Projekt in Festung Dömitz : „Nahrung für Kopf und Bauch“

Haben den Fotografen Henrik Spohler (rechts) mit seinem Projekt eingeladen: Andreas Herzau und Renate Ruhne.
Haben den Fotografen Henrik Spohler (rechts) mit seinem Projekt eingeladen: Andreas Herzau und Renate Ruhne.

Projekt von Henrik Spohler in der Hauptwache der Festung Dömitz spiegelt Natur, Landwirtschaft, Mensch und Konsum in Fotos wider

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14. April 2015, 07:00 Uhr

Über den eigenen Tellerrand fotografiert, an die biblische Schöpfung erinnernd, nicht mahnend, erst recht nicht als Protest, sondern vielmehr künstlerisch hinterfragend: Das bezweckt der freischaffende Fotograf Henrik Spohler mit seinem Projekt „The third day“ (Der dritte Tag), das er als Vernissage in der Hauptwache der Dömitzer Festung eröffnete. Spohler, der als Professor einen Lehrstuhl für den Studiengang Kommunikationsdesign an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin inne hat, zeigt mit seinen Fotografien die Vernetzung wie Spaltung von Natur, Landwirtschaft, Mensch und Konsum.

Die Nahrung und seine Quellen als zentrales Thema der Weltbevölkerung, so beleuchtet der stille Künstler die Frage der Humanität, stellt sie facettenreich dem Betrachter, wo der sich dabei auch immer befindet. Das geschieht durchaus mit dem Fluss von mehreren Motiven in Folge, aber immer wieder auch als ein Bildnis. In Dömitz fehlten gewollt die Titel, der fast wie Schnappschüsse anmutenden Fotografien. Erklärungen waren in einem ausgelegten Literaturwerk zu finden. Auch ohne örtliche Hinweise sprechen die Fotos für sich, fordern zum genauen Hinschauen auf, lassen nur so erkennen, dass die Lust auf Essen vielerorts von unersättlich kaufmännischen Interessen bereits auf den Feldern im Samenkorn zu erkennen ist. Sei es auch nur der Halm, der genetisch verändert, höher wächst als andere. Der Hamburger Spohler spiegelt wider, lässt Fotos wortlos sprechen und sieht sein Projekt als „Nahrung für Kopf und Bauch“.

Die Ausstellung, die vom Namen her auf den dritten Schöpfungstag Gottes gründet, zeigt die Komplexität der Nahrungsgewinnung, technisch-industriell, praktisch-landwirtschaftlich und lässt die globalen Konsequenzen in den Kopf des Betrachters zusammenfließen. Spohler meint: „Der Mensch hat die Rolle des Schöpfers übernommen. Ich gebe künstlerisch Hinweise darauf.“

Die sicherlich bedeutende Ausstellung war zuvor in New York und geht nach der Zeit in Dömitz in die Hamburger Deichtorhallen.

Warum gerade auch in Dömitz zu sehen, diese Frage stellten sich Renate Ruhne und Andreas Herzau nicht. Das Paar hatte Henrik Spohler eingeladen, das Projekt zum Auftakt ihres Experiments „Atelier + Kantine“ innerhalb der Festungsanlage zu präsentieren. Dömitz und die Elbe sind fester Bestandteil Mecklenburgs, so wie die Monokulturen an Maisfeldern, aber auch die Biosphärenreservate. „Das Thema des Fotoprojekts passt auch hier in der Griesen Gegend und im Land sowieso bestens“, ist sich Herzau sicher. Ihr eigenes Vorhaben „Atelier + Kantine“ soll künftig mit dazu beitragen, dass eine Vernetzung von sozio-kulturellen Ideen auch über die Dömitzer Elbbrücke hinaus stattfindet. Das kleine Imbiss-Café steht beim Experiment wohl an zweiter Stelle, ist aber von den Besitzern als ein gastfreundliches Muss gewollt. Dieses Vorhaben wird von der Stadt Dömitz unterstützt, wie von Bürgermeister Helmut Bode zu erfahren war. Und auch ein Mieter von Bedeutung auf der Festung ist dabei mit im Boot: Das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe, wie die Dezernatsleiterin Anke Hollerbach bekräftigte.




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