Lübtheen : Neue Angst vor Kohle-Baggern in Lübtheen

Rollen doch noch Kohlebagger nach Lübtheen?  Verein „Braunkohle-Nein!“ befürchtet Schlimmes nach neuem Koalitionsvertrag. Er bringt Kohle wieder als Energieträger ins Spiel.
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Rollen doch noch Kohlebagger nach Lübtheen? Verein „Braunkohle-Nein!“ befürchtet Schlimmes nach neuem Koalitionsvertrag. Er bringt Kohle wieder als Energieträger ins Spiel.

Grund ist der Koalitionsvertrag 2013 / Alle hoffen jetzt darauf, dass die 6000 Hektar Truppenübungsplatz zum Naturschutzgebiet werden

svz.de von
31. Dezember 2013, 12:00 Uhr

Die Ängste flammen wieder auf in Lübtheen. Der Grund: Der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung. Er lässt Kohleabbau-Gegner Schlimmes befürchten. Vielleicht tue sich jetzt doch noch etwas in der Region um die Lindenstadt, sagt Helmut Eggers vom Verein „Braunkohle-Nein!“. Bis nach Redefin, Belsch, Pritzier reicht das begehrte Areal. Und selbst Randgebiete wie Ludwigslust, Dömitz oder Hagenow wären in irgendeiner Art betroffen, schätzt Eggers – in einem Umkreis von 50 Kilometern, durch die Grundwasserabsenkung im Abbaugebiet und die Feinstaubbelastung.

Eigentlich hatte der Lübtheener schon so manches Mal gedacht, die Pläne erledigen sich. Stattdessen sei der mögliche Abbau durch die Passagen im neuen Regierungsvertrag wieder ein Stückchen näher gerückt. Kohle würde darin erneut hoffähig gemacht und als Energieträger ins Spiel gebracht werden. Dass CDU und SPD angesichts der Energiewende „einheimische Rohstoffe sogar favorisieren“, kann Helmut Eggers nicht nachvollziehen. Genauso wenig die Deckelung der Erneuerbaren Energien. Wenn man die wolle, müsste man damit von null auf hundert gehen und komplett auf Rohstoffe wie Kohle verzichten, plädiert er.

Einziger Hoffnungsschimmer aus dem Koalitionsvertrag: 30 000 Hektar sollen bundesweit unter Schutz gestellt werden. „Wir hoffen, dass unsere 6000 Hektar Truppenübungsplatz dazu gehören“, sagt Helmut Eggers. Würde diese Fläche dem Biosphärenreservat zugeordnet, wäre das eine höhere Schutzkategorie und damit eine größere Hürde für den Kohleabbau. Das zuständige Landesministerium hätte bereits positive Signale gesendet, sagt Eggers.

Lübtheens Bürgermeisterin Ute Lindenau bestätigt den Kontakt zu Landwirtschaftsminister Till Backhaus. „Die 6000 Hektar sollen dabei sein“, sagt sie auf Nachfrage. Stadt, Landkreis und Bundesland seien gegen den Abbau. Sie selbst sehe Braunkohle nicht als Rohstoff der Zukunft, sondern die Erneuerbaren Energien. Trotz aller Rückendeckung müsse man aber stets wachsam sein, sagt Ute Lindenau. Und das sei der Verein „Braunkohle-Nein!“. „Die Mitglieder sind wie Wächter, die immer daran erinnern. Es ist gut, dass sie da sind.“

Seit 2005 engagiert sich der Verein vor Ort. Aus zunächst 30 sind mittlerweile 175 Mitglieder geworden. Wenn man aber bedenke, wie viele Menschen bei einem Kohleabbau betroffen wären..., verweist Helmut Eggers. Etwa 16 Dörfer könnten unter die Schaufelbagger geraten. In Lübbendorf würden sie zuerst anrollen. Doch Ortsteilvertreter Heinz Hippmann bleibt entspannt. Zu Beginn sei die Angst bei den Bürgern noch größer gewesen. Es gab bereits Probebohrungen einer Firma. Heute überwiege die Hoffnung, dass der 300 Meter entfernte Truppenübungsplatz zum Schutzgebiet erklärt wird. „Dann wären die Abbaupläne im Großen und Ganzen ausgeräumt“, gibt sich Heinz Hippmann optimistisch. Dass sich nur Wenige aus den betroffenen Ortsteilen im Verein engagieren, begründet er genau damit. Wenn aber ein Abbau spruchreif werden würde, würden auch die Anwohner der Ortsteile mit auf die Straße gehen, sagt er.

Doch der Verein wünscht sich, dass die Bürger immer offen und wachsam bleiben und ihre Stimmen erheben. „Sie dürfen das nicht abhaken“, sagt Mitglied Hans Jalaß aus Hohenwoos und verweist darauf, dass laut Greenpeace seit 2007 bundesweit 17 solcher Projekte durch engagierten Gegenwind aus der Bevölkerung verhindert werden konnten. „Das lässt hoffen.“ Und: je mehr Stimmen, desto besser.

Viele würden allerdings sagen, dass sie einen Abbau samt Zwangsenteignung nicht mehr erleben, zitiert Helmut Eggers. Doch diese Gefahr sei noch nicht gebannt. Schon gar nicht nach der letzten Entscheidung des Bundesgerichtshofes, wonach Enteignungen für Kohleabbau rechtens seien, weil sie dem Allgemeinwohl dienen würden. „Das wäre ein Verlust unserer Heimat.“

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