hinter verschlossenen Türen geladen, bei dem Stadtvertreter, Vereine und Verbände, Denkmalschutzbehörden, Polizei und Verwaltung am Tisch saßen. „Wir wollten jedem die Möglichkeit geben, mit den Experten direkt ins Gespräch zu kommen“, erklärte Bürgermeister Reinhard Mach auf der jüngsten Stadtvertretersitzung. „Zwei Teilnehmer konnten nicht überzeugt werden.“

Einer davon war Heiko Böhringer. „Weil es bessere Möglichkeiten gibt“, erklärte er gegenüber SVZ. „Zum Beispiel könnte man den Belag der Schlossbrücke glätten, indem man die Fugen zwischen den Steinen schließt.“ Die Zuwegung zum Schweriner Schloss zeige, dass das möglich ist.

Eine barrierefreie Fußgängerbrücke in Fortsetzung des nördlichen Fußweges an der Schlossstraße würde auch der Denkmalschutz mittragen. „Sowohl die Untere Denkmalschutzbehörde als auch das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege sieht diese Lösung als die denkmalverträglichste an“, erklärte Sabine Pauligk von der Denkmalschutzbehörde des Landkreises. „Sie liegt in der Achse des Fußweges der Schlossstraße und wird gesehen. Und sie nimmt sich aus unserer Sicht in der geplanten Bauweise sehr zurück.“ Zudem liege sie deutlich tiefer als die Schlossbrücke. Vom Schlossplatz aus werde sie so gut wie nicht sichtbar sein. Bei einer Brücke weiter entfernt von der Schlossbrücke hätten die Denkmalschutzbehörden dagegen Bedenken. „Auch weil sie nicht entsprechend angenommen und ohne zusätzliche Hinweisschilder nicht gefunden wird“, so Sabine Pauligk. „Und davon gibt es schon genug.“

Ralf-Peter Hirsch von der Polizeiinspektion Ludwigslust verwies darauf, dass die Verkehrsbeziehungen im Bereich Naumann-Allee/Schlossfreiheit/Bassin schwierig seien – „auch wenn der Bereich unfallmäßig noch nicht auffällig ist.“ Die Polizei würde es begrüßen, wenn etwas getan wird. „Aus unserer Sicht wäre es sogar gut, wenn sowohl rechts als auch links der Schlossbrücke Fußgängerbrücken wären, damit man sich die Querung der Schlossstraße spart“, so der Polizeihauptkommissar.

Auch die CDU ist für den Vorschlag der Verwaltung nach wie vor nicht zu haben. „Es geht aber nicht darum, für behinderte Menschen nichts zu tun“, betonte Helmut Schapper, Präsident der Stadtvertretung. „Im Gegenteil. Wir hatten ja ein Gesamtkonzept für Barrierefreiheit in der Stadt eingefordert, weil es noch an vielen Stellen hakt.“ Und man müsse eine Brücke im Zusammenhang mit den geplanten Querungen in der Schlossstraße und auf dem Schlossplatz sehen. Favorit der CDU wäre eine Fußgängerbrücke südlich der Schlossbrücke im Bereich der Grünfläche, auf der einst ein Pavillon stand. Dort könnte für mobilitätseingeschränkte Menschen sogar ein Ruheplatz geschaffen werden. Zu dieser Variante kenne man die Position der Denkmalpflege noch nicht. Gegen den Vorschlag der Verwaltung sprechen aus Helmut Schappers Sicht zwei Dinge. „Der Herzog hat die Brücke so angelegt, dass man erst in deren Scheitelpunkt die ganze Pracht des Ensembles von Schloss, Bassin und Alter Wache erblickt“, so der Stadtvertreterpräsident. „Diese historische Zielstellung würde man durchbrechen.“ Und zudem müssten die Passanten, die die neue Brücke nutzen, die Straße dann an einer unübersichtlichen Stelle, genau im Kurvenbereich, überqueren.  Seine Fraktion wolle sich in der kommenden Woche positionieren.

Werner Oeding, Vorsitzender des Behindertenverbandes, bedauert nach wie vor die Entscheidung der Stadtvertreter. „Mir tut es in der Seele leid zu sehen, dass die betroffenen Menschen wieder einmal nur zweitrangig sind“, sagte er. „Aber noch hoffe ich, dass die Vernunft siegt.“

Therese Holm möchte die Gegner des Projekts in die Lage der Betroffenen versetzen. „Wir wollen sie einladen, mal mit Rollator oder Rollstuhl durch die Stadt zu fahren“, sagte sie. „Ich appelliere an die Stadtvertreter, eventuelle Befindlichkeiten bezüglich Verwaltung oder Seniorenbeirat beiseite zu lassen und für die Menschen zu entscheiden. Für eine Brücke, die ihnen hilft, barrierefrei weiterzukommen.“

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