Balow und seine Ortsdurchfahrt : Neubau nach 30 Jahren Kampf?

Nächstes Jahr soll der Straßenbau in Balow beginnen. Die Balower glauben es erst, wenn die ersten Baumaschinen anrollen.  Fotos: Hennes (2)
Foto:
1 von 2
Nächstes Jahr soll der Straßenbau in Balow beginnen. Die Balower glauben es erst, wenn die ersten Baumaschinen anrollen.

So weit waren die Pläne für Balows Ortsdurchfahrt noch nie: Beteilungsverfahren läuft. Bürgermeisterin hofft auf Baumfällungen im Herbst

von
25. Juni 2016, 11:00 Uhr

„Diesmal können sie uns die neue Straße nicht mehr streichen.“ Da ist sich Balows Bürgermeisterin Kriemhild Kant sicher. „Diesmal muss es klappen. So weit wie heute waren die Planungen noch nie.“ Die Ortsdurchfahrt von Balow könnte schon nächstes Jahr saniert werden. Das Beteiligungsverfahren ist in vollem Gange. „Vielleicht“, so Kriemhild Kant, „werden schon im Herbst die Bäume gefällt.“

Geplant ist der Ausbau der L 081 auf einer Länge von zwei Kilometern zwischen den Straßen An der Hexenkuhle und dem Dambecker Weg. Weil die Dorfstraße auf sechs Meter verbreitert wird, müssen die Robinienbäume innerorts weichen. Auch außerorts, so Kant, soll eine Baumreihe an der L 081 gefällt werden.

Die Balower sind bereits im vergangenen Jahr auf einer Einwohnerversammlung über die neuen Pläne informiert worden. „So richtig glauben wir das aber erst, wenn die Bagger hier anrollen“, sagt Lotti Bluhm. Sie wohnt direkt an der Dorfstraße und hat dem Verfall über drei Jahrzehnte zusehen müssen. „Mitte der achtziger Jahre war das erste Mal die Rede von einer Sanierung“, erinnert sie sich. „Dann kam die Wende und andere Sachen wurden wichtiger.“

Passiert sei nichts seitdem. Ab und an wurden Löcher geflickt und die Kuhlen mit Teer überzogen. Heute fahren die Fahrzeuge meist nur noch über den geteerten Streifen und weichen sich bei Gegenverkehr aus. Lotti Bluhm kann das aus ihrem Fenster beobachten. In ihrem Haus hat der Verkehr auf der maroden Straße seine Spuren hinterlassen. Risse ziehen sich durch die Wände. Der Putz bröckelt aus der Zimmerdecke. „Alles klappert und wackelt, wenn die Autos hier vorbeifahren“, sagt die 83-Jährige. „Klar freue ich mich, wenn ich die neue Straße doch noch erleben kann“, sagt sie. „Allein mir fehlt der Glaube daran.“

Auch Dieter Weding bleibt skeptisch. Er war vor der Wende Balows Bürgermeister, hatte damals schon die Zusage für den Straßenbau erhalten. „Wir haben dafür sogar die Bordsteine höher setzen lassen, damit Platz für die neue Deckschicht ist“, erinnert er sich.

Nach der Wende sei der Neubau erst an der Prioritätenliste, später dann an der geschützten Robinien-Allee gescheitert. Die Bäume, so Weding, sind inzwischen alt und morsch und müssten sowieso gefällt werden.

Noch steht die Genehmigung dafür aber aus. Laut Juliane Schultz, Sprecherin im Ministerium für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung, sei das Straßenbauamt zurzeit dabei, Baurecht für die 2,1 Mio teure Straße zu schaffen. Voraussetzung dafür sei die Zustimmung der beteiligten Behörden, insbesondere auch zu den Baumfällungen. Die Frage, ob, wann und wo Bäume gefällt werden, sei Bestandteil des Verfahrens. Balows einstiger Bürgermeister Dieter Weding muss lächeln, wenn er das hört. Sollte etwa doch noch eintreten, was er vor Jahren in einer Büttenrede prophezeite? „Wir bringen Balow ganz groß raus“, sagte er damals. „Mit einem Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde. Keine Dorfstraße in Deutschland ist holpriger als unsere.“


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen