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Ludwigsluster Tageblatt

21. November 2017 | 05:44 Uhr

Ludwigslust : Nasen zu und durch

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Müllverbrennungsanlage öffnet Tore: Führungen für 120 Anwohner aus Ludwigslust

von
erstellt am 20.Mär.2017 | 06:20 Uhr

„Puh. Stinkt das.“ Schon am Tor zum Müllbunker verziehen die Besucher die Gesichter. Manche weichen sofort zurück und sehen lieber von draußen zu, wie der Radlader sich in der dunklen Halle über die Müllberge kämpft. Wie von Geisterhand schaufelt das Fahrzeug den Industrie- und Hausmüll zusammen auf ein Rollgitter. Die Fahrerkabine ist leer. Gesteuert wird die Maschine per Funk vom Mann aus dem Nebenraum hinter einer Fensterfront. Gut abgeschirmt von Staub und Gestank.

Hier unten am Bunker beginnen die halbstündigen Führungen durch die Thermische Verwertungsanlage, kurz TVA. Acht Kollegen lotsen die Gäste in kleinen Gruppen über das Gelände. Erst zum Fließband mit der abgekühlten Schlacke, dann weiter zu den Silos, in denen der giftige Filterstaub gelagert wird. „Jetzt kann man das Ding hier mal von innen sehen“, freut sich Christian Buchholz. Der Rentner wohnt knapp 800 Meter entfernt im benachbarten Techentin. „Wir wollten die Anlage ja damals nicht“, sagt er. „Aber jetzt ist sie nun mal da. Und es ist gut, dass wir uns hier informieren können.“ Buchholz und seine Frau Jutta waren im November auch auf der Einwohnerversammlung von Techentin. Dort hatte TVA-Geschäftsführer Andreas Rosemann den Anwohnern vorgeschlagen, sich live vor Ort ein Bild zu machen. Mehr als 120 Besucher nahmen das Angebot an diesem Sonnabend an. Manche mit gemischten Gefühlen: „Einerseits hat man Verständnis für den Sinn dieser Anlage“, sagt Jutta Buchholz. „Andererseits ist da auch die Angst vor schädlichen Belastungen aus der Luft.“

Die erste Besuchergruppe um Anlagenleiter Rüdiger Balzer ist inzwischen am Kesselhaus angekommen. 26 Menschen drängen sich nun dicht an dicht in einen Fahrstuhl. Auf der Fahrt in den 9. Stock erzählt Rüdiger Balzer, dass bei der Müllverbrennung die Rauchgase durch Ammoniakwasser von schädlichen Bestandteilen befreit werden. Als die Gruppe dann in 30 Meter Höhe direkt unter dem Schornstein steht, zeigt Balzer auf den Rauch: „Wie Sie sehen, sehen Sie nichts.“ Noch im Schornstein würden die Gase ein letztes Mal auf Schadstoffe untersucht. „Jede Störung, jeder noch so kleine Wackler im System wird dokumentiert und löst in der Schaltzentrale einen Alarm aus“, sagt Geschäftsführer Andreas Rosemann.

Für ihn ist die Anlage ein Kraftwerk und der Müll der Rohstoff. 50  000 Tonnen Hausmüll aus dem gesamten Landkreis würden hier jährlich verbrannt. „Der Heizwert ist das Nonplusultra“, sagt Rosemann. „Wir produzieren 2,8 MW, davon gehen 2,0 MW direkt ins öffentliche Stromnetz der Stadtwerke.“

Auch nach den Führungen beantworten die beiden Geschäftsführer Andreas Rosemann und Rainer Wiedenbröker jede Frage. Annette Dietzel will wissen, woher das laute quietschende Geräusch kommt, das man bis nach Techentin hört. „Vom Förderband“, sagt Rosemann. „Abstellen kann man das nicht, aber wir werden es dieses Jahr noch schallisolieren.“ Ängste kamen am Sonnabend kaum zur Sprache. „Wer anfängt, besorgt zu sein, sollte sich lieber Gedanken machen, wie er selber Müll vermeiden kann“, sagt Besucher Daniel Weiher. „Der Müll muss ja irgendwo hin.“

 

 

 

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