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Dömitz : Neue Ausstellungsräume unter der Erde

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

In Dömitz wird auch 2014 gebaut – auf der Festung, im Gebäude am Slüterplatz 6 und An der Bleiche / Bürgermeisterin Renate Vollbrecht verabschiedet sich aus dem Amt

Die finanziellen Möglichkeiten werden bescheidener. Trotzdem will Dömitz auch in diesem Jahr mehr tun, als der Gesetzgeber verlangt. Die Stadt investiert, unterstützt Vereine und Verbände und betreibt das Museum Festung Dömitz. Und natürlich will sie ihr saniertes Rathaus einweihen.

Das größte Investitionsvorhaben ist die Sanierung der Bastion „Greif“ auf der Festung. Ein Projekt, das zwar das Eigentum der Stadt betrifft, aber unter der Regie des Amtes für das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe MV realisiert wird. Es will dort Ausstellungsräume einrichten. Rund 1,2 Millionen Euro sind für die Sanierung eingeplant. Etwa ein Viertel davon kommt als Förderung von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Dömitz selbst muss 200 000 Euro beisteuern. Der Rest sind Landesmittel.

Um die Festung, die einzige vollständig erhaltene Flachlandfestung Norddeutschlands zu erhalten, sind seit 2003 bereits rund sechs Millionen Euro in die dortigen Gebäude und Anlagen geflossen. Rund zwei Millionen Euro davon kamen aus dem städtischen Haushalt. „Für eine Stadt mit knapp über 3000 Einwohnern schon eine beachtliche Leistung“, sagt Bürgermeisterin Renate Vollbrecht zu recht. „Aber die Festung ist auch unser Aushängeschild.“

Die Bastionen markieren die Ecken der fünfeckigen Wehranlage, unter denen sich die Kasematten befinden. Das sind Gewölberäume mit Schießscharten im Wall, in denen sich einst die Geschütze befanden. Nach dem Ende der Festungszeit seien die Bastionen als Gärten genutzt worden, erklärt Dömitz’ Bürgermeisterin Renate Vollbrecht. Die Obstbäume hätten so tief gewurzelt, dass sie durch das mehrere Meter mächtige Erdreich bis ins Mauerwerk der Gewölbe vordringen und dieses beschädigen konnten. Im Zuge der nun geplanten Sanierung der „Greif“, der größten der Bastionen, wird der Boden abgetragen, das Gewölbe freigelegt und abgedichtet. Dann werden ein Entwässerungssystem gestaltet und die Erde wieder aufgeschüttet. Weil die Kasematten vom Biosphärenamt für Ausstellungen genutzt werden sollen, sind auch im Inneren verschiedene Arbeiten nötig. So wird eine Elektroanlage installiert, die Wände getüncht und ein gestampfter Lehmfußboden eingebaut. Die Planungen laufen bereits, im Frühjahr ist der Baubeginn geplant.

Durchsaniert ist die Festung auch nach Fertigstellung der Bastion „Greif“ nicht. „Die Hauptwache und der Eingangsbereich sind noch nicht fertig“, sagt Renate Vollbrecht. Und auch das Kommandantenhaus, in dem sich ein Großteil des Museums befindet, hätte es bitter nötig. „Aber das sind Träume“, so die Bürgermeisterin.

Auch ein zweites umfangreiches Vorhaben wird sich auf der Festung abspielen. Die dortige Freilichtbühne soll eine Überdachung bekommen. Der Verein Luk (Leben und Kultur) hat rund 20 000 Euro dafür gesammelt, weitere 130 000 Euro kommen als Fördermittel über das Leader-Projekt. Für die Stadt bleibt ein Anteil von rund 30 000 Euro. „Dann könnten wir dort künftig mehr Veranstaltungen machen, weil die Künstler ein Dach über dem Kopf haben“, sagt Renate Vollbrecht. Manche Ensemble, beispielsweise Sinfonieorchester, reisen bisher bei schlechtem Wetter gar nicht an. „Die Überdachung haben wir lange geplant. Ich hoffe, dass es nun klappt.“

Nicht weit entfernt wird eine weitere Baustelle aufgemacht. In der Straße An der Bleiche soll die Oberfläche neu gestaltet werden. Die Leitungen sind bereits in der Erde, nun folgt der Abschluss. Aus dem Topf der Städtebauförderung fließen rund 316 000 Euro in dieses Vorhaben. Die Stadt zahlt in diesen Topf, aus dem weitere Maßnahmen finanziert werden, im kommenden Jahr rund 180 000 Euro ein.

Ebenfalls im Rahmen der Stadtsanierung wird am Haus Slüterplatz 6 wieder gebaut. Erneuert werden sollen unter anderem das Dach mit Glaskuppel und die Fenster an der Hinterfront. Rund 250 000 Euro aus der Städtebauförderung sind für dieses Projekt vorgesehen.

All diese Zahlen – und noch einige mehr – stehen im Haushaltsplan 2014 der Stadt Dömitz. Dieser hat ein Volumen von insgesamt 4,4 Millionen Euro, davon 1,3 Millionen für Investitionen. Die umfangreichste freiwillige Aufgabe, die sich die Stadt leistet, sei die Festung, so Renate Vollbrecht. Aber auch die Bibliothek will man erhalten und Vereine unterstützen. „Was würde die Stadt denn sonst noch lebenswert machen?“, so die Bürgermeisterin.

Der Haushalt ist von den Stadtvertretern beschlossen worden, ausgeglichen ist er nicht. Und auch Dömitz musste die Hebesätze für Grund- und Gewerbesteuer auf den Landesdurchschnitt anheben. „Wir haben uns damit sehr schwer getan und lange darüber diskutiert. Aber wir haben keine Wahl“, sagt Renate Vollbrecht. „Sonst bekommen wir (von der Kommunalaufsicht des Landkreises, d. Red.) keine Kredite mehr genehmigt.“ Die Mehreinnahmen durch die Hebesatz-Erhöhung halten sich mit 37 000 Euro in Grenzen.

Doch die Bürgermeisterin und die Stadtvertreter wollten nicht riskieren, ohne genehmigten Haushalt in die anstehende Kommunalwahl zu gehen. Dann würden die Probleme gleich auf die neue Stadtvertretung und den neuen Bürgermeister einstürzen. Für sie selbst sei definitiv Schluss, betont Renate Vollbrecht. „Ich gehe nach drei Wahlperioden und 15 Jahren in den Ruhestand.“


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erstellt am 02.Jan.2014 | 14:00 Uhr

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