Parchim : Neue Aktion gegen Schweinefabrik

Sie waren am Mittwoch dabei, als Bilder mit ihren Gesichtern und ihrer Meinung  in Parchim aufgehängt wurden, v. l. Heinz Ullmann, Maik Kindler, Brigitte Kowalsky, Günter Schulze, Hans-Eike Müller, Jürgen Gärtner.    Fotos: Michael Beitien
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Sie waren am Mittwoch dabei, als Bilder mit ihren Gesichtern und ihrer Meinung in Parchim aufgehängt wurden, v. l. Heinz Ullmann, Maik Kindler, Brigitte Kowalsky, Günter Schulze, Hans-Eike Müller, Jürgen Gärtner. Fotos: Michael Beitien

Bürgerinitiative organisiert Open-Air-Ausstellung in der Kreisstadt: Parchimer zeigen Gesicht beim Kampf gegen Riesen-Mastanlage in Dargelütz

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26. Februar 2014, 21:00 Uhr

„Die Solidarität der Parchimer Bevölkerung ist beachtlich“, freute sich am Mittwoch Günter Schulze, Sprecher der Bürgerinitiative Dargelütz gegen den Bau einer riesigen Schweinemastanlage vor den Toren der Kreisstadt. In der Buchholzallee und in der Putlitzer Straße wurde eine wohl bisher einmalige Fotoausstellung aufgehängt: 25 Parchimer sagen auf Plakaten, warum sie gegen die geplante Schweinefabrik in Dargelütz protestieren. „Das passt zu Parchim als Kunststadt“, so Günter Schulze.

Die Open-air-Ausstellung ist vom 26. Februar bis 8. März zu sehen. Bekannte Parchimer Unternehmer, Gastronomen, Vereinsvertreter, Künstler, Landwirte und Politiker geben mit ihren Porträtfotos dem Widerstand ein Gesicht. „Ich will Kleinbetriebe stärken“, begründet z.B. Silke Klang vom Schuhhaus Klang ihre Ablehnung der riesige Anlage. „Meine große Sorge ist, dass ich gesundes Fleisch essen möchte“, so Heinz Ullmann aus Hof Bergrade, ehrenamtlicher Bürgermeister von Domsühl. Sorgen macht er sich aber beispielsweise auch um Straßen, auf denen sich große Güllefahrzeuge begegnen, die dann beim Ausweichen die Bankette zerstören. Unterstützung bekommen die Parchimer u.a. von Fernsehköchin Sarah Wiener und TV-Moderator Max Moor.

„Ich bin von der Vielfalt der Persönlichkeiten und Argumente beeindruckt. Für mich ist deutlich geworden, dass industrielle Massentierhaltung in Parchim keinen Rückhalt in der Bevölkerung hat“, sagt der Hamburger Fotograf Fred Dott, der die Fotoaktion initiierte und in Kooperation mit dem Grafikdesigner Thomas Kolb realisierte. Zahlreiche Parchimer waren in den letzten Monaten dem Aufruf der Bürgerinitiative gefolgt, sich durch Teilnahme an der Fotoaktion gegen den geplanten Bau der Schweinefabrik in Dargelütz auszusprechen. Die Open-Air-Ausstellung beinhaltet nur eine Auswahl der Porträts. Weitere Fotos wurden der Online-Protestgalerie der Bürgerinitiative hinzugefügt. Günter Schulze betonte am Mittwoch, dass sich der Protest der Bürgerinitiative nicht gegen die Landwirtschaft richtet, sondern gegen die Art der Massentierhaltung.

Die Dargelützer hoffen auf eine Entscheidung der Parchimer Stadtvertreter. Sie könnten den Bebauungsplan für Dargelütz im Nachhinein kippen und damit den Bau der Tierfabrik für über 15 000 Schweine verhindern. Das ist allerdings mit hohen Risiken behaftet. Wie SVZ gestern erfuhr, liegen Prognosen vor, dass der Investor von der Stadt Parchim eine Entschädigung im hohen sechsstelligen Bereich fordern könnte. Die Kommune hat sich an das Amt für Raumordnung und Landesplanung gewandt, da es Widersprüche zwischen zwei öffentlich-rechtlichen Plänen gibt, erklärt Detlev Hestermann, stellvertretender Bürgermeister und Justiziar in Parchim. Laut Bebauungsplan darf die Mastanlage gebaut werden. Laut Regionalplan ist das Gebiet dagegen ausschließlich für Windräder reserviert. Hier muss es eine Anpassung geben. Sollte der Stadt vorgeschrieben werden, ihren Bebauungsplan zu ändern, dann müsste das Land auch für die Kosten aufkommen, die dem Investor bei Verhinderung der Schweinemastanlage entstehen, war den Worten des Juristen zu entnehmen.

Über den Antrag des Investors zum Bau der Schweinemastanlage entscheidet das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) Westmecklenburg. Bei einer öffentlichen Anhörung im Dezember in Parchim hatten der Investor und die Gegner der Anlage ihre Argumente vorgebracht. Die Behörde habe seinerzeit mitgeteilt, dass die Abwägung drei bis sechs Monate dauert, so Schulz. Die Bürgerinitiative plant weitere Aktionen.




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