zur Navigation springen

Kinderbetreuung in Ludwigslust : „Nein“ zu höheren Kita-Beiträgen

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Elternräte aus Ludwigsluster Kindertagesstätten sprechen mit einer Stimme / Mehrheit für Verwaltungsvorschlag nicht in Sicht

svz.de von
erstellt am 24.Okt.2014 | 20:00 Uhr

Der Vorschlag von Bürgermeister Reinhard Mach, über höhere Gebühren in städtischen Kitas nachzudenken (SVZ berichtete), bringt Ludwigsluster Eltern auf die Barrikaden. „Man kann doch nicht auf der einen Seite einige wenige Paare, die ein Baugrundstück kaufen wollen, subventionieren und auf der anderen Seite von 500 Eltern höhere Kita-Gebühren verlangen“, sagt Familienvater Martin Jungbluth. Und Jens Nelius ergänzt: „Um für junge Familien attraktiv zu sein, zahlen andere Städte Begrüßungsgeld, bieten Kinderbetreuung und das Essen in den Einrichtungen kostenfrei an, und hier wird das Gegenteil gemacht.“

Doch so einfach wollen die Ludwigsluster Mütter und Väter das nicht hinnehmen. In dieser Wochen trafen sich die Elternräte von drei Einrichtungen – um mit einer Stimme zu sprechen. Anders als vor zwei Jahren, als die Stadtverwaltung in den Kindertagesstätten Ferienschließzeiten einführen wollte. „Damals waren die einzelnen Elternvertretungen nach und nach gehört worden und zum Schluss fehlte nur noch die Zustimmung aus der Kita Gillhoffstraße“, erinnert sich Anja Meyenburg. Die dortige Elternvertretung stimmte zwar trotz des Drucks dagegen, dennoch will man jetzt gleich dafür sorgen, dass alle Eltern gemeinsame Sache machen.

An die Debatte um die Ferienschließzeiten erinnert sich auch Jens Nelius mit Frust. „Damals hieß es, dass die Schließzeiten nötig seien, um die Kita-Beiträge stabil zu halten“, erklärt der Familienvater. „Wie lange diese Aussage Bestand hat, sehen wir jetzt.“ Zudem sei man den damals zugesagten Beweis schuldig geblieben, wie viel Geld dadurch tatsächlich eingespart worden ist.

Und noch etwas ärgert die Eltern: „Warum wird nicht zuerst mit uns gesprochen? Warum erfahren wir aus der Zeitung von den Plänen?“, fragt Jens Nelius und meint nicht nur die vorgeschlagene Elternbeitragserhöhung, sondern auch die Überlegungen zur künftigen Essenversorgung in der Kita Parkviertel (SVZ berichtete). Die Kommunikation zwischen Stadt und Bürger sei verbesserungswürdig. Über die Parkviertel-Küche werden die Eltern am 3. November mit Reinhard Mach sprechen. „Laut Kindertagesförderungsgesetz sind wir in wichtigen Angelegenheiten wie der Essenversorgung einzubeziehen“, so Jens Nelius.

In Sachen Kita-Beiträge können die Eltern jedoch hoffen. Für den Verwaltungsvorschlag scheint keine Stadtvertreter-Mehrheit in Sicht. „Für uns kommt eine Beitragserhöhung im Moment nicht infrage“, sagte SPD-Fraktionschef Detlef Müller gestern auf SVZ-Anfrage. Katrin Rössler (SPD), Vorsitzende des städtischen Sozialausschusses, hatte beim Treffen der Elternräte erklärt, dass sie selbst über die Beschlussvorlage verwundert gewesen sei. Bei der Erarbeitung der Tagesordnung für ihre Ausschusssitzung habe es noch geheißen, dass die Stadtvertreter über die Kosten der Kinderbetreuung lediglich informiert werden sollen.

Das Engagement der Stadt ist zweifelsohne überdurchschnittlich. Seit zehn Jahren sind die Elternbeiträge nicht mehr erhöht worden, während der finanzielle Anteil der Stadt immer weiter steigt und weit höher ist, als vom Gesetzgeber verlangt. Der Elternbeitrag für einen Ganztagsplatz in der Krippe liegt bei 244 Euro (seit Kurzem abzüglich 100 Euro, die das Land zahlt). Der Anteil der Kommune ist von 244 Euro im Jahr 2005 auf inzwischen 435 Euro in der günstigsten Kita gestiegen.

„Die Linke“ wird der Beschlussvorlage nach Aussage der Fraktionsvorsitzenden Melitta Roock nicht zustimmen. „Wir wollen eine kinder- und familienfreundliche Stadt sein, geben viel Geld für Spielplätze aus und unterstützen Familien beim Erwerb von Wohneigentum – dazu passt ein Erhöhung der Kita-Gebühren nicht.“

Auch die Alternative für Ludwigslust (AfL) hat sich bereits klar positioniert. „Wir stimmen gegen eine Erhöhung“, betonte Frank Engel, Elternvertreter und zugleich AfL-Stadtvertreter. Und während die Eltern zunächst vorschlagen wollten, dass die Beschlussvorlage zurückgestellt wird, damit sich Bürgermeister, Stadtvertreter und Eltern über die Pläne austauschen können, ist er für einen sofortigen Schlussstrich. „Wir sollten den Vorschlag gleich ablehnen und die Entscheidung nicht noch vor uns herschieben“, so Frank Engel. Am 29. Oktober hat nun die Stadtvertretung das Wort. Ob es das (vorerst) letzte ist, bleibt abzuwarten.



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen