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Ludwigsluster Tageblatt

19. Oktober 2017 | 16:51 Uhr

ludwigslust : Namenssteine gegen das Vergessen

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Neugestaltung der Ehrenfriedhöfe des KZ Wöbbelin abgeschlossen / Feierliche Einweihung im Neu-Lüblower Wald am 2. Mai

von
erstellt am 03.Jan.2017 | 07:00 Uhr

2014 hatten die Mitglieder des Vereins Mahn- und Gedenkstätten im Landkreis beschlossen, anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung des KZ Wöbbelin die Gedenkorte und Ehrenfriedhöfe neu zu gestalten. Das Vorhaben ist nun abgeschlossen. SVZ-Redakteur Uwe Köhnke sprach mit Ramona Ramsenthaler, Leiterin der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin.
Weshalb war eine Neugestaltung der Gedenkstätten nötig?
Ramona Ramsenthaler: Der Bewuchs mit Koniferen und Bäumen war zum Beispiel bei den Gedenkstätten in Sülstorf und Hagenow so hoch, dass die Denkmale nicht mehr sichtbar waren. Deshalb war teilweise auch eine gärtnerische Neugestaltung notwendig. Es wurde der Beschluss gefasst, sich an der Gestaltung des Gedenkplatzes ehemaliges Lagergelände des KZ Wöbbelin zu orientieren und den Klinkerstein als verbindendes Element aufzunehmen. Die Künstlerin Dörte Michaelis sollte an allen Gedenkorten Klinkerpodeste mit Informationstafeln schaffen sowie Stelen aus Stahl mit historischen Fotos in die Anlagen einbinden.
Welche Gedenkstätten sind umgestaltet worden?
Bereits im Jahre 2015 waren das die Gedenkstätten in Wöbbelin, Ludwigslust Am Bassin und Sülstorf. Weiterhin sind nun auch die Gedenkanlagen in Ludwigslust auf dem Stadtfriedhof und bei den Massengräbern im Neu-Lüblower Wald fertiggestellt.
Die Veränderungen in Wöbbelin und Sülstorf sind schon seit einiger Zeit sichtbar. Fassen Sie diese noch einmal zusammen?
Nach der Fertigstellung einer Klinkeranlage mit 82 Namenssteinen am Ehrenfriedhof in Wöbbelin 2014 konnte diese in Anwesenheit von Zeitzeugen bzw. Angehörigen von Opfern bereits am 1. Mai 2015 eingeweiht werden. Im November des Jahres erfolgte dann die Fertigstellung der Gedenkstätte Sülstorf, u. a. mit umfangreicher ehrenamtlicher Unterstützung. Die Gesamtanlage wurde gärtnerisch neu und die Grablage schlicht gestaltet. Der Gedenkstein von 1951 ist nun wieder weithin sichtbar. Eine Informationsstele aus Edelstahl mit einem historischen Foto und ein Klinkerpodest mit Tafel informieren in Sülstorf, in Ludwigslust auf dem Ehrenfriedhof Am Bassin für 200 Opfer und auf dem Ehrenfriedhof in Hagenow für 144 Opfer (fertiggestellt im November 2016 – d. R.) über den Hintergrund und die Geschichte der Gedenkstätten.
Umfangreich sind auch die Veränderungen an den Gedenkanlagen auf dem Ludwigsluster Stadtfriedhof und bei den Massengräbern im Neu-Lüblower Wald. Was ist dort geschehen?
Die Künstlerin Dörte Michaelis wurde durch den Verein Mahn- und Gedenkstätten im Landkreis beauftragt, Denkmalanlagen mit Namenssteinen an den Orten zu schaffen, wo die Namen der Opfer aufgrund der aktuellen Forschung bekannt sind. Auf dem Stadtfriedhof in Ludwigslust wurde die neu gestaltete Anlage bereits am 2. Mai 2016 eingeweiht. 149 Klinkersteine tragen dort Namen von Opfern, außerdem gibt es 32 namenlose Steine. Diese Häftlinge sind nach der Befreiung an den Folgen der extremen KZ-Haft in Lazaretten und im Krankenhaus Ludwigslust gestorben. Bereits 1965 hatte der Ludwigsluster Künstler Herbert Bartholomäus an diesem Platz das Denkmal „Schwurhand“ geschaffen. Durch die Erweiterung der Anlage ist auch an diesem Ort eine individuelle Erinnerung möglich. Erst im November 2016 konnte das Denkmal mit 141 Namenssteinen bei den Massengräbern im Neu-Lüblower Wald mit Finanzierung durch die Stadt Ludwigslust geschaffen werden. In diesem Bereich des Waldes wurden die Häftlinge des KZ Wöbbelin zwischen dem 27. März und dem 24. April 1945 in mehreren Massengräbern verscharrt. Aufgrund einer Liste von 1945, die vor zehn Jahren an das Archiv der KZ-Gedenkstätte Neuengamme übergeben wurde, sind die Namen dieser 141 Opfer bekannt.
Wird es eine offizielle Einweihung dieser neu gestalteten Gedenkstätte geben?
Unter den Opfern, die hier verscharrt wurden, befindet sich auch der Vater von Jean Michel Gaussot, der am 24. April 1945 im KZ Wöbbelin verstorben ist. Herr Gaussot, Botschafter a. D. und Vorsitzender der Amicale des KZ Neuengamme, wird am 2.Mai 2017 die Gedenkrede zur Einweihung dieser Gedenkstätte halten. An der Internationalen Begegnung der Generationen anlässlich der Befreiung des KZ Wöbbelin werden wieder viele Angehörige von Opfern, vor allem aus den Niederlanden, Frankreich und Belgien teilnehmen. Auch der neu gestaltete Ehrenfriedhof in Hagenow wird in diesem Rahmen am 8. Mai 2017 eingeweiht werden.
Wie ist das Projekt zur Sicherung der Gedenkstätten als Orte des Erinnerns und Gedenkens finanziert worden?
Wir danken den Städten und Gemeinden, allen ehrenamtlich Beteiligten sowie der Stiftung der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin für die Unterstützung. Neben der finanziellen Förderung durch die Stiftung der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin hatten die Bürgermeister der Gemeinden Wöbbelin und Sülstorf sowie der Städte Ludwigslust und Hagenow Eigenmittel für die Maßnahmen zugesagt. Zur inhaltlichen Beratung wurde eine Arbeitsgruppe aus Vertretern des Vereins Mahn- und Gedenkstätten, seines Beirates, der Geschäftsstelle und des Fördervereins sowie der Leiterin der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin gebildet.

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