Dömitz : Neue Bleiruten für die Kirchenfenster

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Dömitzer restauriert über Kleinprojekt Scheiben einer Zwischentür / Für Kirchgemeinde waren Glocken in diesem Jahr größtes Investitionsprojekt

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21. Dezember 2013, 07:00 Uhr

Wenn der Wind um die Dömitzer Johanneskirche pfiff, gaben die Scheiben in der Zwischentür zum Westeingang seit Jahren ein ungewolltes Klapper-Konzert. Doch das ist nun vorbei. Die alte Bleiverglasung ist teilweise restauriert worden. Ein erster kleiner Schritt für die Kirche, an der noch einiges zu tun ist.

Mario-Timo Moldenhauer hat die Arbeiten an mehreren Scheiben rechtzeitig vor dem Weihnachtsfest vollendet. Jetzt steht der gelernte Glaser, der seit Februar in der Elbestadt lebt, auf einer kleinen Leiter und kratzt die Kitt-Reste aus dem Fensterrahmen. Dann setzt er das erste der insgesamt vier restaurierten Bleiglas-Elemente ein. Später wird es wieder mit Fensterkitt befestigt werden.

Rund eine Woche zuvor hatte Moldenhauer die Scheiben aus der Tür genommen, um sie im Atelier der Glaskünstlerin Ute Stender im Seminarhaus „Alte Brauerei“ auf der gegenüberliegenden Straßenseite wieder auf Vordermann zu bringen. Dazu trennte er die kleinen Scheiben aus der Bleiumrandung. „Das alte Glas war krumm und schief. Ich musste viel nachschneiden, um es gerade zu bekommen“, erklärt der Glaser, der sich wie Ute Stender im Kleinprojekt „Häuser retten“ ehrenamtlich engagiert, über das die Restaurierung lief. Anschließend baute er einen neuen Rahmen aus Blei, weil das alte Blei stark angegriffen war und keine Stabilität mehr bot. „Beim Restaurieren versucht man eigentlich, möglichst viel vom Original zu erhalten“, erklärt Ute Stender. „Aber altes Blei lässt sich nicht löten.“ Und so schnitt Mario-Timo Moldenhauer neue Bleiruten zu, mit denen er die eckigen und runden Gläser einfasste.

Markus Hasenpusch, Pastor der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde, freut sich über die neuen Scheiben in der Zwischentür und ist dankbar für die Initiative. Dass die Bleiverglasung repariert werden müsste, war schon lange klar. Doch auf der Prioritätenliste stand diese Arbeit nicht ganz oben. „Andere Bauvorhaben waren dringender“, erklärt der Pastor und verweist auf die Glocken und die Turmuhranlage. „Der Bolzen, der den Klöppel der Eisenglocke hielt, war so lose, dass er drohte, irgendwann durch eine der Schallluken aus dem Turm hinauszufliegen.“ Das war bei einer Inspektion im Frühjahr festgestellt worden. Bis zur Reparatur mussten die Glocken stumm bleiben. Eine große Investition für die Kirchgemeinde im zu Ende gehenden Jahr. Die Ausbesserung von Sturmschäden und die malermäßige Instandsetzung der Polzer Kapelle, deren 50-jähriges Jubiläum gerade gefeiert wurde, waren weitere Maßnahmen. Insgesamt hat die Kirchgemeinde knapp 5000 Euro für diese Arbeiten ausgegeben. „Allein die Glockenreparatur kostete mehr als 2000 Euro“, so Pastor Hasenpusch. Doch gerade dafür gab es auch viele Spenden. „Wenn Glocken plötzlich verstummen, spenden die Menschen oft.“

Die Glocken seien wichtig für die Gemeinde. In der Woche läuten sie um 10 Uhr, wenn ein Dömitzer verstorben ist. Für Verstorbene aus den umliegenden Dörfern erklingen sie um 11 Uhr. Hinzu kommen die täglichen Glockenschläge um 12 und um 18 Uhr sowie am Sonntag zum Gottesdienst um 10 Uhr. Und die Glocken der evangelisch-lutherischen Johanneskirche läuten auch für die katholische Kirchgemeinde Dömitz. Am Sonntag um 8.20 Uhr rufen sie zu deren Gottesdienst.

An der zwischen 1869 und 1872 errichteten Johanneskirche ist baulich noch einiges zu tun. Im kommenden Jahr soll der Fußboden im Bereich des überwiegend genutzten Nordeingangs saniert werden. Die Ziegel seien so ausgetreten, dass die Fugen bereits hochkommen, so Markus Hasenpusch. Und auch die Eisenglocke hat nur eine begrenzte Lebenszeit. „Die 60 Jahre sind schon fast rum“, sagt der Pastor. Ende der 1950er-Jahre war sie gegossen worden. „Wenn sie ersetzt werden muss, wird das eine größere Aufgabe für die Gemeinde sein.“ Die Mittel aus der Baukasse und die Zuschüsse vom Kirchenkreis allein reichen nicht aus, um in das neugotische Bauwerk zu investieren. Deshalb ist die Kirche auch weiterhin auf Spenden angewiesen.

Umso mehr freut sich Markus Hasenpusch über die erneuerten Fenster im Bereich des Westeingangs, den vor allem Brautpaare auf ihrem Weg zum Traualtar nutzen. „Die Maßnahme wirkt vielleicht klein. Aber sie ist ein erster Schritt, mit dem ein Anfang gemacht wurde.“ Die Initiative dafür war von Ute Stender ausgegangen.


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